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Alkohoverbot im Nahverkehr In vollen Zügen

20.10.2009 ·  Über die Deutsche Bahn witzelt es sich leicht und gern, für berechtigte wie wohlfeile Kritik an ihr findet sich stets ein Anlass. Das gilt auch für den Vorschlag, künftig in Nahverkehrszügen ein Alkoholverbot zu verhängen.

Von Jochen Hieber
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Über die Deutsche Bahn witzelt es sich leicht und gern, für berechtigte wie wohlfeile Kritik an ihr findet sich stets ein Anlass. Das gilt auch für den Vorschlag, künftig in Nahverkehrszügen ein Alkoholverbot zu verhängen, um dergestalt sowohl die Aggressivität als auch den Vandalismus von Trunkenbolden zumindest einzudämmen, wenn nicht zu verhindern.

Vieles an diesem Vorschlag, der übrigens von Konrad Freiberg, dem Chef der Polizeigewerkschaft, stammt, ist ganz unrealistisch. Woher das Personal nehmen, um die Prohibition auch durchzusetzen? Wie verhindern, dass bereits vorab Alkoholisierte dann erst in der Bahn ihrer Enthemmung frönen? Warum ein Verbot nur im Nah- und Regionalverkehr - etwa bloß, weil die Bahn ihren alkoholischen Bistro- und Restaurantumsatz im ICE nicht schmälern will? Und wie, fragte prompt ein bahnwitzelnder Zeitgenosse in Gestalt des Frankfurter Sicherheitsdezernenten Volker Stein, wolle man eigentlich feststellen, ob die Thermoskanne des Mitreisenden nicht lediglich dazu diene, den Cognac zu camouflieren?

Der Fußballbund soll's richten

Natürlich will auch Herr Freiberg den „vielen lustigen Reisegruppen“ die vielen netten Sektprösterchen auf dem Weg ins wochenendliche Naherholungsgebiet nicht vermiesen. Weshalb das zuginterne Alkoholproblem am Ende dort landet, wo dann vor allem mal wieder der DFB gefragt ist - bei den Fußballrowdies zumal der unteren Ligen, die zur Fahrt von, sagen wir, Halle nach Magdeburg schon betrunken anrücken, zudem Kastenladungen Bier mit sich führen, um diesen Zustand auch ja zu erhalten und am besten noch zu steigern. Zuallererst diese Zielgruppe im Visier hat die private Bahngesellschaft Metronom, die in Norddeutschland täglich achtzigtausend Fahrgäste befördert, sich aber in erster Linie vor den jugendlichen Wochenendpassagieren fürchtet.

In den Metronom-Zügen gilt von Mitte November an ein generelles Alkoholverbot. Um es durchzusetzen, so eine Sprecherin, werde man „massiv auf private Sicherheitsdienste zurückgreifen“. Für die große Deutsche Bahn wird die kleine private Initiative kein Vorbild sein. Noch ein paar Tage dürfte die Debatte hin- und herwogen, dann wird sie durch ein neues Bahnthema abgelöst. Ein Vorschlag dazu: Sollte man nicht über die Wiedereinführung von Raucherabteilen nachdenken? Rauchen beruhigt.

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Jahrgang 1951, Redakteur im Feuilleton.

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