Fünfzig Jahre tot, das ist kein Grund zum Feiern. Marilyn Monroe starb in der Nacht vom 4. auf den 5. August 1962. Wir haben, seit wir uns alle zehn Jahre an ihren frühen Tod im Alter von sechsunddreißig Jahren erinnern, über diese Frau alles erfahren. Ihr Bild erkennt jeder sofort, selbst wenn er noch nie einen ihrer Filme gesehen hat. Sie wurde Sexgöttin genannt und verlorenes Kind, Legende, Mythos, Pop-Ikone, sie wurde uns nackt gezeigt oder mit einem Buch in der Hand, wir kennen ihre Männer, ihre Lehrer, ihre Pillen, ihre Pelze. Wir wissen, dass sie, weil sie als schwierig galt, ein gern benutzter Sündenbock für alles war, das bei ihren Filmen schieflief.
Schön und Klug
Als John Huston bei den Dreharbeiten von „The Misfits“ die Produktionsgelder einer ganzen Woche verspielte, hieß es, Marilyn sei halt sehr unzuverlässig. Als das Drehbuch für ihren letzten Film „Something’s Gotta Give“ sich als unverfilmbar herausstellte und das Studio, sowieso in Schwierigkeiten, die Versicherungssumme ganz gut gebrauchen konnte, die beim Abbruch des Drehs fällig wurde, sagte man, mit Marilyn könne man eben nicht arbeiten. Diese üblen Nachreden sind im Lauf der Jahre ebenso aufgeklärt worden wie die Annahme, sie sei zwar schön, aber nicht sehr klug gewesen und ihr Talent nicht übermächtig. Heute wissen wir, sie war eine begnadete Komödiantin. Kennen ihre Angst. Wissen, mit welcher Kraft und Energie sie um ihre Unabhängigkeit gekämpft hat in einer Umgebung, die sie kleinhalten wollte und abhängig. Wir wissen nicht, ob sie den eigenen Tod in jener Nacht wollte oder ob die Mischtoxikation, der sie erlag, ein Unfall war.
Vor allem aber wissen wir nicht, wie sie gealtert wäre. Wie die Dietrich, die Garbo, sich selbst wegschließend vor der Welt? Aktiv für viele gute Zwecke? Es liegt viel fauler Zauber und Leichenfledderei um Gedenktage wie diesen. Und die einzige offene Frage bleibt: Hätten wir ihr das Altern verziehen wie den frühen Tod?