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Miranda Julys „The Future“ Die Katze spricht, ich muss träumen!

 ·  In ihrem Berlinale-Wettbewerbsfilm „The Future“ erzählt Miranda July zauberhaft leicht, was passieren kann, wenn man in der Mitte des Lebens die Möglichkeiten neu durchzuspielen beginnt.

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Es beginnt alles mit einer Katze. Und die Katze spricht. Sie spricht von der Leinwand herab mit den Zuschauern, und sie tut es mit der knarzig verstellten Stimme von Miranda July, jener multimedial tätigen amerikanischen Künstlerin, der das Kino vor sechs Jahren den zauberhaften Spielfilm „Ich und du und alle, die wir kennen“ verdankte. Für ihren zweiten Spielfilm, „The Future“, der auf der Berlinale im Wettbewerb läuft, hat sie sich diesmal nicht nur wieder auf die Rolle als Regisseurin und Hauptdarstellerin beschränkt, sondern sie spricht eben auch noch Paw Paw, eine todkranke Katze, die das Mittdreißiger-Paar Sophie und Jason in einem Tierheim von Los Angeles für sich aussucht, weil die arme Kreatur nur noch ein paar Monate zu leben habe. Doch als sie die notwendigen Formulare unterschreiben, erfahren sie zwei Dinge: Bei guter Pflege könne Paw Paw durchaus noch etliche Jahre vor sich haben, und die Katze wird ihnen erst dreißig Tage später übergeben, wenn eine aktuelle Verletzung geheilt ist.

„Wie lange sind dreißig Tage?“, wird Paw Paw später in einem ihrer zahlreichen Zwischenspiele fragen und gleich lapidar antworten: „Na ja, länger als bis übermorgen.“ Miranda July als Sophie und Harmish Linklater als Jason werfen in diesen dreißig Tagen ihr bisheriges Leben über Bord, denn wenn Paw Paw tatsächlich noch fünf Jahre bei ihnen leben würde, wären sie ja beide schon vierzig, faktisch also bald fünfzig, „und danach folgt sowieso nur noch Kleingeld“. Also ist es Zeit, etwas zu tun, was einem wahren Leben gleicht. Beide werfen ihre Jobs hin, Jason engagiert sich fortan als Klinkenputzer für den Umweltschutz, Sophie entwirft die Idee, an jedem der dreißig Tage ein privates Tanzvideo ins Internet zu stellen. Beide Absichten scheitern schon im Ansatz.

In der Mitte des Lebens

Was tun, wenn man plötzlich über die Endlichkeit aller Dinge nachdenkt? Miranda July erzählt es in „The Future“ auf die leichteste Art und Weise, mit viel Humor und einigen Szenen, die zum Schönsten gehören, was das Kino bietet. Zwei Männer werden zu Begleitern der individuellen Ausbruchsversuche: Sophie lernt Marshall kennen, einen gutsituierten alleinerziehenden Vater, der mit ihr eine eher beiläufige Affäre beginnt. Und Jason stößt durch Zufall auf den greisen Joe (dessen 2010 verstorbenem wunderbaren Laiendarsteller Joe Putterlik der Film gewidmet ist), der nach sechzig Jahren glücklicher Ehe immer noch schweinische Limericks für seine Frau dichtet. Diese beiden Männer sind mit sich im Reinen.

Sophie und Jason sind es nicht. Und darüber droht ihre eigene erst vierjährige Liebe zu zerbrechen, die sie beide für uralt und unantastbar hielten. In den ersten Bildern werden sie als symbiotisches Paar inszeniert, das sich mit großer gegenseitiger Poesie zu überraschen weiß. Später verlieren beide den jeweils anderen aus dem Auge, um sich selbst so gut zu verwirklichen, wie es geht.

Verspielt ist dieser Film, lebensfreudig und -klug. Nur die Katzen-Intermezzi wirken, so schön sie simuliert werden, etwas aufgesetzt. Aber letztlich ist es Paw Paw, die noch einmal Schicksal spielt und einen Schluss ermöglicht, der dem Neuanfang ein Ende setzt und eine Chance für den Rest bietet.

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Jahrgang 1966, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Bilder und Zeiten“.

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