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Kölner Stadtarchiv : Ein Bild der Stadt

Was davon übrig blieb: Das Kölner Stadtarchiv am Tag nach seinem Einsturz. Bild: dpa

Heute vor acht Jahren ist das Kölner Stadtarchiv in ein tiefes Loch gefallen, doch die Stadt hat sich noch immer nicht wieder heraus gearbeitet. Der Fall droht zu einem Sinnbild verkorkster Kölner Stadtpolitik zu werden.

          Heute jährt sich der Einsturz des Kölner Stadtarchivs zum achten Mal. Dass es des leidigen Jubiläums überhaupt bedarf, um daran zu erinnern, ist Teil des Problems. Aus der öffentlichen Wahrnehmung ist das Thema nahezu verschwunden, auch in Köln ist die Aufmerksamkeit dafür verblasst. Dabei wird die Katastrophe vom 3. März 2009, die zwei junge Männer in den Tod riss, die Stadt noch sehr lange belasten und in ihrer Entwicklung zurückwerfen, die Folgen wirken auf vielen Ebenen nach.

          Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, die eine überaus aufwendige Beweissicherung durchführen musste, stehen unter dem Zeitdruck der Verjährung, die 2019 ausläuft; der Steuerzahler droht auf dem Schaden in Höhe von 1,2 Milliarden Euro sitzenzubleiben. Die U-Bahn vom Hauptbahnhof zum Chlodwigplatz wird nicht vor 2023 fahren. Für den Neubau des Archivs, den Jürgen Roters, der im Herbst 2009 zum Oberbürgermeister gewählt wurde, vor dem Ende seiner Amtszeit 2015 eröffnen wollte, wird nun am 17. März erst der Grundstein gelegt. Anders als nach dem Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar hat Köln es versäumt, die Schock- und Mitleidswelle in einen Spendenstrom zu kanalisieren. Die Stiftung Stadtgedächtnis, die im vergangenen Jahr gerade mal 70000 Euro eingeworben hat, steht, weil die Betriebskosten die Erlöse übersteigen, vor dem Aus.

          Schwarz-weiße Zeiten: Das Kölner Stadtarchiv in einer undatierten Vergangenheit.

          Schließlich kommt der Wiederaufbau des Archivs nicht mit der gebotenen Entschiedenheit voran. Zwar sind die mikroverfilmten Bestände und Digitalisate bereits online zu benutzen, doch ist die Bergungserfassung noch immer nicht abgeschlossen. Auch mehren sich die Anzeichen dafür, dass es um das Arbeitsklima nicht gut bestellt ist. Die Abteilungsleiterin für die Vor- und Nachlässe, eine anerkannt kompetente und engagierte Archivarin, wurde im November von ihrer Aufgabe entbunden. Den Grund dafür hat auch die Interessengemeinschaft der Vor- und Nachlassgeber nicht erfahren, ihre Nachfragen wurden nur mit Floskeln („interne Angelegenheiten“, „gestörtes Vertrauensverhältnis“) abgespeist. Mitarbeiter, die nicht genannt werden wollen, berichten von einer überforderten Direktorin, deren angstgesteuerter Führungsstil einen hohen Personal- und Ressourcenverschleiß mit sich bringe. Viele Kollegen, die schon vor dem Einsturz im Archiv arbeiteten, seien vergrault worden; Restaurierungshelfer erhielten nur Zweijahresverträge, die oft nicht verlängert würden.

          So erscheint das Kölner Archiv, ohne dass es real vorhanden ist, als Sinnbild der Stadt, in dem sich deren Nachlässigkeiten, Versäumnisse und Provisorien konzentrieren. Die Verwaltungsreform, die die Oberbürgermeisterin vollmundig auf den Weg gebracht hat, ist hier noch nicht angekommen.

          Andreas Rossmann

          Redakteur im Feuilleton.

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