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Alban Nikolai Herbst : Hilferuf eines Autors

  • -Aktualisiert am

Man kann alles ersteigern - jetzt auch Romanfiguren Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Geld verdienen ist für Literaten schwierig. Alban Nikolai Herbst kam daher auf eine kreative Idee. Bei Ebay kann man eine Figur in seinem Roman ersteigern, die nach dem eigenen Vorbild geschaffen wird.

          In diesem Winter erreichte uns ein Brief. Ein Schriftsteller hatte ihn geschrieben, der vor einiger Zeit mit einem Buch über Scharlatane einigen Erfolg gehabt hatte.

          In diesem Brief schrieb er nicht über sich. Er schrieb über einen Freund, nein, für einen Freund schrieb er. Dieser Freund, ebenfalls Schriftsteller, findet für sein neues Buch keinen Verlag. Der Freund nannte das einen Skandal. Und fügte hinzu: „Zugegeben, Alban gehört zu den Menschen, die kaum eine Gelegenheit auslassen, sich unbeliebt zu machen - aber das gibt den Lektoren nicht das Recht, ihn vor die Hunde gehen zu lassen.“

          Merkwürdig, dachte man sich. Jeder Lektor der Welt hat doch nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht, ein Manuskript, von dem er nichts hält, abzulehnen, das ist doch seine Aufgabe. Kurz darauf kam eine Mail des Schriftstellers, dem da geholfen werden sollte, und er schrieb, man solle diesen Hilferuf vergessen, das sei ja alles furchtbar peinlich.

          Sein letzter Roman wurde verboten

          Der Schriftsteller in Not ist Alban Nikolai Herbst, der eigentlich Alexander Michael von Ribbentrop heißt, ein Großneffe Joachim Ribbentrops, des deutschen Außenministers unter Hitler. Er ist einer dieser großen, sich selbst stilisierenden Außenseiter des deutschen Literaturbetriebs, der gigantische Großromane wie das Tausendseitenwerk „Wolpertinger oder Das Blau“ geschrieben hat und über dessen Bücher die Kritik sich noch längst nicht einig ist, ob es die Schwadronierwerke einer gigantischen Plaudertasche oder Meisterwerke eines großen deutschen magischen Realisten sind.

          Er ist studierter Philosoph und Rechtsanwaltsgehilfe, und er arbeitete eine Weile als Aktien- und Devisenbroker. Auf den Empfängen des Literaturbetriebs trägt er meist die besten Anzüge, er hat eine leuchtende Glatze, reicht Zigarillos aus silbernen Etuis und schraubt das Gesprächsniveau in theoretische Gipfelhöhen. Der Siegelring an seiner linken Hand ist gigantisch. Sein letzter Roman „Meere“ wurde von einem Gericht verboten, da sich eine frühere Geliebte darin unverstellt beschrieben fand.

          Mit den Mieten im Rückstand

          Das Verbot kann einer der Gründe sein, wieso sich kein Verlag für sein aktuelles Großwerk, den Abschlußband seiner Trilogie „Argo“, findet. Ein anderer die Qualität. Wissen wir nicht. Wir wissen nur, daß die Notlage inzwischen offenbar so groß geworden ist, daß er sich jetzt selbst, per Mail und auf seiner Homepage (albannikolaiherbst.de), wo er auch ein literarisches Weblog führt, an mögliche Helfer wendet.

          „Einige Worte in eigener Sache. Es ist existentiell so eng geworden, daß ich derzeit mit den Mieten immer ins Hintertreffen gerate; die Krankenversicherung bediene ich seit längerem nur noch mit kleinen Stotterbeträgen, damit es bei Mahnungen bleibt und sie mir nicht gekündigt wird.“

          Und er appelliert dringend an einen möglichen Mäzen, der ihm für ein Jahr die Miete von 155 Euro bezahlt. Und auch die Scham, die ihm noch den Brief des Freundes als so peinlich erscheinen ließ, hat er sich abgewöhnt: „Ich habe bei diesem Anliegen kein schlechtes Gewissen, sondern stehe da in einer Tradition, der man, so bitter sie auch ist, stolz ins Auge sehen kann.“

          Werden Sie Romanfigur

          Die Reaktionen auf seiner Homepage waren zwiespältig. Er solle doch einfach was arbeiten, meinten die einen. Sein Jammerton sei schauderhaft, die anderen. Eine Leserin hatte eine Idee. Warum er nicht einfach eine Romanfigur auf Ebay versteigere, fragte sie. - Was für eine glänzende Idee.

          Beim Internetauktionshaus kann man jetzt unter der Überschrift „Werden Sie Romanfigur“ einen einsam leuchtenden Schriftstellerschreibtisch sehen. Ein leeres Buch, ein Stift. Und Herbst schreibt: „Ich bin ein deutscher Schriftsteller und versteigere an den Höchstbietenden die Rolle in einem Roman. Die Rolle kann Ihren Wünschen entsprechen und Ihren Namen tragen.

          Sie können etwas sein, was Sie immer sein wollten. (. . .) Der Roman ,Argo. Anderswelt' entsteht derzeit in der Rohfassung. Bei Geboten, die 1.000 Euro nicht übersteigen, wird es eine allerdings liebevoll gestaltete Nebenfigur werden, bei Geboten über 1.000 Euro eine der tragenden Personen des Buches. Einzelnes dann nach Absprache. Für mich selbst ist dies schon rein handwerklich eine reizvolle Aufgabe.“

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