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Alfred Toepfer: Mäzen im Zwielicht : Gutes Geld, dunkle Absichten?

Alfred C. Toepfer, Aufnahme aus dem Jahr 1988 Bild: Ullstein

Der Historiker Michael Pinto-Duschinsky wirft der Alfred-Toepfer-Stiftung vor, ihren Namensgeber zu verklären - und fordert die Universität Oxford auf, ihre Verbindungen mit der Stiftung zu kappen. Das hätte Folgen für die Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit - nicht nur an britischen Hochschulen.

          Die Verstrickung des 1993 gestorbenen Hamburger Kaufmanns und Mäzens Alfred Toepfer in das Hitler-Regime ist bereits seit fünfzehn Jahren Gegenstand öffentlicher Debatten, in denen Historiker unterschiedliche Positionen beziehen. Es hat sich sogar eine Art von Historikerstreit entzündet an der Bewertung der Figur Toepfers und seiner Wirkung als Stifter, eine Auseinandersetzung freilich, in der sich die konträren Ansichten spiegeln, welche den Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit kennzeichnen. Denn der Unternehmer steht ja auch für die vielfach bemängelten Kontinuitäten im Nachkriegsdeutschland.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Ein Beitrag des auf die Parteienfinanzierung spezialisierten Politikwissenschaftlers Michael Pinto-Duschinsky in der neokonservativen britischen Monatszeitschrift „Standpoint“ (Michael Pinto-Duschinsky: The Prize Lies of a Nazi Tycoon) rollt die schon mehrfach erhobenen und größtenteils auch belegten Vorwürfe gegen Toepfer jetzt wieder auf: dass er die Nähe zu den Größen des Hitler-Regimes gesucht habe; dass er mit seiner „Förderung des deutschen Volkstums“ die nationalsozialistische Kulturpolitik unterstützt habe; dass seine Handelsfirma im Krieg nicht nur Umsatz und Gewinn steigern konnte, sondern auch Geschäfte im besetzten Polen abschloss, unter anderem mit der Gettoverwaltung von Litzmannstadt, die 1942 von einem Tochterunternehmen neben Lebensmitteln auch den häufig für die Abdeckung von Leichen verwendeten Löschkalk bezog; dass Toepfer nach dem Krieg Spuren verwischte, sich gar zum Widerstandskämpfer stilisierte, derweil er wegen ihrer Beteiligung an der Judenvernichtung verurteilte Kriegsverbrecher und andere Funktionäre des Hitler-Regimes beschäftigte oder ihnen anderwärtig half; dass er Preise verlieh an Personen, die sich nie vom Nationalsozialismus distanziert hatten, und durch seine Stiftungen zudem die Subventionierung völkischer Anliegen fortsetzte.

          Der Besuch von Toepfers Tochter in Oxford

          Obwohl „Standpoint“ die Geschichte auf der Titelseite unter der Überschrift „Die Toepfer-Akten - ein Nazi-Schatten über Oxford“ als „Sonderuntersuchung“ präsentiert, beruht Pinto-Duschinskys Beitrag vor allem auf den Forschungen des Historikers Jan Zimmermann, wie er selbst in einer persönlichen Mitteilung bekannte. Doch wird dieser Verfasser einer überaus kritischen Biographie Alfred Toepfers im Artikel überhaupt nicht genannt, obwohl Zimmermann Pinto-Duschinksy zudem mit weiteren Archivrecherchen behilflich war. Als weitere Quelle dienen Christian Gerlachs Erkundungen der Tätigkeit des Toepfer-Unternehmens in Osteuropa.

          Die Geschäftstelle der Stiftung am Hamburger Georgsplatz

          Pinto-Duschinsky weist darauf hin, dass er die bisherigen Befunde durch eigene Forschungen vor allem in britischen und amerikanischen Archiven ergänzt habe. Aus der Korrespondenz über einen längeren Aufenthalt einer Tochter Alfred Toepfers in Oxford schließt er, dass diese sich im Auftrag des Vaters für den in Landsberg als Kriegsverbrecher inhaftierten SS-Brigadeführer Edmund Veesenmayer verwendet haben müsse. Veesenmayer hatte als Reichsbevollmächtigter dem Auswärtigen Amt in Berlin fast täglich Telegramme über die „Beseitigung des Judentums“ in Ungarn geschickt. Seine treue Sekretärin Barbara Hacke, das enthüllt Pinto-Duschinsky, hatte nach dem Krieg für Toepfer gearbeitet, wie nach seiner Entlassung vorübergehend auch Veesenmayer selbst.

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