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30 vor 40 - Anleitung zum Erwachsensein 1. Bin ich wunschlos glücklich?

Das halbe Leben hat man Zeit, 40 zu werden. Jetzt bleiben plötzlich nur noch ein Jahr – und 30 offene Fragen. Marcus Jauer findet in seiner Kolumne jeden Tag eine Antwort.

© Carsten Feig

Vor ein paar Tagen rief meine Mutter an und fragte, was ich mir zum Geburtstag wünsche. Ich werde heute neununddreißig Jahre alt. Aber das hat damit nichts zu tun. Sie fragt mich jedes Jahr, und nie weiß ich, was ich antworten soll. Lass Dir doch einen Topf schenken, sagt meine Frau, wir brauchen einen Topf. Dann such Dir einen im Internet aus, sagt meine Mutter, ich überweise Dir das Geld. Jetzt bekomme ich also einen Topf. Es ist nicht so, dass ich keinen Topf brauche. Ich mag praktische Geschenke. Für mich muss nicht jeder was basteln. Ich wundere mich nur, warum mir auf die Frage, was ich mir zum Geburtstag wünsche, seit Jahren nichts mehr einfällt. Bin ich denn wunschlos glücklich?

Als Kind hatte ich immer ausreichend Wünsche. Ich wollte eine echte Armbrust, mehrere große Aquarien, eine Tischtennisplatte und – ich weiß nicht mehr warum – ein Tweed-Jackett. Als ich größer war, wollte ich unbedingt ein neues Moped, und obwohl ich wusste, dass es zu teuer war, habe ich es mir trotzdem gewünscht und es auch trotzdem bekommen. Es hielt, bis mir ein halbes Jahr später in einer Kurve ein Auto entgegenkam. Danach wollte ich unbedingt ein Motorrad, das aber nur so lange hielt, bis mein Großvater mir sein Auto borgen konnte, das ich dann kaputt fuhr.

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Wenn ich heute gefragt werde, sage ich immer, ich habe schon alles. Aber das stimmt natürlich nicht. Ich wünsche mir einen Bauernhof, auf dem meine Frau, die Kinder und ich Schweine, Ziegen, Hühner und diese kleinen Ponys halten. Ich würde gern ein Feld bestellen oder auf Weltreise gehen, außerdem könnten wir einen Bus gebrauchen, und an manchen Tagen hätte ich gern mal zwölf Stunden Schlaf. Das sind meine Wünsche. Als Kind konnte ich mich wenigstens noch auf den Boden werfen, um sie erfüllt zu bekommen. Als Erwachsener muss ich ruhig bleiben – und es selbst hinkriegen.

Quelle: FAZ.net

 
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