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Al Qaida Abu Talha - der Deutsche

02.02.2009 ·  Wild gestikulierend droht der aus Marokko stammende Bonner Bekkay Harrach in einem Al Qaida-Video Deutschland mit Terror. Litaneien wie diese gibt es seit langem, nur fanden sie, in englischer oder arabischer Sprache, bei uns nie den Widerhall, der ihnen gebührt. Dieser Terrorist aber spricht auf Deutsch zu uns.

Von Michael Hanfeld
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Al Qaida spricht deutsch. Akzentfrei formuliert der Terrorist, der seine Herkunft mit seinem Kampfnamen Abu Talha – der Deutsche – verrät. Wild gestikulierend, als sei er sein eigener Gebärdendolmetscher, tritt der aus Marokko stammende Bonner Bekkay Harrach auf in seiner Internetlesung, der inzwischen ein zweites Drohvideo gefolgt ist.

Die Botschaft, die in der Einsicht gipfelt, dass nicht Helmut Kohl, sondern der „heißgeliebte“ Usama Bin Ladin die deutsche Einheit in Form gebracht habe – weil er die Rote Armee aus Afghanistan vertrieb –, mag uns krude erscheinen. Die Querverweise auf die Gesundheitspolitik und die Steuerlast lachhaft und die Sprachbilder putzig: „Wisset, die Taliban und Al Qaida sind wie eine Primzahl, die nur durch sich selbst und durch Eins teilbar ist.“ Der propagandistische „Erfolg“ der Ansprache ist trotzdem ungeheuer.

Ihr werdet euch wünschen, Südkoreaner zu sein

Sie richtet sich direkt an die Adressaten und stammt von einem aus unserer Mitte, einem homegrown terrorist. Der wiederholt, was Al Qaida seit Jahren predigt: Wer Muslime angreift, im Irak oder in Afghanistan, ist der Feind, gegen den man sich in Allahs Namen verteidigen und also Anschläge verüben darf. Man müsse nur einen Buchstaben verschieben, belehrt uns Abu Talha, schon werde aus der „Atombombe“ des Westens die „Autobombe“ der Mudschahedin. Solche Litaneien gibt es seit langem, nur fanden sie, in englischer oder arabischer Sprache, bei uns nie den Widerhall, der ihnen gebührt.

Dabei war, spätestens nachdem Al Qaida die Spanier mit den Anschlägen in Madrid aus dem Irak gebombt hatte, klar, dass Deutschland als Anschlagsziel hinter den Vereinigten Staaten und Großbritannien auf Platz drei rangiert. Nun, sagt Abu Talha, „läuft den Deutschen die Zeit davon“; die Zeit, eine „einmalige historische Chance“ zu ergreifen; die Zeit, in der die Bundeswehr aus Afghanistan abziehen soll; die Zeit bis zur Bundestagswahl im Herbst.

Der Appell richtet sich an alle Parteien und Wähler – Abu Talha spricht nicht nur deutsch, er schätzt auch die hiesigen Befindlichkeiten, die große Ablehnung des Afghanistan-Einsatzes – richtig ein. „Es wird der Tag kommen, an dem ihr euch wünschen werdet, Südkoreaner zu sein.“ Doch schon der Verweis auf die Mohammed-Karikaturen zeigt, dass Afghanistan nur die erste Forderung ist. Die Al-Qaida-Liste für die Deutschen ist länger, als viele wahrhaben mögen. Wir werden sie zu hören und zu sehen bekommen. Auf Deutsch, damit wir sie auch endlich verstehen.

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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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