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Abu Dhabis Kulturpläne So sieht die Museumsinsel von morgen aus

25.04.2007 ·  Jean Nouvels Louvre-Bau ist erst der Anfang. Frank Gehry soll hier ein Guggenheim-Museum bauen und Zaha Hadid ein kühnes Opernhaus. Neben Sandstränden, Golfplätzen und Marinas entsteht Abu Dhabis Museumsinsel im Golf.

Von Rainer Hermann
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Der Louvre gab das Gütesiegel. Zum ersten Mal wird ein Museum diesen Namen auch außerhalb von Paris tragen. Dort, wo die Sorbonne ebenfalls zum ersten Mal außerhalb von Paris eine vollwertige Universität mit all ihren Fakultäten errichtet. Wo nach den Plänen von Frank Gehry ein neues, noch verwürfelteres Guggenheim als in Bilbao entsteht, wo Zaha Hadid über azurblauem Wasser in einen geschwungenen Schiffsbug hinein ein kühnes Opernhaus zaubert, wo Tadao Ando mit den minimalistischen Strichen seiner Zenarchitektur ein Meeresmuseum skizziert. Und wo natürlich Jean Nouvel den neuen Louvre baut. Den Louvre von Abu Dhabi.

Einst flogen Kunstliebhaber nach Australien, um sich in Sydney an der Oper des dänischen Architekten Jorn Utzon zu ergötzen. Vielleicht hatten ihre Flugzeuge in Abu Dhabi oder Dubai eine Zwischenlandung gemacht. In einer Zeit, als das Öl am Golf erst langsam zu sprudeln begann. Dubai schuf sich Wahrzeichen, die jeder mit zwei, drei Strichen nachzeichnen kann: auf dem Wasser den Burdsch al Arab in der Form eines Segelschiffs und zu Lande die elegant-kühlen Emirates-Towers.

Jetzt legt Abu Dhabi nach: mit einem Kulturdistrikt auf der benachbarten Insel Saadiyat, der in seiner Summe alles in den Schatten stellt, was es bislang an Neugründungen von Museen gegeben hat. „Einige kritisieren die Städte am Golf, dass sie keine Kultur zu bieten haben“, nickt Mubarak al Muhairi zustimmend. „Aber bedenken Sie, wie es hier vor 40 Jahren ausgesehen hat!“ Damals war er, der Generaldirektor der „Abu Dhabi Tourism Authority“, noch gar nicht geboren. Wie die meisten seiner Landsleute. Heute steht er im Emirat Abu Dhabi, der Hauptstadt der Föderation der Vereinigten Arabischen Emirate, an der Spitze des Ministeriums, das die Entwicklung auf der Insel Saadiyat - wörtlich übersetzt: „Insel des Glücks“ - koordiniert.

Nur das Nationalmuseum sucht noch den Architekten

Vierzig Jahre habe man gebraucht, um eine Infrastruktur aufzubauen, Schulen und Straßen, Krankenhäuser und Kraftwerke. Nie hatte seine Mutter eine Schule besucht. Auf einer guten Ausbildung ihrer Kinder hatte sie aber bestanden. Der 1970 geborene Mubarak al Muhairi erwarb in den Vereinigten Staaten einen Master im Fach Ingenieurwissenschaft, seine Schwester studiert noch in Großbritannien. „Unsere Eltern gingen nicht zur Schule, und wir haben Universitätsabschlüsse“, triumphiert er.

Der Vertrag mit dem Louvre wurde am 6. März unterzeichnet, jener mit Guggenheim bereits im vergangenen Sommer. Bis auf ein Museum liegen alle Entwürfe vor, wird bereits an den Details gearbeitet. Der Louvre, das Guggenheim und das Meeresmuseum sollen zwischen 2011 und 2013 eröffnen. Demnächst läuft der Wettbewerb an, der den Architekten für das letzte Museum ermitteln soll, für das neue Nationalmuseum, das den Namen des legendären Staatsgründers Scheich Zayed tragen wird und den Mittelpunkt des Kulturdistrikts bildet.

400 Millionen Euro für dreißig Jahre Namensrecht

Sie alle werden nationale Museen sein, im Besitz von Abu Dhabi. Nicht irgendwelche Franchiseunternehmen, die nur einen wohlklingenden Namen im Logo führen. Im Fall des Louvre sieht das so aus, dass Abu Dhabi an den Louvre 400 Millionen Euro überweist, um dessen Namen dreißig Jahre tragen zu dürfen, exklusiv und als Einziger im Nahen Osten. Der Louvre in Paris sorgt für das Management des Namensvetters in Abu Dhabi, auch für die Ausbildung des lokalen Managementnachwuchses. Zusätzlich überweist Abu Dhabi 25 Millionen Euro, damit in Paris ein Flügel nach Scheich Zayed benannt wird, und nochmals einige Millionen, damit der Louvre außerhalb des Museums ein neues Labor für Restaurierungsarbeiten bauen kann. Dieses wird den Namen „Abu Dhabi“ tragen und im Museum Platz für neue Galerien schaffen.

So habe man letztlich, trotz einer Petition mit 4000 Unterschriften von Gegnern des Projekts, die französische Öffentlichkeit überzeugt, dass der „Louvre Abu Dhabi“ zum Nutzen aller sei, freut sich Mubarak al Muhairi. Das ist aber nicht das Ende des Geldsegens aus Abu Dhabi. Im Schloss von Fontainebleau lässt das Emirat die Oper restaurieren, und über zwanzig Jahre verpflichte sich der Louvre zu Leihgaben für Zeitausstellungen. Das könne sich in diesem Zeitraum auf weitere 200 Millionen Euro summieren, rechnet Muhairi vor.

Mit Rücksicht auf den Kunstmarkt

Bereits bevor das Museum eröffnet wird, sollen in den repräsentativen Räumen des opulenten Hotels „Emirates Palace“ Zeitausstellungen im einheimischen Publikum ein Bewusstsein für Kunst schaffen. Dazu verhandle man mit zahlreichen europäischen Museen. Im Louvre Abu Dhabi sind dann 2000 Quadratmeter reine Ausstellungsfläche für Zeitausstellungen reserviert und 6000 Quadratmeter für die eigene Sammlung. Keines der Museen beginnt mit einer eigenen Sammlung. Zehn bis fünfzehn Jahre will sich Abu Dhabi Zeit lassen, diese aufzubauen. Denn den Kunstmarkt wolle man ja nicht aus dem Gleichgewicht bringen.

Vorteile sieht der junge Manager im langen Gewand des makellos weißen Thoub für beide Seiten. Seine Partner begriffen dieses Projekt als eine Chance, zu testen, wie Museen künftig funktionieren, wie sie universal sein sollten. Es könne ja nicht länger sein, dass jeder seine Stücke hinter seinen Mauern für sich behalte. Andererseits meine es Abu Dhabi sehr ernst, sich als einen Standort zu plazieren, an dem sich Kulturen treffen, um miteinander zu kommunizieren und in einen Dialog zu kommen.

Einst züchtete die University of Arizona hier Gemüse

Zeit ist Geld - und ein Entgang an nicht gesehener Kunst. Also drängt das junge Emirat. Dabei ist erstaunlich, dass die unmittelbare Nachbarinsel von Abu Dhabi bis heute nicht besiedelt ist. In den sechziger Jahren habe die University of Arizona hier eine Experimentalfarm für Gemüse angelegt, erinnert sich die Deutsche Frauke Heard-Bey, die schon so lange in Abu Dhabi lebt und dort das Nationalarchiv aufgebaut hat. Dann wurden auf Saadiyat bis vor zehn Jahren Offshore-Plattformen für die Ölindustrie gebaut. Noch immer stand die Idee im Vordergrund, die Expansion von Abu Dhabi auf dem Festland fortzusetzen. Also sollte die Insel dann ein Lagerplatz für Güter sein, dann aber eine Finanzfreizone.

Bis die junge Generation der herrschenden Familie Al Nahyan und ihre Berater 2004 erkannten, welches Juwel mit Saadiyat brach lag. Die Idee sei in einem Brainstorming herangereift, sagt Muhairi. Plötzlich sei es allen klar gewesen, auf der Insel, die mit Abu Dhabi ja gut zu verbinden sei, Museen und Hochschulen anzulegen, an dem feinen Sandstrand im Norden fünfzehn Hotels, dazu Golfplätze, einen im Süden der Insel in die Mangrovenlandschaft integriert, ferner für 130.000 ständige Einwohner Villen und um eine Marina Hochhäuser. Die ersten Hotelresorts werden 2009 eröffnet. In jenem Jahr werden auch die zwei Brücken fertig. Eine verbindet dann Saadiyat mit Abu Dhabi, die zweite führt auf die Autobahn nach Dubai.

„Konservativen darf man dieses Feld nicht überlassen“

Einen etwas längeren Atem gönnt sich Abu Dhabi für das Opern- und Konzerthaus, das die aus dem Irak stammende britische Stararchitektin Zaha Muhammad Hadid baut. Es soll erst 2015 oder 2016 eröffnet werden. Zunächst gelte es, ein Bewusstsein für diese Art von Musik zu schaffen, sagt Muhairi. Heute, das haben seine Marktstudien ergeben, würden 600 bis 700 Personen eine Oper oder ein Konzert mit klassischer Musik besuchen. Dennoch werde ein Opernhaus mit einem Fassungsvermögen von 1300 Zuhörern gebaut. Denn die komplizierten Gebäude Hadids könne man ja nicht erweitern. Langfristig will Abu Dhabi ein eigenes Ensemble aufbauen. Zunächst aber spreche man mit Partnern für das Opernhaus und die Konzerthalle. „Einige aus Europa und Nordamerika zeigen Interesse für ein Standbein hier“, deutet Muhairi an. Sie sollen auch Musikerziehung leisten, junge Emiratis an diese Kunst heranführen.

Wenn die Museen eröffnet werden, wohnen schon viele Menschen auf der 27 Quadratmeter großen Insel. Nur 40 Prozent der Insel werden bebaut. Der Rest bleibt Natur. In die sind auch die zwei vom südafrikanischen Golfspieler Gary Player entworfenen Golfplätze integriert. Die Käufer der Villen werden aus zwanzig Varianten wählen können, die sie weiter individuell gestalten können. Noch in diesem Jahr soll vor dem Beginn des Verkaufs eine Werbekampagne in Europa anlaufen. Auch in den Hochhäusern, die mit drei bis zwanzig Stockwerken um die Marina entstehen, setzt man auf die Europäer, die hier eine Zweitwohnung erwerben wollen.

Muhairi ist einer, der die Zukunft Abu Dhabis entwirft. Die Zeit vor dem Öl und den Museen kennt er nur noch aus den Erzählungen seiner Eltern. Von seinen Kindern wünscht er sich, dass sie die Welt schätzen lernen und erkennen, dass es Wahrheit nicht bloß aus einem Blickwinkel gebe. „Toleranz ist wichtig und das Akzeptieren von Unterschieden.“ Widerstände gegen dieses Konzept habe es natürlich auch in Abu Dhabi gegeben, räumt er ein. „Konservativen darf man dieses Feld aber nicht überlassen“, warnt er eindringlich. Auch deshalb entsteht auf Saadiyat die Museumsinsel von Abu Dhabi.

Quelle: F.A.Z., 25.04.2007, Nr. 96 / Seite 42
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