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Agnès Varda zum Achtzigsten Das Glück der Sammlerin

30.05.2008 ·  Agnès Varda, die Dokumentaristin unter den Autorenfilmern der Nouvelle Vague, ist eine akribische Sammlerin, die mit Neugier und Melancholie das Leben beschreibt. Heute wird sie achtzig Jahre alt.

Von Michael Althen
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In ihrem Drehbuch zu „Cleo von 5 bis 7“ steht ganz lapidar: „Der Film soll dem Ablauf der Erzählung entsprechend gedreht werden in natürlichen Dekors und auf der Straße in Paris.“ Das war 1961 als Losung der Nouvelle Vague durchaus geläufig, aber Agnès Varda hat sie noch ein bisschen radikaler umgesetzt als ihre männlichen Kollegen. In Realzeit verfolgt man den Weg der Sängerin Corinne Marchand, die unglücklich, abergläubisch und vermeintlich todkrank ist, quer durch Paris, zu Fuß durch Saint-Germain, im Taxi nach Montparnasse, im Bus zur Salpétrière, bei einer Kartenleserin und einer Hutmacherin, im Café und im Parc Montsouris - neunzig Minuten, in denen man eintaucht in ein Paris des Juni 1961, immer der hübschen Blonden im kleinen Schwarzen auf den Fersen, und man versteht sofort, warum Madonna mit Agnès Varda ein Remake drehen wollte.

„Ich weiß nicht, ob ich darauf Lust habe“, sagte die Regisseurin nach einer Begegnung in Los Angeles, „aber ich mag die Melancholie, die aus Madonnas Blick spricht, wenn er nicht gerade stechend ist. Und es wäre interessant, über dreißig Jahre später ein self-remake zu drehen, eine Reprise von Ideen und Gefühlen über so einfache Themen wie die Schönheit und den Tod. Ich stelle mir vor, wie ich Madonna vormache, wie man eine Treppe hinabsteigt, ihr, die das in jeder Show tut. Das wäre kokett.“

Neugier und Melancholie

Aus diesen Sätzen spricht genau jene vergnügte Neugier auf die Welt, die ihre Filme ausmacht und die aber natürlich auch nicht ohne Melancholie auskommt. Da muss man nur mal „Vogelfrei“ ansehen, der Sandrine Bonnaires Weg als Tramperin in Kälte, Hunger und Tod nachzeichnet und Agnès Varda 1985 einen Goldenen Löwen in Venedig einbrachte.

Als Filmemacherin ist sie stets munter zwischen den Formen hin und her gesprungen, ist das Dokumentarische stets spielerisch angegangen - und hat in den Spielfilmen nie den Bezug auf die Wirklichkeit aus den Augen verloren. André Bazin schrieb nach ihrem ersten Film „La Pointe Courte“ 1955: „Die Filme von Agnès Varda gleichen einem Tagebuch oder besser noch einer Erzählung in der ersten Person, die man, aus Diskretion, in die dritte versetzt hat.“ Man kann sagen, dass sie sich das quasi zu Herzen genommen hat.

Ihrem Ehemann, dem Regisseur Jacques Demy, hat sie nach seinem Tod den wunderbaren Liebesbrief „Jacquot de Nantes“ hinterhergeschickt, hat Jane Birkin und ihrer Familie zwei Filme gewidmet, hat den Karyatiden von Paris und den Wandmalereien von Los Angeles ein Denkmal gesetzt, hat die schöne Fernsehserie „Une minute pour une image“ initiiert und einen tollen Essay über das Sammeln gedreht, der sein Thema auf der Straße aufliest. Zum Achtzigsten dieser quicklebendigen Frau wünscht man sich, dass sie noch lange weitersammelt.

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