28.11.2008 · Lisa gehört zu meinen Freunden auf Last.fm, das ist ein Internetradio, über das man neue Musik finden kann. Ich habe sie mir immer als sorgfältigen Menschen vorgestellt. Ich würde nicht sagen, dass Lisa und ich befreundet sind, wir haben eher ein sorgloses Verhältnis.
Lisa gehört zu meinen Freunden auf Last.fm, das ist ein Internetradio, über das man neue Musik finden kann, aber was Musik angeht, haben wir eine geringe Übereinstimmung, sagt Last.fm. Sie hört Elektropop mit nachdenklichen Texten, und ich weiß auch, dass sie in einer Band gesungen hat, die hieß mevsme, aber die gibt es, glaube ich, nicht mehr. Die Texte fand ich sauber im Stil und mit einer gewissen Überlegung gemacht, aber die Musik war mir zu ungefährlich.
Ich erinnere mich, dass ich Lisa über ihren Blog gefunden habe, das muss vor fünf oder sechs Jahren gewesen sein. Ich habe zu der Zeit in Köln gewohnt und mich nachts durch das Internet gefressen. Es war ja alles neu damals. Vermutlich habe ich was in ihrem Blog kommentiert oder sie in meinem, und so sind wir in Kontakt gekommen. Sie nennt sich emosozialprodukt, das klingt mir ein wenig wohlüberlegt, so als ob sie sich viele Gedanken macht, und ich habe sie mir auch immer als sorgfältigen Menschen vorgestellt, aber mir wäre der Name zu offen und gleichzeitig zu festgelegt. Er lässt keine Veränderung zu.
Ich nenne mich Walda, das leitet sich von meinem Vornamen ab und drückt nichts Besonderes aus. Als ich nach Berlin umgezogen bin, habe ich das dazu genutzt, viele meiner Internetkontakte abzubrechen. Ich war irgendwie übersättigt und hatte auch nicht mehr so das Bedürfnis, mich ranzumenscheln. Manche Leute muss man nach einer Phase des Liebgewinnens auch wieder loslassen.
Heute lese ich noch zwei, drei Blogs regelmäßig, und wie viele meinen Blog lesen, interessiert mich nicht. Das eigene Glänzen ist mir nicht mehr so wichtig, ich blogge nur noch, wenn wirklich etwas passiert ist, und dann schreibe ich es erstmal vor. Sonst ist man zu schnell dabei, es rauszugeben. Man kann bei mir auch nichts mehr kommentieren. Offenbar geht es mir nicht so um Austausch, ich will eher meine publizistische Freiheit nutzen, und ich nehme nur noch Leute in Listen auf, zu denen ich einen Bezug habe.
Ich würde nicht sagen, dass Lisa und ich befreundet sind, wir haben ein sorgloses Verhältnis. Manchmal lese ich in ihrem Blog, dass sie auf Konzerten war, auf denen ich auch gewesen bin, aber ich habe sie noch nie getroffen. Wir haben mal Nummern ausgetauscht, ich glaube, ich habe sie auch angerufen, aber vielleicht habe ich das nur geträumt, oder es war eine falsche Erinnerung. Walter Wacht, 26, Berlin
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