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Veröffentlicht: 07.09.2013, 10:09 Uhr

30 vor 40 - Anleitung zum Erwachsensein 6. Tauge ich zum Vorbild?

Das halbe Leben hat man Zeit, 40 zu werden. Jetzt bleiben plötzlich nur noch ein Jahr - und 30 offene Fragen. Marcus Jauer findet in seiner Kolumne noch 24 Mal eine Antwort.

von
© Carsten Feig

Gestern hat sich unser kleiner Sohn den Daumen mit einer Zange gequetscht. Das musste irgendwann passieren. Meine Frau sagt immer, ich solle ihn nicht mit meinem Werkzeug spielen lassen, wenn er wieder mit einer Feinsäge, einem Stechbeitel oder dem Teppichmesser durch die Wohnung rennt. Aber wenn ich ihm die Sachen wegnehme, fängt er sofort an zu weinen. Außerdem bin ich irgendwie auch stolz als Vater. Er ist ja erst anderthalb.

Ich komme aus einer Familie, in der ständig gebaut wurde. Garagen, Ställe, Teiche, Frühbeete, ein Haus. Wir lebten auf einem Bauernhof. Als das Rheuma meinen Großvater in den Rollstuhl zwang, wurde ich sein verlängerter Arm. Was ich über Steine, Holz, Beton und Nägel weiß, habe ich von ihm. Ich erinnere noch, wie er mich zum ersten Mal an die riesige Kreissäge im Schuppen ließ. Ihr furchtbares Kreischen, meine Angst, das Glück danach. Es verändert deinen Blick auf die Welt, wenn du weißt, dass du Dinge, die andere kaufen müssen, selbst bauen kannst.

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Heute verwandle ich unsere Wohnung in eine Baustelle. Ich baue Regale, Schränke, eine Garderobe, ein Bett. Manchmal hakt es, klemmt oder passt nicht, dann braucht man Geduld. Geduld ist das Wichtigste. Bei meinem letzten Schrank krabbelte unser Sohn schon zwischen den Brettern herum. Er konnte noch nicht mal stehen, drückte aber auf der Bohrmaschine herum. Inzwischen verschneidet er die Pflanzen auf der Terrasse und zieht selbstständig die Schrauben an unserem Esstisch nach. Er ist wie ein Schwamm. Er saugt alles auf.

Vor kurzem habe ich für unseren Sohn einen Tisch aufgebaut. Als ich den Werkzeugkoffer holte, sprang er wie ein kleines Pferd auf mich zu. Ich gab ihm einen Zollstock, damit er sich nicht weh tut, aber als er damit die Schrauben festziehen wollte, kam er nicht weiter. Er drückte und schob, bis er auf einmal aufsprang, mit den Armen fuchtelte, den Zollstock wegwarf und deutlich folgende Worte sprach: „Nerv!“, „Mann!“ und dann leider auch noch „Seise!“

Glosse

Abschied vom Sie

Von Klaus Ungerer

Wer hat sich nur das Siezen ausgedacht? Während wir Deutschen unbeholfen zu Plural-Formen greifen, um eine Du/Sie-Entscheidung zu umgehen, nennen sich selbst amerikanische Fernsehduellanten nur beim Vornamen. Mehr 7 1

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