16.09.2005 · Früher, beim letzten Mal also, vor drei Jahren, haben die Agamben-Leser vielleicht noch Grün gewählt - vorausgesetzt, sie durften damals schon wählen. Was tun sie diesmal?
Früher, beim letzten Mal also, vor drei Jahren, haben die Agamben-Leser vielleicht noch Grün gewählt - vorausgesetzt, sie durften damals schon wählen. Denn sie sind jung, eingeschrieben in den Philosophischen Fakultäten der Republik, Erst- oder Zweitwähler in der Terminologie der Meinungsforscher, genauer, Erst-Nichtwähler.
In diesem Jahr nämlich wählen sie nicht. Sie lesen vielmehr die Werke ihres Meisterdenkers, und während sie lesen, leuchten sie gleichsam von innen, durchdrungen von Erkenntnis und der Radikalität ihrer Verweigerung. Nicht zu wählen ist der kleinste Beitrag, den sie leisten können, um das von Agamben geforderte positive Verhältnis zur „Anomie“, zu einer gesetzlosen Gemeinschaftsform, zu finden. Wenn die Welt als Ganzes vom permanenten Ausnahmezustand überschattet wird, dessen Emblem und Essenz das Konzentrationslager ist, wie kann man dann daran denken zu wählen? Besser, man grübelt über Sätze wie diesen: „Die Profanierung des Nicht-Profanierbaren ist die politische Aufgabe der kommenden Generation.“