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60 Jahre Volksrepublik Mischmasch zum Geburtstag

07.06.2009 ·  Ausgerechnet eine persische China-Phantasie, die über die Vermittlung Friedrich Schillers zu einer italienischen Oper wurde, kurz „Turandot“, soll nun zur Selbstpräsentation der Volksrepublik vor der ganzen Welt dienen.

Von Mark Siemons
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Zu ihrem sechzigsten Geburtstag hat sich China etwas recht Exotisches ausgesucht, um sich kulturell darzustellen: eine persische China-Phantasie, die über die Vermittlung von Friedrich Schiller zu einer italienischen Oper wurde und nun mit chinesischen Elementen und digitalen Effekten so aufgepeppt werden soll, dass sie in einem chinesischen Sportstadion nicht unpassend wirkt.

Das ist weit merkwürdigerer als die Nachricht, dass der Filmregisseur Zhang Yimou im Oktober Puccinis Oper „Turandot“ im Pekinger Olympiastadion aufführen wird, zunächst zu erkennen gibt. Die Ankündigung greift zweifach auf Bekanntes zurück: Zhang hat „Turandot“ schon 1996 in Florenz inszeniert, eine Aufführung, die dann auch anderswo wiederholt wurde. Und er hat bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele bewiesen, dass er das „Vogelnest“ mit elektronisch verstärkter Massenchoreographie in Atem halten kann. Das Verblüffende jetzt ist die Zusammenführung der beiden Elemente und ihre Verbindung mit dem nationalen Datum.

Zugang zur eigenen Tradition fehlt

Puccini hatte etwas irgendwie Orientalisches machen wollen, und als er das Theaterstück von Gozzi in die Hände bekam, das auf einem persischen Märchen über eine grausame chinesische Prinzessin beruhte, ließ er sich von einem Freund beraten, wie er mehr fernöstliche Melodik in die Sache hineinbekommen könne; eine Spieldose soll dabei die entscheidende Inspiration gewesen sein. Dieser Mischmasch dient China nun zur Selbstpräsentation vor der ganzen Welt.

Zhang Yimou hatte schon früher erklärt, dass Puccinis Blick auf China mit China selbst wenig zu tun hätte. Bei dem Staatsprojekt dürfte die Steigerung in die Monumentalität gigantischer LED-Bildschirme im Vordergrund stehen, die das Stück auch für ein Stadionpublikum sichtbar macht – und damit die Verbindung zur chinesischen Gegenwart herstellt. Im Umfeld der superlativistischen Events und Bauten in Peking ringsum, bei denen Buntheit und Größe allemal wichtiger sind als ein fremdartiges Kriterium wie „Authentizität“, dürfte das nicht weiter auffallen. Aber dass sich das offizielle China seiner Kultur da über europäische Projektionen nähert, denen es dann ein chinesisches Häubchen aufsetzt, zeigt doch, dass es offenbar nach wie vor einen direkten Zugang zu seiner eigenen Tradition nicht für möglich hält.

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Jahrgang 1959, Feuilletonkorrespondent in Peking.

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