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Kulturgutzerstörung in Mali : Mit Spitzhacken, Schaufeln und Bulldozern entweiht

  • -Aktualisiert am

Ahmad Al Faqi Al Mahdi vor dem Internationalen Strafgerichtshof Bild: dpa

Dschihad gegen das Weltkulturerbe: Ahmad Al Faqi Al Mahdi zerstörte religiöse und historische Monumente in Timbuktu. In Den Haag wurde er verurteilt – als erster Kriegsverbrecher explizit wegen Kulturgutzerstörung.

          Wie erwartet endete der Prozess gegen Ahmad Al Faqi Al Mahdi mit einem Schuldspruch. Am gestrigen Dienstag verurteilte der Internationale Strafgerichtshof IStGH in Den Haag den Angeklagten zu neun Jahren Haft. Er hatte sich 2012 an der Zerstörung zehn historischer und religiöser Monumente in Mali beteiligt. Der Islamist hatte zusammen mit anderen Tätern gezielt Unesco-Weltkulturerbestätten in Timbuktu attackiert. Er ordnete die Zerstörung von neun Mausoleen und eines Teils der Sidi-Yahya-Moschee an.

          Al Mahdi, in Agoune, hundert Kilometer westlich von Timbuktu geboren, ist nach Feststellungen des Gerichts zwischen dreißig und vierzig Jahren alt und Korangelehrter. Die Urteilsbegründung der Kammer lässt an der Fairness des Verfahrens und der Berechtigung des Schuldspruchs keinen Zweifel. Das gegen ihn ergangene Urteil schreibt nun in mehrfacher Hinsicht Völkerrechtsgeschichte. Zum ersten Mal stand ein Angeklagter nur wegen Kulturgutzerstörung vor einem internationalen Gericht. Zum ersten Mal hat sich ein Angeklagter vor dem IStGH schuldig bekannt. Das Gericht hat die Chance genutzt, um auf die Eigenständigkeit des Tatbestands „Kulturgutzerstörung“ als Kriegsverbrechen nachdrücklich hinzuweisen.

          2012 zerstörten Islamisten diesen historischen Tempel in Timbuktu.

          Die Bevölkerung Timbuktus engagierte sich in der Pflege der Mausoleen, die Besucher waren Betende und Pilger. Das Gericht hob daher nicht nur ihren religiösen, sondern auch ihren symbolischen und emotionalen Wert hervor - und prangerte spiegelbildlich die Schwere des Verbrechens an.

          Al Mahdis Absicht war interessanterweise nicht von Anfang an auf Zerstörung ausgerichtet, er setzte aber den Befehl konsequent um. Die Dynamiken der Eskalation und Radikalisierung lassen sich nur erahnen. Umgekehrt wirkte sein Schuldeingeständnis nicht nur auf die Richter, die dies mildernd berücksichtigten, glaubhaft. Er hatte zur Tataufklärung beigetragen, seine eigenen Beiträge an den Verbrechen offengelegt und Schadensersatz angeboten. Während der Urteilsverkündung hörte er aufmerksam zu, die ihm zugemessene Strafe schien er sogar mit einer Geste des Dankes entgegenzunehmen. Oder galt die Verbeugung nur der richterlichen Erlaubnis, sich wieder setzen zu dürfen?

          Während des Verfahrens hatten Kritiker moniert, dass der Angeklagte nicht auch wegen anderer Verbrechen - Vergewaltigungen, Zwangsheiraten und sexuelle Versklavungen - vor Gericht gestellt wurde. Außerdem war die Frage nach Mittätern und Drahtziehern aufgeworfen worden. Schließlich wurde bemängelt, dass sich das Gericht nicht anderer völkerstrafrechtlicher Vorfälle angenommen habe, in denen sogar Menschen getötet worden waren. In der Lesart der Kritiker hat die symbolische Bekräftigung des Urteils, dass es eine völkerrechtliche Schutznorm für Kulturgut gebe, ihre unausgewogenen und dunklen Seiten. Zudem wird wieder einmal über einen afrikanischen Angeklagten der Stab gebrochen, während Nordamerika und Europa auf der Landkarte des noch jungen Völkerstrafrechts ausgenommen bleiben. Immer noch nicht haben die Vereinigten Staaten den Vertrag ratifiziert, der dem IStGH zugrunde liegt. Das Völkerrecht, so könnte man sagen, fördert noch in seinen Fortschritten manche hegemonial-westlichen Strukturen, die ihm schon seit jeher eingeschrieben sind.

          Die Angreifer hatten mit ihren Taten die Bühne der Weltöffentlichkeit gesucht. Al Mahdi selbst war es, der vor Journalisten seinerzeit die Zerstörungen rechtfertigte und sie damit zugleich inszenierte. Nun bot das Haager Gericht die große Bühne für eine entschiedene Verurteilung dieser Angriffe. Doch es bleibt ein Paradox, das auch eine Herausforderung für das Recht darstellt: Je stärker Kultur als schutzwürdig empfunden wird, je mehr sie nun auch dem Schutz des Völkerrechts und internationaler Strafgerichtshöfe unterstellt wird, umso attraktiver wird sie als Ziel für Angriffe, die all diese Werte und Normen auslöschen wollen.

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