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Amerikanische Intelligenz Die Eierköpfe haben ausgedient

19.02.2009 ·  Wer „egghead“ sagt, meint oft nichts Gutes. In Amerika bezeichnet man damit die politischen Berater auf höchster Ebene, zwar schlaue, aber deswegen nicht immer beliebte Leute. Obama will seine Wirtschaftsberater lieber „propeller heads“ nennen. Auch das löst nicht nur positive Assoziationen aus.

Von Edo Reents
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Mutter Kempowski sagte immer „überstudiert“, wenn sie der Auffassung war, dass jemand zu viel in der Birne hatte, auch wenn gar nicht sicher war, dass der Gemeinte tatsächlich studiert hatte. Es ging ihr dabei um einen von Universitätsabschlüssen unabhängigen, allgemeinmenschlichen Zusammenhang, und sie formulierte, vermutlich ohne jede Absicht, etwas, das die römische Antike unter der Bezeichnung „holder Wahnsinn“ kannte.

Man sieht: Der Bogen von der Horaz-Ode bis „Tadellöser & Wolff“ lässt sich zwar spannen – er lässt sich aber auch überspannen. Die angelsächsische Welt geht mit diesem Sachverhalt entspannter um und spricht vom „egghead“. Der Vorteil: Das eindeutig Abwertende, das dem Begriff im Deutschen anhaftet – „Schiedsrichter, Eierkopf, eijeijeijei“, sang man früher beim Fußball –, ist aufgehoben in einer Ambivalenz, die es erlaubt, höchst geschmeidig Lob oder Kritik zu äußern; denn „egghead“ kann auch den einfachen Intellektuellen meinen, wobei man statt „einfach“ vielleicht doch lieber „kompliziert“ sagen sollte, denn es gibt keinen einfachen Intellektuellen, wohl aber die Intelligenzbestie, ein Phänomen, das vom „egghead“ ebenfalls abgedeckt wird.

Windmacher und Abgedrehte

Auf jeden Fall ist im „egghead“ die antiintellektuelle Ranküne enthalten, die bei Mutter Kempowski so bodenständig anmutete, hier aber eindeutig Züge des Gehässigen zeigt. Landläufig bezeichnete man in Amerika damit auch die politischen und wirtschaftlichen Berater auf höchster Ebene. Man mag dies als Symptom eines auch sonst angenehm sportlichen Umgangs mit der politischen Klasse nehmen, wie er bei uns undenkbar wäre: Es spricht ja Bände, dass man hier immer noch von den fünf Wirtschaftsweisen spricht.

Aber offensichtlich waren die „eggheads“ dem Obama zu hemdsärmelig, denn der Präsident persönlich hat aus dieser ausgesprochen zweideutigen begrifflichen Lage Konsequenzen gezogen und nennt seine Wirtschaftsberater fortan „propeller heads“ – eine merkwürdig ungereimte Bezeichnung, die vom „Wind machen“ bis hin zum „Abheben“ auch nicht die schmeichelhaftesten Assoziationen zulässt. Man wird sehen, welche Bedeutungsnuance sich da durchsetzt. Die „New York Times“ warnt schon: Es gebe nichts Gefährlicheres als einen „propeller head“, der seine Grenzen nicht kennt. Da wäre man dann ganz schnell bei Ikarus.

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Jahrgang 1965, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

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