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Amerika : Wie Bush das konservative Erbe von Reagan verrät

Ronald Reagan galt als gewandter Kommunikator Bild: dpa/dpaweb

Bush, eher Terminator als Kommunikator, taugt trotz aller patriotischen, wirtschaftshörigen, staatsskeptischen Bekenntnisse nicht als Galionsfigur der Konservativen, die Ronald Reagan einst war.

          Laßt Reagan Reagan sein! So sprach seine Frau Nancy, nachdem sein Produktionsteam ihm ein Drehbuch verpaßt und er sich in der Fernsehdebatte derart verheddert hatte, daß seine zweite Amtszeit als Präsident auf der Kippe stand. Wie aus einer rhetorischen Verzückung schwebten Reden vom Teleprompter direkt auf Ronald Reagans Lippen. Im verbalen Schlagabtausch aber war er ein Vorläufer des jetzigen Amtsinhabers. Womit sich die Ähnlichkeit zwischen den beiden Präsidenten auch schon erschöpft hat.

          Jordan Mejias

          Feuilletonkorrespondent in New York.

          Ausbildung und Charakter ergänzten sich

          Im Gegensatz zu George W. Bush war er ein blendender Ideenverkäufer, obwohl das Drehbuch schon in seinen Hollywoodjahren eine ausgesprochen nebensächliche Rolle spielte. Als netter, junger Mann von nebenan, unaufhaltsam frohgemut und auch in der Krise noch gegen jede pessimistische Laune gefeit, verbreitete er um sich eine entspannte, freundliche, allzeit verheißungsvolle Atmosphäre.

          Ausbildung und Wesensart ergänzten sich da aufs wirksamste, und wenn seine Karriere schließlich eine dramatische Wende zur Politik erfuhr, so blieb er doch seinem Kommunikationsmodus treu. In "Bedtime for Bonzo" mußte er zwar einem Affen den Vortritt lassen, aber selbst das stellte kein Hindernis dar, sein in den Filmen gefülltes Sympathiereservoir ins Präsidentenleben zu retten. So bestand seine Regierungsarbeit bisweilen aus Filmzitaten. Im Footballerepos "Knute Rockne: All-American" spornte er als sterbender George Gipp seine Kumpel an, das nächste Spiel für den Gipper zu gewinnen. Warum hätte er das also nicht auch von seinen Parteigenossen im Kongreß erwarten sollen?

          Bush hat schärfere Gangart

          In Reagans Amerika ging immer gerade die Sonne auf, mochte seine konservative Revolution nun auch gerade mal wieder düstere Schatten aufs Land werfen. Für die Nation, die damals lernte, "liberal" als Schimpfwort zu gebrauchen, war sein Konservativismus, der noch nichts vom Epitheton "mitfühlend" wußte, eine Zeit der Prüfung. Künstler und Intellektuelle fanden sich radikal ins Abseits gedrängt. In ihrem Schmollwinkel hätten sie es damals nicht für möglich gehalten, daß im nächsten Jahrtausend ein Präsident nicht nur im Kulturkampf eine verschärfte Gangart einschlagen könnte.

          Was Reagan noch mit Jovialität verbrämte, knallt George W. Bush nun um Ohren und vor sich vergeblich rümpfende Nasen. "Laßt Bush Bush sein!" tönt es anspielungsreich nach einem weiteren mißglückten Auftritt auch aus den Kulissen des Weißen Hauses. Niemand aber wird versuchen, Bush zum großen Kommunikator zu erheben. Zumindest dafür müßten die politischen Gegner dankbar sein. Wenn einer deshalb die Nachfolge des Gippers für sich beanspruchen darf, dann ist es Arnold Schwarzenegger, der mit wachsendem Erfolg in Reagans Übergangsrolle als Kaliforniens Gouverneur auftritt.

          Terminator Bush

          Bush, eher Terminator als Kommunikator, taugt trotz aller patriotischen, wirtschaftshörigen, staatsskeptischen Bekenntnisse nicht als Galionsfigur der traditionellen, gleichsam konservativen Konservativen. Seit er sich in seiner hegemonialen Hybris den Neokonservativen zugeschlagen hat, scheuen die alten Kampfgenossen Reagans nicht mehr den Bruch mit dem ungestümen Welteroberer aus Texas, der die Tugenden der wahren Bewahrer mißachtet.

          Bei der nächsten Wahl wird Bush darum die Getreuen nicht anhalten können, noch einen für den Gipper zu gewinnen. Der Gipper ist tot, und er hat keinen Erben im Weißen Haus. Anschwellende Trauermusik. The End.

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