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Sachbücher des Jahres

30 vor 40 - Anleitung zum Erwachsensein 5. Drücke ich mich klar aus?

Das halbe Leben hat man Zeit, 40 zu werden. Jetzt bleiben plötzlich nur noch ein Jahr - und 30 offene Fragen. Marcus Jauer findet in seiner Kolumne noch 26 Mal eine Antwort.

© Carsten Feig Vergrößern

Vor ein paar Tagen fragte unser Sohn, ob wir jetzt bitte endlich einen Hund kaufen können. Wir saßen gerade beim Abendessen, aber ich fühlte mich sofort in das Fernsehduell zurückversetzt. Unser Sohn trat auf wie Illnerkloeppelraabundwill zusammen, während ich mir vorkam wie Angela Merkel. Ich stotterte herum und versuchte mich über die Zeit zu retten. Doch unser Sohn unterbrach mich ständig. „Das heißt also ja?“

Bis ich mit Kindern zusammenlebte, war mir nicht bewusst, wie unklar sich Erwachsene oft ausdrücken. Das ist natürlich Absicht. Man weicht aus, man wiegelt ab, man lässt versanden, um nur nicht ja oder nein sagen zu müssen. Ich kenne Leute, die können ungeheuer zwingend werden, wenn sie etwas von mir wollen, aber wenn ich etwas von ihnen will, sind ihnen leider die Hände gebunden. Dabei bleiben sie immer ruhig und sehr freundlich.

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Es ist eine Art Handwerk. Man kann es lernen. Du sagst, ganz tolle Idee, lass mich nur kurz darüber nachdenken. Du sagst, ich weiß nicht, ob ich das durchkriege. Du sagst, ich melde mich, und dann meldest du dich nicht. Unter Erwachsenen funktioniert das. Die einen haben Angst davor, Ja oder Nein zu sagen, die anderen haben Angst nachzufragen. So werden die Sachen erledigt. Das weiß ein Zehnjähriger natürlich noch nicht. „Das heißt also ja?“

Natürlich verstehe ich den Wunsch nach einem Hund. Ich hatte als Kind selbst einen Hund. Ich hatte Katzen, Tauben, Fische und Schafe. Ich fand es schön, mit Tieren aufzuwachsen. Aber meine Frau und ich haben drei Kinder, zwei Jobs und bald noch ein Baby. Wir wohnen in der Großstadt, sechster Stock, kein Fahrstuhl. Angeblich können Hunde schwer Treppen steigen. Dann müssten wir die Hälfte der Familie jeden Tag in die Wohnung hochtragen. Das geht nicht.

So hätte ich das sagen sollen. Manche Dinge wären schön, sind aber unmöglich. Es ist wichtig, dass Kinder das verstehen. Stattdessen knüpfte ich den Hund an lauter Bedingungen, von denen ich plötzlich wünschte, dass sie nie eintreten, obwohl ich die ganze Zeit hoffe, dass sie sich erfüllen. Wenn wir mehr Zeit haben. Wenn wir auf dem Land wohnen. Wenn Frühling wird. Wenn du wieder Sport machst. Irgendwann sah mich unser Sohn sehr gefasst an und sagte: „Sag mal ehrlich: Wir kaufen keinen Hund, oder?“

Quelle: FAZ.net

 
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