05.07.2011 · Sahra Wagenknecht hat im Leben gelernt, sich vor allem auf sich selbst zu verlassen. In dieser Gesellschaft sollte sie damit eigentlich ganz gut zurechtkommen. Sie will aber dennoch eine andere. Theorie und Praxis einer Kommunistin im Bundestag.
Von Edo ReentsWenn man unbedingt einen Witz über sie machen will, dann könnte man sagen, sie wollte nicht in den Kindergarten, weil sie lieber Bücher gelesen hat. Das ist aber kein Witz. Mit vier konnte sie tatsächlich lesen, mit zehn las sie Freud, und als die Mauer fiel, saß sie in ihrer Ost-Berliner Wohnung über Kants „Kritik der reinen Vernunft“. Ein weltabgewandtes und auch Revolutionen – jedenfalls dieser einen – nicht zugeneigtes Wunderkind? In ihrem neuen Buch behauptet sie: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der Leistung nicht belohnt wird.“ Bildungshungrig, vorzeigbar und, wenn es Radau gibt, abseitsstehend – so eine könnten die bürgerlichen Parteien eigentlich gut gebrauchen.
Wir sitzen an einem strahlend schönen Samstagabend hinten im Auto eines Fahrdienstes eines Mainzer Kulturfestivals, auf dem sie gerade ihre Thesen vom Stapel gelassen hat, und fahren zum Frankfurter Flughafen. Eigentlich geht ihr Flug in einer Dreiviertelstunde, bei der Verabredung gab es ein Missverständnis. Sie greift zum Handy: „Ja, guten Tag, mein Name ist Sahra Wagenknecht. Ich wollte gerne einen Flug umbuchen.“ Das macht zweieinhalb Stunden mehr Redezeit.
Sahra Wagenknecht trägt ein türkisgrünes Kleid und ihr Haar, das wie bei Kafka tief in der Stirn ansetzt, wie immer geschlossen. Wir rekapitulieren ihren Mainzer Auftritt in einem vor allem von Jutetaschen-Besitzern besuchten Zelt, wo sie gelassen ihr Programm abspulte: die Dominanz des Kapitals, die wenigen, steuerlich unbehelligten Reichen und die vielen und immer noch mehr ausgebeuteten Armen, die mangelnde Bereitschaft zu staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft, die Privatisierung von allem und jedem, insgesamt: der Mangel an Gemeinsinn. Im Grunde, sagt sie, sei man ein „Wanderprediger. Man wiederholt sich.“ Sie nestelt in ihrer großen, roten Ledertasche und sieht dann aus dem Fenster.
Der schöne Schrecken des Sozialismus
Sahra Wagenknecht sitzt seit bald zwei Jahren für die Linke im Bundestag und ist stellvertretende Parteivorsitzende. Jahrelang war sie wie festgenagelt auf die sogenannte Kommunistische Plattform, von der aus sie auch in ihrer Zeit als Europaabgeordnete einen Schrecken verbreitete, der in einem seltsamen Kontrast zu ihrem Äußeren stand. Von der Plattform ist sie bis auf weiteres verschwunden, weil ihr Stellvertreter-Amt eine gewisse Überparteilichkeit innerhalb der Partei erfordert. Deswegen kann es sein, dass die Leute jetzt nicht mehr ganz so fest daran glauben, es breche augenblicklich der Sozialismus aus, sobald sie irgendwo auftaucht.
Sie erzählt von einer Begegnung mit Hans-Jochen Vogel von der SPD bei Sandra Maischberger. In der Sendung wurde eine Frau von der Linken eingeblendet, die die Frage, ob die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei, verneinte. Noch bevor die Studiokamera auf Sahra Wagenknecht hielt, ging Vogel quasi schon in die Luft wie ein HB-Männchen und wandte sich für den Rest der Sendung demonstrativ von ihr ab. „So ist das eben in Talkshows: Dauernd treffen Leute aufeinander, die sich nicht leiden können.“
Wir sind am Flughafen. Im Selbstbedienungsrestaurant, das wir ansteuern, ist noch eine ruhige Ecke frei. Wie war das damals mit dem Kindergarten – wollte sie dort wirklich nicht hin? „Spielen ist mir schnell langweilig geworden. Ich hatte einen unglaublichen Lernhunger.“ Sie hüstelt. „In der DDR gab es wenige Kinder, die anders aussahen.“ Ihr Vater kam aus Iran und ging, als sie klein war, auf Nimmerwiedersehen dorthin zurück. Dass sie vaterlos aufwuchs, war kein Thema. Trotzdem wurde das Mädchen gehänselt. „Kinder neigen ja zur Gruppenbildung: ,Hääh, kuck mal, wie sieht die denn aus!?‘“ Hat sie vielleicht deswegen so früh gelesen, weil sie gehänselt wurde, oder wurde sie gehänselt, weil sie gelesen hat? Das sei im Nachhinein schwer zu sagen. „Ich wollte immer lernen, etwas Neues erfahren.“
Strebsam, mit Problemen im Kollektiv
War sie eine sehr gute Schülerin? „Ja. Ich habe mich gelangweilt. Manchmal habe ich absichtlich keine Hausaufgaben gemacht, um im Unterricht mehr gefordert zu sein.“ Streber können es schwer haben, aber sie war, obwohl schon jede Zwei für sie ein Ärgernis darstellte, gar keine Streberin oder empfand sich zumindest nicht als solche. Heute wäre sie vermutlich ein Wunschkind jedes Politikers und jedes Wirtschaftsfunktionärs.
Nach dem Abitur schickte man sie in die Verwaltung der Humboldt-Universität, damit sie lerne, sich ins Kollektiv einzufügen. „Ich musste den ganzen Tag mechanisch Sachen abtippen. Nach drei Monaten habe ich gekündigt.“ Wegen dieser Widerspenstigkeit durfte sie nicht studieren und musste sich mit Nachhilfeunterricht über Wasser halten, was wegen der unglaublich niedrigen Mieten auch ging. Das war 1988. Die Wohnung im Stadtteil Karlshorst, die in der Zwischenzeit renoviert ist, hat sie heute noch.
Hier konnte sie lesen, so viel sie wollte: Aristoteles, Kant, Hegel, Fichte, Goethe und Marx natürlich, die 42 Bände hatte die Mutter ihr geschenkt. „Ich dachte, wenn die mich nicht studieren lassen, dann studiere ich halt auf eigene Faust.“ So las sie, eine Figur fast wie aus einem Bildungsroman, aber nicht so bummelantenmäßig, sondern streng nach Tagesplan, las und exzerpierte und las dann noch einmal das Exzerpierte nach. So eine Zeit kommt wahrscheinlich nie wieder – es sei denn, „Die Linke“ löst sich eines Tages auf. Sahra Wagenknecht lacht. Sie sei damals allerdings sozial vereinsamt. „Da wird man dann eventuell doch ein bisschen eigen. Ich habe mir damals Positionen erarbeitet, die lebten von Trotz und Verweigerung.“
Gefahren des Selbststudiums
Leben und lesen ohne Korrektiv und Widerspruch – diese Form von Freiheit kann auch zum Problem werden und einen Dogmatismus nähren, dem nur noch schwer beizukommen ist. Ihr Weltbild war jedenfalls gefestigt, als die Mauer fiel, was sie, weil sie ja in der „Kritik der reinen Vernunft“ las, gar nicht mitbekam. „Ich bin dann irgendwann schlafen gegangen.“ Das war gewissermaßen die Geburt ihres politischen Bewusstseins aus dem Geist von Distanz und Kritik gegenüber den neuen Verhältnissen. Hauptsächlich, wie sie heute zugibt, aus Trotz fing sie an, das untergegangene System zu verteidigen. „Mich störte die einseitige Art, wie über die DDR gesprochen wurde. Ich habe zu DDR-Zeiten vieles grundlegend kritisiert – im Unterschied zu manchen, die Kritikwürdiges erst im Herbst 1989 entdeckt haben –, und ich hatte auch nie Lust zu diesen FDJ-Sachen. Aber ich habe mich als Sozialistin verstanden.“ Und dass sie außer in Bruderstaaten nirgends hinreisen durfte? „Es hat mich schon gestört, dass ich nicht nach Paris oder Rom fahren konnte.“ Erst Monate nach dem Mauerfall war sie zum ersten Mal in West-Berlin, und das auch nur, weil sie ein Buch brauchte, das es im Osten nicht gab.
Was bedeutet Freiheit für sie? „Der heute gängige Begriff ist inakzeptabel. Wer zu Minijobs gezwungen wird oder noch nicht einmal von einer Vollzeitstelle leben kann, der ist doch nicht frei.“ Braucht man denn überhaupt Freiheit? „Ja. Zur Freiheit gehört auch materielle Sicherheit. Freiheit hat mit der Frage zu tun: Kann ich mein Leben planen? Wer sich von einer befristeten Beschäftigung zur nächsten hangeln muss, der kann genau das nicht. Auch Hartz IV hat zu einem Überwachungssystem geführt, das grundlegende Freiheitsrechte mit Füßen tritt.“
Letztlich lieber sicher als frei
Freiheit als Sicherheit – das ist nicht gerade das westlich-hedonistische Verständnis und steht fest auf dem Boden des historischen Materialismus. Vielleicht wirkt hier die Altklugheit des Kindes nach, das gelernt hat, die Welt aus einer idealistischen Position zu betrachten, um die es sich beim Marxismus am Ende eben doch handelt. Sahra Wagenknecht würde da natürlich widersprechen. Wie kommt es aber, dass ihre Partei von einer Entwicklung, die Kapitalismuskritikern eigentlich Auftrieb geben müsste, nicht so richtig profitiert? „Es gibt natürlich Berührungsängste, weil das absurde Klischee immer noch fortlebt, die Linke wolle in die Vergangenheit zurück.“
Hat sie denn nie die Versuchung verspürt, ihr Äußeres stärker einzusetzen, statt den Leuten immer nur mit kalter Sachlogik zu kommen? Eine Frau, die so aussieht wie sie, könnte ja auch ein anderes Image als das einer rechthaberischen, apparatschikhaft-züchtigen Stalinistin haben. Die Frage weist sie durch irritiertes Schweigen als zu plump zurück. Dann sagt sie: „Es ist schon richtig, ich bin nicht so der Bierzeltredner, aber das muss auch nicht jeder Politiker sein.“
Mit einigen Thesen ihres Buches „Freiheit statt Kapitalismus“ wäre sie im Bierzelt vielleicht gar nicht so schlecht aufgehoben. Der Titel knüpft an den Unions-Wahlkampfslogan von 1980, „Freiheit statt Sozialismus“, an (der Kanzlerkandidat war Franz Josef Strauß) und enthält, neben beißenden Analysen unseres Wirtschafts- und Finanzsystems, die Ludwig-Erhard-Forderung „Wohlstand für alle!“
Imprägniert mit Vorsicht
Es ist 20.45 Uhr, in einer halben Stunde geht der Flug, und sie hat noch nicht eingecheckt. Es rührt einen geradezu zu sehen, wie sie, die immer so kontrolliert wirkt, nun plötzlich in Trippelschritten zum Schalter eilt – eine seltsam hermetische Frau, an die schwer heranzukommen ist. Eigene Überzeugungen, aber auch Erfahrungen mit einer Öffentlichkeit, die ihr unkluge Äußerungen – zu denen jene zur Mauer als „notwendigem Übel“ aus den frühen neunziger Jahren sicherlich gehört – bis heute nachträgt, scheinen sie imprägniert zu haben. Man erfährt im Gespräch nicht wesentlich mehr, als man schon vorher über sie wusste.
Eine Woche später treffen wir uns wieder: Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde, der „Sozialistenfriedhof“. Rein zufällig ist es der 17. Juni. Bei der Begrüßung sagt sie aufgeräumt, gerade eben habe man in einer Fraktionssitzung darüber gesprochen, ob es nicht doch besser gewesen wäre, den Tag der Deutschen Einheit auf den Sommer zu legen beziehungsweise einfach dort zu lassen, bei dem schönen Wetter könne man damit mehr anfangen. Wir betreten das Rund der „Gedenkstätte der Sozialisten“, in dem die bekanntesten Politiker begraben sind: Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht natürlich, die am 15. Januar 1919 ermordet wurden, Ernst Thälmann, Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl und Walter Ulbricht. Ernst, beschattet von der aufragenden Steinplatte, die Mies van der Rohe gestaltet hat („Die Toten mahnen uns“), betrachtet Sahra Wagenknecht die Namensinschriften, die ihr nicht alle etwas sagen. Wer ist zum Beispiel Rudolf Breitscheid? Oder Franz Künstler? Franz Mehring kennt man natürlich irgendwie.
Auf dem Friedhof der Sozialisten
Jeden zweiten Januar-Sonntag kommen Mitglieder und Sympathisanten der Linken hierher, um die Toten zu ehren, und trotzen mit Hilfe von Erbsensuppe und Glühwein der Nässe und Kälte. Sahra Wagenknecht zeigt auf die frischen Blumen. Die Grabpflege sei hier offenbar Aufgabe der öffentlichen Hand, da könne man mal sehen, dass das durchaus funktioniert. Wir stehen jetzt am Grab Rosa Luxemburgs. Deren Leiche, die man in den Landwehrkanal geworfen hatte, wurde nie gefunden, oder? „Das Gedenken gilt ja der Persönlichkeit und den Ideen Rosa Luxemburgs. Ehrlich gesagt, will ich das andere gar nicht so genau wissen.“
Wir laufen zum äußeren Friedhofsring, einem weiten Halbrund, in dem die Gräber der weniger Prominenten eingelassen sind. Eine Mauerinschrift fordert „Ruhe und Ehre den unsterblichen Kämpfern für den Sozialismus“. Eine gewisse Verlegenheit macht sich breit, fast kommt man sich vor wie in dieser Szene in Thomas Manns „Zauberberg“, wo Hans Castorp und Joachim Ziemßen mit der Patientin Karen Karstedt einen Friedhof aufsuchen und andächtig vor der einzigen noch unbelegten Grabstelle stehenbleiben. Verstohlen schielen die Vettern zu ihrer Begleiterin hin, weil jeder denkt, dass Karen Karstedt wahrscheinlich die Nächste sein wird, die hier zu Grabe getragen wird – eine so gespenstische wie komische Situation.
Beschämendes Begrüßungsgeld
Noch einmal zurück zur Wende 1989/90: Was ging da in ihr vor? „Das war über Monate hinweg ein Schwebezustand. Es war keineswegs so, dass wir alle das westliche System wollten. Nur gab es damals keine progressive Kraft. Die SED war diskreditiert und hätte sich ja schlecht als Motor von Reformen darstellen können. Und Helmut Kohl saß damals auf dem dicken Geldsack und versprach blühende Landschaften. Ich fand vieles demütigend. Das Begrüßungsgeld beispielsweise: Fast alle meine Bekannten haben sich das abgeholt. Ich habe zu ihnen gesagt: ,Wie könnt ihr das nur machen?!‘“ Walter Jens hat damals in einem Interview gesagt, wie mit Jesu Kreuzigung das Christentum ja erst am Anfang gestanden habe, so sei mit dem Mauerfall der Sozialismus keineswegs erledigt – sieht sie das auch so? „Mag sein. Heute sind kapitalismuskritische Thesen jedenfalls wieder viel verbreiteter als damals.“
Damit lassen sich auch altbundesrepublikanische Politiker vernehmen, Heiner Geißler etwa, der ist sogar Attac-Mitglied, oder Norbert Blüm. Tja, die alte BRD: Ludwig Erhards Devise „Wohlstand für alle“ war vielleicht nie näher an ihrer Verwirklichung als in den siebziger Jahren. Damals schlug der Gewerkschaftsboss Heinz Kluncker für seine Leute elf Prozent Lohnerhöhung heraus. „Der Dicke“ scheint auf die Sozialistin keinen Eindruck zu machen: „Na ja, damals lag die Inflationsrate bei sieben Prozent.“ Wäre das nicht eine reizvolle Idee – die Rückkehr zur alten BRD? „Das funktioniert nicht. Dazu ist die Wirtschaft international zu stark verflochten. Das kann man nicht mehr rückgängig machen.“
Die fabelhafte Welt der Theorie
Womöglich stünde das auch einer Leistungsgesellschaft, wie sie sie im Sinn hat, im Wege. Stehend, die rote Ledertasche, die sie schon in Mainz dabeihatte, zu ihren Füßen, doziert sie zwischen den Gräbern: „Die Verteilung muss sich nach Leistung richten, und die Bedürftigen muss man unterstützen.“ Das sagt Guido Westerwelle im Prinzip auch. „Das ist total verlogen. Die FDP unterstellt den Leuten Arbeitsscheu. Ich kenne niemanden, der nicht aus Hartz IV herauswill.“ Auch das SPD-Programm „fördern und fordern“ gehe in die falsche Richtung. Die Wahrheit sei doch, dass die Arbeitseinkommen immer weiter sänken, während das Vermögenseinkommen, das man gleichsam für sich arbeiten lasse, unaufhaltsam wachse.
Ihr iPhone klingelt. Aus ihrer roten Tasche hört man leise die Filmmusik aus der „fabelhaften Welt der Amelie“. Sie geht nicht ran. „Die, die mehr leisten, sollen auch mehr haben. Jede Ökonomie braucht Leistungsanreize, sonst hat der Meister irgendwann keine Lust mehr, Meister zu sein. Die Linke ist in diesem Punkt viel zu zurückhaltend. Es ist ein Klischee, dass die Linke nur für die sozial Schwachen etwas tut. Viele, die heute arm sind, sind überhaupt nicht schwach.“
Was würde Jesus sagen?
In ihrem Buch singt sie, auf Seite 105, das Lob des Mittelstandes, wie man es auch von einem biederen Unternehmer nicht anders hören würde. Und sie hat auch gar nichts dagegen, wenn jemand es mit seiner Firma zu Wohlstand bringt – „aber ab einer bestimmten Größe einer Firma muss es eine Mitarbeiterbeteiligung geben. Und ich bin strikt dagegen, dass größere Firmen vererbt werden. Jeder soll sich selbst seinen Lebensstandard aufbauen. Es ist absurd, wenn einige per Geburt von den Erträgen eines Unternehmens oder Aktienpaketen leben können, ohne je etwas geleistet zu haben. Ich will ja niemandem etwas wegnehmen, aber den geborenen Unternehmer, von dem viele reden, gibt es nicht. Sonst wären wir ja wirklich wieder beim alten Adel. Das sind doch feudale Kategorien.“
„Was würde Jesus sagen?“, fragte vor Jahren Heiner Geißler. Wie ist ihr Menschenbild? Im Grunde setzt der Kommunismus doch den uneigennützigen Menschen voraus. „Der Mensch ist Egoist und soziales Wesen. Welche Eigenschaften gestärkt werden, hängt auch von der Umgebung ab. Unter einem gewissen Schutz verhalten sich die Menschen sozialer.“ Und sie empfiehlt nun sehr das Buch von Kate Pickett und Richard Wilkinson, „Gleichheit ist Glück“. Kann es sein, dass sie die DDR gewissermaßen immer nur gedacht, aber nie richtig erlebt hat? „Mit Gefühlen kann man sehr viel begründen. Rationale Argumente sind wichtiger. Analytisch kann man die Nachteile doch viel besser erfassen. Es gab in der DDR relativ wenig Leistungsanreize, das war ein Fehler.“
Als wir zum nahe gelegenen Bistro aufbrechen, stellt sich uns ein Mann in den Weg. Er trägt Freizeitkleidung und mag sechzig Jahre alt sein. „Entschuldigung, ich glaube, ich kenne Sie. Sind Sie nicht Frau Wagenknecht?“ Das bejaht die Gefragte. Sehr höflich bittet der Mann noch einmal um Entschuldigung, er wolle nicht stören, und geht dann weiter. Das ist alles. Sahra Wagenknecht scheint erleichtert zu sein: „Ich wurde ja schon für alle Toten verantwortlich gemacht, so, als hätte ich die Mauer gebaut.“ In einiger Entfernung rangeln zwei Hunde miteinander, wahrscheinlich Kampfhunde. Aber es passiert nichts. Sahra Wagenknecht bestellt einen Latte macchiato und erzählt von dem Mischling, den sie als Kind hatte. Langsam taut sie auf.
Hätte sie mal...
Karl Hammer (cromagnon)
- 05.07.2011, 16:33 Uhr
Sehr gut selber dargestellt, da vergißt sie leicht einiges zu sagen, so Ihre...
Peter Herbeck M.A. (peterherbeck)
- 05.07.2011, 19:33 Uhr
Zeit für Herbert Spencer und Aristoteles!
Volker Spielmann (Schildwache)
- 05.07.2011, 19:58 Uhr
Lesen Sie Hayek, Frau Wagenknecht!
Fritz Meyer (FriedrichBarbarossa)
- 05.07.2011, 20:39 Uhr
Die Opfer identifizieren sich mit den Tätern
Herrmann Hurz (Herrmann_Hurz)
- 05.07.2011, 21:13 Uhr