Home
http://www.faz.net/-hvf-7hhcv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Sachbücher des Jahres

30 vor 40 - Anleitung zum Erwachsensein 8. Trau ich mich das?

Jeder von uns würde der Welt wohl gern einmal den Stinkefinger zeigen. Kinder machen das, Erwachsene eher nicht. Warum tat es Peer Steinbrück?

© Carsten Feig Vergrößern

Heute morgen fiel dieses Bild von Peer Steinbrück aus der Zeitung. Es zeigte ihn, wie er seinen Stinkefinger zeigt. Als unser Sohn fragte, wer das sei, antwortete ich wahrheitsgemäß, dass dieser Mann der nächste Bundeskanzler werden wolle. Unser Sohn ist zehn Jahre alt, er hat noch keine Vorstellung davon, was ein Kanzlerkandidat alles machen muss, aber das Bild und meine Antwort brachte er trotzdem nicht zusammen. „Aber warum macht er das?“

Mehr zum Thema

Nun war ich nicht dabei, als der Fotograf Peer Steinbrück bat, eine Geste an seine Kritiker zu senden. Ich war auch nicht dabei, als ihn die Bochumer Stadtwerke anriefen, ob er einen Vortrag halten kann oder als ihn diese Zeitung nach der angemessenen Höhe des Kanzlergehaltes fragte. Ich kann mir inzwischen aber erklären, wie seine Antworten entstanden sind. Peer Steinbrück ist ein Fan von Westernfilmen, hat er einmal gesagt. Vielleicht sind das für ihn alles Duell-Situationen. Einer kommt in den Saloon, rempelt ihn an, ein Wort gibt das andere, und plötzlich geht es darum, wer zuerst zieht. In diesem Fall zog er den Stinkefinger.

Womöglich entsteht der ganze Klartext bei Peer Steinbrück immer dann, wenn er das Gefühl hat, man würde ihm nicht zutrauen, dass er dieses oder jenes auch wirklich tut oder sagt. Dann ginge es gar nicht darum, was er sagt, sondern nur, dass er es sagt. Aber so läuft es ja bei jeder Mutprobe. Sie fragen Dich: Hast Du es drauf oder nicht? Dann springst Du irgendwo runter, wirfst irgendeine Scheibe ein oder klaust irgendwas aus irgendeinem Laden. Und wenn es schiefgeht, stehen die anderen feixend daneben. Viele Menschen haben das in ihrer Kindheit erlebt. Aber was, wenn auch die Kanzlerkandidatur von Peer Steinbrück darauf zurückgeht, dass die anderen ihn glauben machen wollten, er bringe es nicht?

Auf seine Frage habe ich unserem Sohn gesagt, dass dieser Mann auf dem Foto provoziert worden ist und es sich um eine Mutprobe handelte. Das hat er verstanden. Er kennt das vom Schulhof.

Quelle: FAZ.net

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Beliebter Online-Handel Warum all die Pakete?

Deutschland schimpft über seine Online-Händler - doch die Kunden kaufen trotzdem weiter ein. Online-Händler hängen viele große Ladenketten ab. Warum? Mehr Von Patrick Bernau

15.12.2014, 13:22 Uhr | Wirtschaft
Holzroller als Alleskönner: Chukudus im Kongo

Was macht man, wenn man kiloweise Kartoffeln oder dutzende Eukalyptus-Schösslinge transportieren muss, aber kein motorisiertes Transportmittel hat? Im kriegsgeplagten Osten der Demokratischen Republik Kongo heißt die Antwort darauf Chukudu. Mehr

04.07.2014, 19:24 Uhr | Gesellschaft
Kinderporno-Ermittlungen Edathy belastet früheren BKA-Chef schwer

Sebastian Edathy hat noch einmal den SPD-Bundestagsabgeordneten Hartmann und den früheren BKA-Chef Ziercke schwer belastet - auch in einer eidesstattlichen Versicherung. Hartmann habe ihn über die Kinderporno-Ermittlungen informiert, Quelle sei Ziercke gewesen. Mehr

18.12.2014, 12:58 Uhr | Politik
Der kulinarische Pisa-Test

Der Mensch ist, was er isst: Wenn diese Weisheit stimmt, dann weiß der Mensch erstaunlich wenig über sich selbst. Hier finden Sie dreiunddreißig unterschiedlich schwere Fragen, die sich um Lebensmittel und ihre Zubereitung drehen, um Restaurants und Tischsitten, um unsere Gesundheit und die Geschichte der Ernährung. Mehr

28.07.2014, 15:18 Uhr | Lebensstil
AfD-Gründer Adam Ich kann die Furcht vor der Islamisierung verstehen

Konrad Adam, Gründungsmitglied und Sprecher der Alternative für Deutschland, spricht im F.A.Z.-Interview über Glaubenskriege, fehlende Aufklärung und die Frage: Wer passt zu uns? Mehr

17.12.2014, 12:23 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.09.2013, 16:36 Uhr

German, please

Von Michael Hanfeld

Wird die Deutsche Welle bald ausschließlich auf Englisch senden? Alle schütteln den Kopf. Peter Limbourg gibt genügend Grund für viele Fragen - aber auch für eine Antwort: Die Deutsche Welle spricht die Sprache des Geldes. Mehr 3