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Advent in Maria Laach : Hier fand schon Adenauer Zuflucht

  • -Aktualisiert am

Adventstimmung in Maria Laach Bild: ddp

Im Kloster Maria Laach fand dieser Tage ein Architektur-Symposion statt. Überraschend hinzu kam die Begegnung mit Bruder Stephan, einem jungen Mönch, der mit Blumenkunst auf den Zustand der Welt hinweist.

          Hügel, kahle Felder, Wald bis zum Horizont, ein weiter See, in dem sich der trübgraue Himmel spiegelt. Eine Abtei taucht auf. Grau auch sie, schroffe Türme, steile Schieferdächer. Feuchte Kälte, Stille, in der jeder Vogelschrei bis in die Ewigkeit hallt. Hier könnte man der Welt abhandenkommen - Dezember in Maria Laach.

          Die Besucherströme des Sommers sind Erinnerung, die Abtei ist ein Niemandsland. Nun kann man sie in Muße beschauen und ist sofort gebannt von der achthundertjährigen Kirche, einem Juwel der Romanik. Massige Türme, Bögen auf Bögen, immer wieder Rundnischen und gestapelte Säulen.

          Alles wirkt massig, erdenschwer und stemmt sich doch als ein himmlisches Jerusalem in überwältigende Höhen. Jerusalem kann man wörtlich nehmen. Denn der Bau und sein Schmuck strahlen etwas Orientalisches aus - die immer wieder verblüffende Internationalität des Mittelalters.

          Ein frommes Bauhaus, das seinesgleichen sucht

          Neben der Kirche erheben sich die Bauten, mit denen man von 1869 an verbrannte Vorgänger ersetzte; Reste originalen Barocks, viel trockene Neoromanik. Von ihr heben sich das Gästehaus und die Aula ab, die der Frankfurter Kirchenbaumeister Martin Weber ab 1927 neusachlich umgestaltete. Er verzichtete dabei nicht ganz auf Bauschmuck - auf der Fassade und in der Vorhalle finden sich byzantinisierende Skulpturen und Reliefs. Ein frommes Bauhaus - es dürfte nicht viele andere in Deutschland geben.

          Sieht die Mängel unserer Gegenwart deutlich: Bruder Stephan
          Sieht die Mängel unserer Gegenwart deutlich: Bruder Stephan : Bild: Stephan Oppermann

          Martin Weber, einer der großen Kirchenarchitekten der zwanziger Jahre, lebte von 1919 bis 1921 als Frater Maurus in Maria Laach. Im Jahr 1933 fand dann Konrad Adenauer unter dem Namen Bruder Konrad hier Zuflucht vor den Nazis - die Benediktiner legten ihr „ora et labora“, die Spanne zwischen Kirche und Welt, gläubiger Isolation und humaner Teilhabe, weit aus.

          Auch als Bauherren bewiesen sie nicht erst im zwanzigsten Jahrhundert Weitblick: Um 1220 ließen sie in Maria Laach das „Paradies“ bauen, eine nach spätantikem Vorbild von Säulchen und Gewölben eingefasste offene Vorhalle, die einzige nördlich der Alpen. Der Schmuck ihrer Stützen und Bögen lässt das Auge nicht los: Akanthusrispen wie von griechischen Bildhauern gemeißelt, Fratzen, halb heidnischer Faun, halb christlicher Dämon. Dazwischen tummeln sich Getier und Kobolde. Sie sehen aus, als hätten Wikinger die Vorlagen geliefert.

          Man denkt an Ecos „Der Name der Rose“

          Im Licht von Kerzen und Taschenlampen suggerieren die Fabelwesen endgültig Zeitenstillstand. So erleben es die fröstelnden Teilnehmer eines Kongresses über modernen Kirchenbau. Nach Einbruch der Dunkelheit hat das Kloster zu einer Abendveranstaltung gebeten. Den Mauern der Vorhalle entströmt Kälte, der Geruch nach feuchtem Kalk und Vergangenheit.

          Ein Altsaxophon unterstreicht mit feierlichen Dreiklängen die Erhabenheit der Kirche, eine Sopranistin improvisiert Psalmen, ein Ausdruckstänzer präsentiert bittende und aufbegehrende Posen. Bizarre Schattenspiele, in der Kirche blitzt manchmal Gold von Mosaiken und Grabmälern, im Halbdunkel der Krypta scheinen die Anwesenden zuweilen mit den gedrungenen Säulen und Pfeilern zu verschmelzen.

          Man assoziiert Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“, wird an die Scheu erinnert, die man als Kind vor dem Schwarz der Mönchskutten empfand, fragt sich, schwankend zwischen Befremden und Faszination, ob diese Theatralik Glauben entsprungen ist oder doch nur eine auf Moll gestimmte Variante der Klosterepisoden darstellt, die unter dem Titel „Um Himmels Willen“ Deutschlands erfolgreichste Fernsehserie bilden. Den Mienen der Geistlichen, die uns begleiten, ist nichts zu entnehmen außer Konzentration und Selbstversunkenheit.

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