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Veröffentlicht: 16.01.2001, 00:00 Uhr

Aktion „Der Bevölkerung“ den Sprengstoff und das Arsen

Zwei Grünen-Abgeordnete wollen mit TNT und Arsen kontaminierte Erde aus einer früheren Rüstungsanstalt in Hans Haackes Kunstwerk „Der Bevölkerung“ deponieren. Bundestagspräsident Thierse zeigt sich wenig begeistert.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) zeigt sich wenig begeistert: Zwei Grünen-Abgeordnete wollen mit TNT-Sprengstoff und Arsen kontaminierte Erde aus einer früheren Eifler Rüstungsanstalt in Hans Haakes Kunstwerk „Der Bevölkerung“ deponieren. Der als Gemeinschaftsprojekt konzipierte Trog, der dem Mutterboden aller bundesdeutschen Wahlkreise offen steht, befindet sich im Innenhof des Berliner Reichstagsgebäudes.

Der Vorschlag stammt von Ulrike Höfken und Michaele Hustedt aus den Wahlkreisen Bitburg und Euskirchen/Erftkreis II. Die Parlamentarier informierten zum Wochenbeginn den Bundestagspräsidenten, der in einem Brief entgegnete, er könne es nicht zulassen, „dass Sie diese Erde, von der nach Ihrer eigenen Einschätzung Gesundheitsgefahren ausgehen“ in das Kunstwerk eingebracht würde.

Höfken und Hustedt müssten außerdem das Einverständnis des Künstlers einholen. Dessen Intentionen sei es, durch das Zusammentragen der Erde aus allen Gegenden der Bundesrepublik eine Mischung von Boden und Samen zu erzielen, „aus der eine freie Vegetation ohne gärtnerischen Eingriff wächst, die einen lebendigen und reizvollen Gegensatz zum steinernen Innenhof und zu dem hochtechnisch ausgestatteten Gebäude schaffen soll“. Eine schadstoffbelastete Erde würde dieser künstlerischen Idee aber widersprechen.

Höfken und Hustedt argumentieren dagegen, sie wollten zeigen, dass es in der Vielfalt der Regionen sowohl schöne als auch problematische Aspekte gebe. „Soll es denn sein, das man diese belastete Erde den Menschen und der Umwelt in unseren Wahlkreisen zumutet, sie aber am Tagungsort des Bundestages nicht haben möchte?“ Um eine Gesundheitsgefährdung im Reichstag auszuschließen, könne die Erde auch in einem sicher verschlossenen Behältnis im Innenhof des Reichstagsgebäudes eingelagert werden.

Die Abgeordneten wollen mit ihrer Aktion auch darauf aufmerksam machen, dass die Altlasten aus dem Ersten Weltkrieg nicht vollständig saniert, sondern nur oberflächlich abgedeckt würden. Die Rüstungsanlage Espagit an der Landesgrenze von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in der Eifel ist nach ihren Angaben eine der größten Rüstungsaltlasten des Ersten Weltkrieges in Deutschland. Hier seien die Granaten für die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges produziert, nach dem Ende des Krieges hier auch entschärft worden, darunter auch Giftgasgranaten. Die Mitnahme von tennisball-großen Tri-Nitro-Toluol-Klumpen (TNT-Sprengstoff) aus diesem Bereich werde von den Behörden als Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz geahndet.

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