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Japanischer Stil : Welche Schönheit wollen wir?

Auf den beiden Museums-Inseln Teshima und Naoshima wollen japanische Architekten ihren Landsleuten den Weg zu einer neuen Ästhetik weisen. Es ist beeindruckend – wenn nur der Geruch nicht wäre.

          Vor einiger Zeit wurde im japanischen Kyoto eine Ausstellung eröffnet, die den Titel „Future Beauty“ trug. Sie brachte einen Begriff zurück, der lange aus dem kulturellen Schaffen des aktuellen Japan verschwunden war. Die Architektur und das aktuelle Design wurden für ihre innovativen Raumkonzepte, ihre konzentrierte Form, ihre Antworten auf Fragen der alternden Gesellschaft gefeiert. Aber „Schönheit“?

          Im Zuge einer Besinnung auf die Hochphase japanischen Designs wird jetzt wieder auf die formalen Erfindungen einer Generation japanischer Designer wie Yohji Yamamoto, Issey Miyake oder Kenzo Takada geschaut. Designer, die in den siebziger und achtziger Jahren die ganze Welt, insbesondere aber Europa inspiriert haben, und zwar nicht nur auf ihrem Feld, sondern auch in Kunst und Architektur, die von ihrem Umgang mit Stoffen, mit Grenzen zwischen Körper und Raum, viel lernten und heute wieder lernen sollen von den ungewöhnlichen Schnitten, eigenwilligen Formen, neu erfundenen Falt- und Knittertechniken und besonderen Materialien.

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          Diese Rückbesinnung findet in einem Moment der Krise statt. Nach einer Welle japanischer Architektur, die weit außerhalb Japans, etwa mit dem New Museum in Manhattan und der Louvre-Filiale in Lens von Sanaa Architects, für Furore sorgte, stockt die ästhetische Innovationsmaschine. Japan sechs Jahre nach der Atomkatastrophe Fukushima, im Moment des nordkoreanischen Aufstiegs zur Atommacht: Wie hat sich das Land verändert? Hat es sich überhaupt spürbar verändert? Woran und wie zeigen sich diese Veränderungen? Und gibt es eine neue Generation innovativer Designer, die die Stimmung verarbeiten – oder in eine neue Richtung bewegen? Man hört Namen wie „Antagonist Agonist“, „Nukeme“, „Natra“. Es gibt eine neue Designer- Generation, die aber im Wesentlichen lokal arbeitet, nicht mehr international. Auf die Frage, warum das so sei, schaut man in ratlose Gesichter. Japan habe sich verändert, sich in gewisser Weise zurückgezogen, aus der Welt. Ob das mit Fukushima zusammenhänge, will ich wissen, oder dem wirtschaftlichen Niedergang, der alternden Gesellschaft? Ein unsicheres Schulterzucken, ein leises Nicken. Unterschwellig schwingt die Angst vor einer eventuellen Wiederholung der Katastrophe oder einer neuen, einem Erdbeben, einer militärischen Aggression, immer mit in den Gesprächen mit Intellektuellen, Geschäftsmännern, Architekten, Menschen aus der Modewelt, ein Gefühl des Ausgeliefertseins. Es gab Fukushima. Informationen bekommt die Bevölkerung kaum. Wir bekommen den Hinweis, darauf zu achten, möglichst kein Leitungswasser zu trinken, aufgrund des überhöhten Cäsiumgehalts. Dieser Hinweis kommt von einem im Ausland lebenden Japaner drei Tage nach unserer Ankunft. Kann man versuchen, die Krise als Chance zu begreifen? Und wenn ja, worin bestünde diese Chance, wie könnte sie aussehen? Was müsste grundlegend geändert werden?

          Wir treffen Herrn Soichiro Fukutake, den Direktor und Vorsitzenden eines Unternehmens für Bildung und Erziehung, zu dem unter anderem sämtliche Berlitz-Schulen weltweit gehören. Er spricht Englisch, lässt sich die Details aber zusätzlich von einer Dolmetscherin übersetzen. Hier wird ein weiterer Aspekt der gefühlten Isolation Japans spürbar. Die Sprachbarriere. Die Sprachhürde trägt zu einem Rückzug ins Innere, einem Rückzug ins Nationale und Lokale bei.

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