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Altertum : In Theben ging's los

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Theben, nicht Mykene war im dreizehnten Jahrhundert vor Christus die Zentralmacht des mykenischen Griechenlands. Der älteste griechische Brief, von einem Tübinger Anatolisten identifiziert, erzählt Neues zum Krieg um Troia.

          Eigentlich war es wirklich nur eine Frage der Zeit, aber irgendwie traute man sich doch nicht daran zu glauben, daß es so schnell gehen könnte. In den vergangenen Jahren waren die Indizien dafür, daß Troia - Homers heilige Ilios - mit dem aus der Korrespondenz der hethitischen Großkönige bekannten Wilusa gleichzusetzen ist, so zahlreich geworden, daß die Identifizierung dieses mythosbeladenen Ortes "von außen", also unabhängig von Homer, nunmehr als gesichert gelten darf.

          Die Keilschrifttafeln aus den Archiven in der Hauptstadt Hattusa sprachen eine deutliche Sprache: So etwa im Alaksandu-Vertrag, in dem der Großkönig Muwatalli II. (etwa 1290 bis 1272 vor Christus) einen Vasallen-Vertrag mit dem Herrscher von Wilusa besiegelt; oder im nicht weniger berühmten Tawagalawa-Brief, in dem sich der Hethiterkönig Hattusili II. (etwa 1265 bis 1240 vor Christus) bei dem Herrscher von Ahhijawa - das Reich der bei Homer genannten Achaier - über einen Unruhestifter namens Pijamaradu beschwert, der das hethitische Einflußgebiet an der kleinasiatischen Westküste sowie den vorgelagerten Inseln unsicher macht und bei Tawagalawa - gleichbedeutend mit dem mykenisch-griechischen Namen Etewoklewes/Eteokles -, dem Bruder des Ahhijawa-Königs, offenbar in Millawanda/Milet Unterschlupf findet, sobald ihn Hattusili dingfest machen will. Da der Großkönig den Ahhijawa-Herrscher mit "Mein Bruder!" anredet, stellt er diesen auf eine Stufe mit sich selbst - eine Auszeichnung, die einzig und allein nur noch dem ägyptischen Pharao zukam.

          Ältestes bekanntes Schreiben des mykenischen Griechenlands

          Kein Zweifel also, der König von Ahhijawa war damals ein bedeutender Herrscher und ein nicht zu unterschätzender politisch-militärischer Faktor im diplomatischen Spiel der späten Bronzezeit. Die Frage, wo Ahhijawa/Achaia lag, war lange umstritten, obwohl schon 1924 der Schweizer Altorientalist Emil Forrer das Reich namens Ahhijawa in den Keilschrifturkunden identifizierte und es auf dem griechischen Festland ansiedelte. Daß erst in den achtziger Jahren diese geographische Bestimmung wieder ernsthaft erwogen wurde, das ist wieder einmal mehr einem unseligen deutschen Gelehrtenstreit zu verdanken, der eine mögliche wissenschaftliche Karriere Forrers in den Ansätzen zunichte machte. Aber die bis heute gewonnenen archäologischen und philologischen Ergebnisse ließen bald keinen anderen Schluß mehr zu als eben die Lokalisierung des Zentrums von Ahhijawa auf dem griechischen Festland. Die Ausdehnung des achaischen Machtbereichs über die griechischen Inseln hinweg bis zum Brückenkopf Millawanda/Milet an der kleinasiatischen Westküste, der durch die Ausgrabungen Wolf-Dietrich Niemeiers als solcher nachgewiesen ist, zeigte eindrucksvoll eine Karte in der Hethiterausstellung in Bonn im vergangenen Jahr.

          Damit waren Wilusa/Ilios und Ahhijawa/"das Land der Achaiwoi"/Achaier bestimmt, die Bedeutung von Troia und mykenischem Griechenland im Machtspiel mit dem hethitischen Großreich wissenschaftlich belegt. Bislang jedoch kannten wir nur Briefe des Hethiterkönigs an den König der Achaier, also eine Korrespondenz-Dokumentation von Ost nach West. Nun aber haben wir den Brief eines Achaierkönigs an den Herrscher in Hattusa. Die Identifizierung dieses ältesten bekannten Schreibens aus dem mykenischen Griechenland ist dem Tübinger Anatolisten Frank Starke zu verdanken, der in Troia einen ersten Einblick in seine Ergebnisse gewährte, die bereits von anderen Anatolisten nachgeprüft und als korrekt befunden wurden. Die wissenschaftliche Publikation mit ausführlichem Kommentar ist in Vorbereitung.

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