06.07.2011 · Nach der Entlassung Ai Weiweis fließen die Informationen nur spärlich. Vier seiner Mitarbeiter sind inzwischen wieder aufgetaucht. Und auch die Höhe der Steuerforderung gegen den Künstler wurde veröffentlicht.
Von Mark Siemons, PekingPu Zhiqiang, ein enger Freund des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo und einer der bekanntesten Bürgerrechtsanwälte Chinas, wird zusammen mit Xia Lin die Firma „Beijing Fake Cultural Development Ltd.“ von Ai Weiwei in der gegen diese angestrengten Steuersache vertreten. Die Steuerbehörde hatte von Ai Weiwei vergangene Woche fünf Millionen Yuan Renmimbi Steuernachzahlungen und sieben Millionen Yuan Bußgeld (insgesamt etwa 1,28 Millionen Euro) verlangt.
Pu fordert Beweise für die Steuerschuld und beklagt sich, dass er keinen Einblick in die Finanzunterlagen der Firma habe, weil die Polizei sie kurz nach Ai Weiweis Verhaftung Anfang April beschlagnahmt hatte. Der Rechtsanwalt Liu Xiaoyuan, ein Freund des Künstlers, hat im Internet unterdessen Ais hunderttausend Twitter-Follower zu Spenden aufgerufen, um das Geld aufzubringen. Das, so wurde ihm vorgehalten, komme einem Schuldeingeständnis gleich. Liu Xiaoyuan verteidigte sich gegen diesen Vorwurf mit der Frage: „Wenn dich ein Räuber überfällt und du gibst ihm deine Brieftasche - heißt das dann, dass du schuldig bist?“
Der Gesundheitszustand der vier Mitarbeiter von Ai Weiwei, die kurz nach seiner Verhaftung ebenfalls verschwunden waren und in den Tagen nach Ais Entlassung freikamen, bleibt unklar. Laut Ais Mitarbeiterin Liu Yanping, die das Geschehen fortlaufend über Twitter kommentiert, erlitt der neunundvierzig Jahre alte Architekt Liu Zhenggang während der Verhöre einen Herzanfall und wird nun in einem Militärkrankenhaus behandelt. Ais Cousin und Fahrer Zhang Jinsong, der früher „xiao pang“ (kleiner Dicker) genannt wurde, habe in der Haft neunzehn Kilogramm Gewicht verloren; sein Gemütszustand sei instabil.
Von der fünfundfünfzig Jahre alten Buchhalterin Hu Mingfen, die von Mitarbeitern als nicht an Politik interessierte Frau beschrieben wurde, und von Ai Weiweis Freund Wen Tao, einem achtunddreißig Jahre alten ehemaligen Sportjournalisten, der zuletzt als Redakteur der Parteizeitung „Global Times“ mehrere freundliche Artikel über Ai geschrieben hatte, bevor er dort entlassen wurde, gebe es keine Nachrichten.
Liu Yanping überliefert auch ein Zitat von Ai Weiweis Frau Lu Qing, die von den jungen Mitarbeitern der „Fake“-Firma „Tante“ genannt wird: „Es gibt in der Welt keinen Retter. Die wirklich tapferen Menschen sind die gewöhnlichen Leute, die Stück für Stück versuchen, die vermeintlich unzerstörbare Mauer vor ihnen zu durchbrechen. Die meisten schwachen Menschen schweigen, und sie schämen sich dafür. Feigheit darf kein Grund sein für Flucht. Die zornigen jungen Männer werden nicht älter, sie werden nur Väter.“
Steuern in China
Klaus Dieter (Leser2009)
- 06.07.2011, 04:52 Uhr
Danke Herr Siemons! Fakten statt Ideologie...mehr davon
Neru Kaneah (Kaneah)
- 06.07.2011, 05:32 Uhr