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30 vor 40 - Anleitung zum Erwachsensein : 8. Trau ich mich das?

  • -Aktualisiert am

Bild: Carsten Feig

Jeder von uns würde der Welt wohl gern einmal den Stinkefinger zeigen. Kinder machen das, Erwachsene eher nicht. Warum tat es Peer Steinbrück?

          Heute morgen fiel dieses Bild von Peer Steinbrück aus der Zeitung. Es zeigte ihn, wie er seinen Stinkefinger zeigt. Als unser Sohn fragte, wer das sei, antwortete ich wahrheitsgemäß, dass dieser Mann der nächste Bundeskanzler werden wolle. Unser Sohn ist zehn Jahre alt, er hat noch keine Vorstellung davon, was ein Kanzlerkandidat alles machen muss, aber das Bild und meine Antwort brachte er trotzdem nicht zusammen. „Aber warum macht er das?“

          Nun war ich nicht dabei, als der Fotograf Peer Steinbrück bat, eine Geste an seine Kritiker zu senden. Ich war auch nicht dabei, als ihn die Bochumer Stadtwerke anriefen, ob er einen Vortrag halten kann oder als ihn diese Zeitung nach der angemessenen Höhe des Kanzlergehaltes fragte. Ich kann mir inzwischen aber erklären, wie seine Antworten entstanden sind. Peer Steinbrück ist ein Fan von Westernfilmen, hat er einmal gesagt. Vielleicht sind das für ihn alles Duell-Situationen. Einer kommt in den Saloon, rempelt ihn an, ein Wort gibt das andere, und plötzlich geht es darum, wer zuerst zieht. In diesem Fall zog er den Stinkefinger.

          Womöglich entsteht der ganze Klartext bei Peer Steinbrück immer dann, wenn er das Gefühl hat, man würde ihm nicht zutrauen, dass er dieses oder jenes auch wirklich tut oder sagt. Dann ginge es gar nicht darum, was er sagt, sondern nur, dass er es sagt. Aber so läuft es ja bei jeder Mutprobe. Sie fragen Dich: Hast Du es drauf oder nicht? Dann springst Du irgendwo runter, wirfst irgendeine Scheibe ein oder klaust irgendwas aus irgendeinem Laden. Und wenn es schiefgeht, stehen die anderen feixend daneben. Viele Menschen haben das in ihrer Kindheit erlebt. Aber was, wenn auch die Kanzlerkandidatur von Peer Steinbrück darauf zurückgeht, dass die anderen ihn glauben machen wollten, er bringe es nicht?

          Auf seine Frage habe ich unserem Sohn gesagt, dass dieser Mann auf dem Foto provoziert worden ist und es sich um eine Mutprobe handelte. Das hat er verstanden. Er kennt das vom Schulhof.

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