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ADAC : Sind alles gefallene Engel

Schon 1989 sind die Künstler Klaus Staeck und Günter Grass aus dem ADAC ausgetreten. Angesichts der aktuellen Manipulationen im Verband folgen ihnen jetzt viele nach. Was sagt uns das?

          Die Farbe Gelb hat keinen guten Ruf. Man wird gelb vor Neid. In China ist ein „gelber Film“ ein Euphemismus für pornographische Machwerke. Yellow Press: Immer schlimm! In Giottos berühmtem Gemälde nimmt Judas seinen Verräterlohn im gelben Gewand entgegen. Gelb ist die Farbe der Hölle, da hilft auch der Verweis auf die gelb-weiße Flagge des Vatikan nichts, und wer all das weiß, hätte darauf kommen können, dass ein „gelber Engel“ schon wegen seiner Farbe niemand ist, den man ohne Bedenken ins Haus lässt.

          Spätestens seit bekanntwurde, dass die Wahl zum Preis für das beliebteste Auto der Deutschen vom Veranstalter, dem Automobilclub ADAC, seit Jahren manipuliert wird, herrscht ein großes Geschrei auf allen Ebenen, von einer Austrittswelle wird berichtet, als wäre der ADAC eine Kirche, wobei sich, wenn die Engel gelb sind und kaputte Autos abschleppen, erstmal die Frage aufdrängt, wer hier dann eigentlich Gott ist: Der Chefredakteur der „ADAC Motorwelt“? Das Auto selbst?

          Im protestantischen Wolfsburg, wo man, anders als im katholischen Süden, ohnehin nicht an Engel glaubt, hat man sich als Erstes vom ADAC losgesagt: Volkswagen vertraut lieber auf die diesseitige Zulassungsstatistik, die beweist, dass der Golf das Lieblingsauto der Deutschen ist, als auf die weihrauchvernebelte Zahlenkabbalistik des ADAC. Andere waren da noch schneller. Felix Staratschek, verkehrspolitischer Sprecher der Ökologisch-Demokratischen Partei, trat schon vor dem Skandal mit der Schrift „Sollten Christen dem ADAC ade sagen?“ hervor.

          Klaus Staeck und Günter Grass traten schon 1989 unter lautem Protest aus dem ADAC aus, weil der sich gegen Tempo 100 auf der Berliner Stadtautobahn ausgesprochen hatte: Eine Stimme aus der Hölle des Akzelerationismus, einen späten Boten dessen, was Goethe einmal das veloziferische Zeitalter nannte, witterten die Literaten, und das zu Recht: Schon der Name des Clubs erinnert verdächtig an AC/DC („Highway to Hell“).

          Wer weiß noch, dass der ADAC 1903 in Stuttgart als „Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung“, also gewissermaßen als Rockerclub, gegründet wurde? Und dass Motorwelt-Redakteure den Lamborghini Diablo lobten? Gelbe Engel sind des Teufels - aber wenn der Himmel eine Stadtautobahn ist, auf der das Gruppe-47-km/h-Mitglied Günter Grass die Höchstgeschwindigkeit bestimmt, rast man andererseits vielleicht doch lieber in der Hölle herum.

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

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          Quelle: F.A.Z.

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