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Veröffentlicht: 09.03.2011, 09:27 Uhr

Ägyptens Stasiakten Die Revolution wird enthüllt

Seit kurzem vernichtet das ägyptische Innenministerium geheime Akten aus den Archiven der gefürchteten Staatssicherheit. Aktivisten versuchen verzweifelt, diese Unterlagen zu retten. Die Funde erschüttern die ägyptische Öffentlichkeit.

von Joseph Croitoru
© REUTERS Vor der Vernichtung bewahrt: Ein Mann mit Dokumenten aus einem Staatssicherheitsgebäude in Nasr City

Seit dem Wochenende wiederholt sich in zahlreichen ägyptischen Städten das gleiche Szenario. Aufgebrachte Ägypter stürmen Kommandozentralen der Staatssicherheit (amn al dawla) in dem verzweifelten Versuch, Akten vor der Vernichtung zu bewahren. Gelungen ist dies den Aktivisten, die durch aufsteigende Rauchwolken alarmiert wurden, nur hier und da. Oft fanden sie nur noch verkohltes oder geschreddertes Papier.

Kopien der im letzten Moment noch vor der Vernichtung geretteten Unterlagen finden nun rasch ihren Weg ins Internet. In Facebook wurde hierfür die Seite „Amn Dawla Leaks“ eingerichtet. Am Montag waren schon über vierzig Dokumente aus den Archiven der ägyptischen Staatssicherheit einsehbar, die Portale der ägyptischen Oppositionspresse veröffentlichten einige Dutzend interner Geheimdienst-Korrespondenzen. Die ägyptische Öffentlichkeit ist angesichts der Enthüllungen schon jetzt erschüttert.

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Nur die Spitze des Eisbergs

Obwohl die bisherigen Aktenfunde nur Bruchstücke von der Tätigkeit der ägyptischen Staatssicherheit vermitteln, kann es an deren manipulativen Methoden keinen Zweifel mehr geben. Kein Wunder, dass vor einigen Tagen, wie eine der Kopien belegt, vom Innenministerium die Anweisung an alle Kommandozentralen erging, mit der Beseitigung der Akten zu beginnen. Tatsächlich kommt jetzt nur die Spitze des Eisbergs zum Vorschein.

An Egyptian protester shouts with destroyed documents in front of the state security headquarters in downtown Cairo © REUTERS Vergrößern Geschredderte Beweise: Ein ägyptischer Demonstrant protestiert mit vernichteten Dokumenten

Aus einem besonders brisanten Bericht von 2007 etwa geht hervor, dass der Geheimdienst 2005 eine Islamistengruppe beauftragte, in Scharm al Scheich mehrere Bombenanschläge in der Nähe von Hotelanlagen zu verüben. Das Aktenmaterial erweckt den Eindruck, als habe Mubaraks Sohn Gamal dahintergestanden, er hatte wohl eine offene Rechnung mit dem Hotelier Hussein Salem.

Systematisch ausspioniert

Aktiv wurden die Geheimdienstler auch, wenn es darum ging, regimekritische Juristen zu disziplinieren. Nicht nur aus ihren Reihen wurden inoffizielle Mitarbeiter rekrutiert. Informanten wurden, wie eine lange Namensliste demonstriert, in großem Stil auch unter den Muslimbrüdern gewonnen. Die Staatssicherheit, so entnimmt man einem geretteten Organigramm, verfügte über eine riesige Abteilung, die nur mit der Observierung der Muslimbruderschaft befasst war.

Allerdings wurden nicht nur oppositionelle Islamisten überwacht. Man beschattete sogar den ägyptischen Großmufti Ali Gomaa, dessen Frauenaffären ebenso penibel dokumentiert wurden, wie man Menschenrechtler und Journalisten systematisch ausspionierte. Dass einem Teil der Betroffenen das meist ungefiltert ins Netz gestellte Aktenmaterial auch schaden könnte, darauf scheint man beim derzeitigen Enthüllungseifer nicht sonderlich Rücksicht zu nehmen.

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