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Ärger für Macron : Heißer Sommer

In Frankreich ist Sommermärchen – nur nicht in der Regierung. Bild: Reuters

Pech für den König der Gallier: Nach Macrons Wahlsieg und WM-Sieg schien in Frankreich alles glatt zu gehen. Doch nun geht es stetig bergab, vor allem in den Umfragen.

          Keine sieben Tage hat es gedauert. Dann wurde das Wunderkind der französischen Politik, ihr Erlöser und Reformer, entzaubert. Mit dem Versprechen einer neuen Welt, die keine heile mehr sein könne, hatte Emmanuel Macron wie durch ein Wunder die Präsidentschaftswahl gewonnen. Der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft wirkte wie eine gerechte Belohnung. „Er war der zwölfte Mann“ des Sieges, lobte „Le Figaro“.

          Das Bild vom aufspringenden Macron ging als emblematisches Bild des Endspiels durch die Weltpresse. Nur ja keine Instrumentalisierung, lautete die Vorgabe seiner Kommunikationsstrategen, mit der man den Paradigmenwechsel der neuen Ära unterstreichen wollte. Nach dem Sieg 1998 zu Hause hatte die Beliebtheit von Chirac einen Höchststand erreicht. Langfristig allerdings lief die Überhöhung des Fußballs zum antifaschistischen Symbol gewaltig schief. Die Lektion daraus zu ziehen war allerdings überflüssig.

          Da war das Sommermärchen zu Ende

          Als bekannt wurde, dass Emmanuel Macrons persönlicher Leibwächter und Sicherheitschef im Elysée, Alexandre Benalla, als Polizist verkleidet auf Demonstranten eingeprügelt hatte, war das Sommermärchen zu Ende. Benalla befand sich auch im Bus, mit dem die französische Nationalmannschaft ihre verpatzte Triumphfahrt absolvierte, im Nachhinein – im Erklärungsnotstand – hat man die Terrorangst bemüht. Lieber als mit dem Volk der Fans feierten „Les Bleus“ im Schloss.

          Ausgerechnet der Sieg in Moskau, wo sogar Napoleon verloren hatte, beendete Macrons Glückssträhne. Statt zu steigen sanken seither seine Umfragewerte kontinuierlich. Ein schwerer Schlag waren die Enthüllungen über seine Kulturministerin Françoise Nyssen, die im historischen Stadtkern des Römerstädtchens Arles ihren Verlagssitz ohne Bewilligung ausgebaut hatte. Am Ende des Sommers wurde bekannt, dass die oberste Denkmalschützerin auch die Filiale in Paris unrechtmäßig vergrößert hat. Dazwischen kam die Meldung, dass in ihrem Reich, dem Kulturministerium, die einst wegen astronomischer Taxirechnungen abgesetzte Agnès Saal zur „Spitzenbeamtin für die Gleichheit und Vielfalt“ ernannt wurde, „mit gleichem Gehalt und ohne neue Vorteile“, wie ihr Anwalt umgehend mitteilte.

          Richtig dick kam es für Macron mit dem im Rundfunk live und unter Tränen erfolgten Rücktritt seines Umweltministers Nicolas Hulot, den der Präsident aus Kopenhagen kommentieren musste. Seine Franzosen seien eben keine fortschrittsfreundlichen Lutheraner wie die Dänen, die er gerade besuchte, sondern hinterwäldlerische Gallier, die sich immer allen Veränderungen verweigern würden. So schlecht war der „Président-Philosophe“ selten inspiriert. Schließlich hatten sich die Gallier nicht der Rentenreform, sondern der Invasion der Römer widersetzt.

          Mit seinem schiefen Vergleich mutierte das entzauberte Wunderkind gleichsam zum Frosch- und Dorfkönig der Gallier. Umgehend ernannte er Philippe Besson zum Konsul in Hollywood-Los-Angeles, als Belohnung für das Buch „Un personnage de roman“, in dem der preisgekrönte Schriftsteller Macrons märchenhafte Machtübernahme beschreibt. Besson ist ein Günstling der Königin. Auch mit der Republik der Pfründen und Privilegien für Freunde hatte Macron brechen wollen. In diesem heißen Sommer ohne Märchen aber hat er die alte bekannte Welt wieder auferstehen lassen.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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