Home
http://www.faz.net/-gqz-7h3v6
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

30 vor 40 - Anleitung zum Erwachsensein 1. Bin ich wunschlos glücklich?

Das halbe Leben hat man Zeit, 40 zu werden. Jetzt bleiben plötzlich nur noch ein Jahr – und 30 offene Fragen. Marcus Jauer findet in seiner Kolumne jeden Tag eine Antwort.

© Carsten Feig Vergrößern

Vor ein paar Tagen rief meine Mutter an und fragte, was ich mir zum Geburtstag wünsche. Ich werde heute neununddreißig Jahre alt. Aber das hat damit nichts zu tun. Sie fragt mich jedes Jahr, und nie weiß ich, was ich antworten soll. Lass Dir doch einen Topf schenken, sagt meine Frau, wir brauchen einen Topf. Dann such Dir einen im Internet aus, sagt meine Mutter, ich überweise Dir das Geld. Jetzt bekomme ich also einen Topf. Es ist nicht so, dass ich keinen Topf brauche. Ich mag praktische Geschenke. Für mich muss nicht jeder was basteln. Ich wundere mich nur, warum mir auf die Frage, was ich mir zum Geburtstag wünsche, seit Jahren nichts mehr einfällt. Bin ich denn wunschlos glücklich?

Als Kind hatte ich immer ausreichend Wünsche. Ich wollte eine echte Armbrust, mehrere große Aquarien, eine Tischtennisplatte und – ich weiß nicht mehr warum – ein Tweed-Jackett. Als ich größer war, wollte ich unbedingt ein neues Moped, und obwohl ich wusste, dass es zu teuer war, habe ich es mir trotzdem gewünscht und es auch trotzdem bekommen. Es hielt, bis mir ein halbes Jahr später in einer Kurve ein Auto entgegenkam. Danach wollte ich unbedingt ein Motorrad, das aber nur so lange hielt, bis mein Großvater mir sein Auto borgen konnte, das ich dann kaputt fuhr.

Mehr zum Thema

Wenn ich heute gefragt werde, sage ich immer, ich habe schon alles. Aber das stimmt natürlich nicht. Ich wünsche mir einen Bauernhof, auf dem meine Frau, die Kinder und ich Schweine, Ziegen, Hühner und diese kleinen Ponys halten. Ich würde gern ein Feld bestellen oder auf Weltreise gehen, außerdem könnten wir einen Bus gebrauchen, und an manchen Tagen hätte ich gern mal zwölf Stunden Schlaf. Das sind meine Wünsche. Als Kind konnte ich mich wenigstens noch auf den Boden werfen, um sie erfüllt zu bekommen. Als Erwachsener muss ich ruhig bleiben – und es selbst hinkriegen.

Quelle: FAZ.net

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anke Engelke im Interview Elternsprecher? Um Gottes willen!

Anke Engelke spielt in ihrem neuen Film Frau Müller muss weg eine Übermutter. Im Interview spricht sie über entspannte Erziehung, egoistische Erwachsene und privaten Müll im Klassenraum. Mehr

15.01.2015, 16:40 Uhr | Gesellschaft
Jagdquiz Wann himmelt der Fasan?

Wer einen Jagdschein haben möchte, muss eine Schießprüfung, einen mündlichen und einen schriftlichen Test absolvieren. Letzterer besteht aus 1400 Fragen. Jeder vierte Kandidat fällt bei seinem ersten Versuch, die Jagdprüfung zu bestehen, durch. Wie sieht es bei Ihnen aus? Testen Sie Ihr Wissen an einigen der Fragen. Mehr

22.01.2015, 11:03 Uhr | Wissen
Escada-Chefin Mittal Meine Töchter nehme ich nicht mit zu Modenschauen

In den Neunzigern war Escada das Sinnbild für deutsche Jetset-Mode. Seit fünf Jahren versucht die britisch-indische Unternehmerin Megha Mittal die durch Inhaberwechsel und Insolvenz gebeutelte Marke zu neuem Glanz zu führen. Mehr

15.01.2015, 21:57 Uhr | Stil
Cartoon-Figur Fans feiern 40 Jahre Hello Kitty

Tausende Fans feiern in Los Angeles den 40. Geburtstag der berühmten Cartoon-Figur Hello Kitty. Bei der weltweit ersten Hello Kitty Con gibt es ausgefallene Verkleidungen und einen Hello-Kitty-Roboter zu sehen - und wer mag, kann sich ein Tattoo mit dem runden Gesicht stechen lassen. Mehr

03.11.2014, 16:48 Uhr | Gesellschaft
Horrorthema Elternabend Und einer schreibt das Protokoll

Elternabend – für viele ist das fast so schlimm wie Zahnwurzelbehandlung oder Steuererklärung. Die zäh verstreichende Zeit, die unbequemen Stühlchen und, am allerschlimmsten, die anderen Eltern. Aber nutzen diese Abende überhaupt den Kindern? Mehr Von Julia Schaaf und Jörg Thomann

14.01.2015, 18:07 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 01.09.2013, 11:50 Uhr

Schneepost

Von Patrick Bahners

In einer sich anbahnenden Naturkatastrophe lernt man die kleinen Dinge im Leben zu schätzen. Da freut man sich jedes noch so unbedeutenden Zeichens der Außenwelt: Auch der sonst höchst unliebsamen. Mehr