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Besuch bei Karl-Heinz Funke Unter Eiern

09.02.2011 ·  Wer sehen will, wie sehr sich unser Bewusstsein für gesunde Ernährung geschärft hat, muss den ehemaligen Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke auf seinem Hof besuchen. Dort ist alles noch wie früher.

Von Edo Reents
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In diesen Tagen und Wochen, da das halbe Land sich die Miene gibt, vegetarisch zu werden, hat der Besuch bei einem der letzten fleischfressenden Menschen geradezu etwas Abenteuerliches. Denn das ist der ehemalige Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke: ein Bekenner und Schlemmer, der in Talkshows gerade wieder ordentlich dagegenhält, wenn Vegetarier Verzicht fordern. Mir kommt, wie ich die Teerstraße südlich von Wilhelmshaven immer weiter geradeaus fahre, Joseph Conrads Kongo-Geschichte „Herz der Finsternis“ in den Sinn: Funke wäre natürlich der Elfenbeinhändler Kurtz; ich, wenn's recht ist, der Süßwasserkapitän und Erzähler Marlow, der auf dem dunklen Fluss klopfenden Herzens zu dem Sagenhaften vordringt.

Was bei Conrad das Elfenbein war, ist, so kann man wohl sagen, heute das Fleisch - etwas, dessen Gebrauch oder Verzehr das Rückständige in uns auf befremdliche, empörende Weise zum Vorschein bringt, ein grauenhafter Atavismus, der uns wieder zu Wilden macht. Kurtz wird verrückt über seinem Elfenbein und bringt im Moment seines Todes das Kunststück fertig, flüsternd zu schreien: „Das Grauen! Das Grauen!“ Aber hier, am Jadebusen, stirbt gottlob niemand und wird auch niemand verrückt. Warm anziehen muss man sich bei der Reise ins Herz des Fleischessers trotzdem. Nach wie endlos scheinenden Kilometern durchs Flachland, das nach einer durchregneten Nacht im Glanz der Morgensonne nun beinahe farbenprächtig wirkt, erreiche ich im Dorf Dangast, Kreis Friesland, das Versteck oder vielmehr den Hof: Hier, hinter hohen Bäumen, die sommers wohl vollkommenen Schutz bieten, hat sich der Landwirt und ehemalige Politiker Karl-Heinz Funke verschanzt. Es ist beneidenswert schön hier. Der Vorhof ist durch ein Eisengitter vom Wohnbereich getrennt, in den der rechtwinklige Klinkerbau übergeht. Funke steht pfeiferauchend in rotem Pullover und brauner Cordhose draußen; als ich das Auto parke, geht er, mürrisch grüßend, gleich wieder ins Haus.

Ich laufe, eingeschüchtert auch von herüberwehendem Hundegekläff, ihm nach. Durch die gläserne Eingangstür sieht man ihn schmauchend dastehend, vertieft in Papierkram. Die Langsamkeit, mit der er auf das Läuten reagiert, lässt mir Zeit für weitere Joseph-Conrad-Phantasien: „Er sah wie ein gieriger Dämon aus, als wolle er alle Luft, alle Erde und alle Menschen vor sich verschlingen. Eine tiefe Stimme drang schwach bis zu mir. Er muss gebrüllt haben.“

„Lass man klingeln“

Karl-Heinz Funke sieht aber nicht wie ein Dämon aus, er brüllt auch nicht, jedenfalls noch nicht. Sonor bittet er in die gute Stube. Noch im Stehen nenne ich den Anlass des Besuchs, Dioxin, Vegetarismus, er wisse schon. Funke winkt, Qualmwolken ausstoßend, ab. Wir setzen uns. Das Telefon nebenan klingt ungefähr alle zehn Minuten: „Lass man klingeln.“ Wie er das denn sehe, dass jetzt ja quasi flächendeckend Fleischlosigkeit gepredigt werde, setze ich nach. „Mindestens“, sagt Funke und macht eine lange Pause. „Seit. Gut. Zweitausend. Jahren. Haben. Wir. Solche. Bewegungen. Aufgrund. Unterschiedlichster. Anlässe.“ Es ist, als qualmte einem Helmut Schmidt etwas vor.

Karl-Heinz Funke verkörpert den heute so gut wie ausgestorbenen Politikertypus, der scharfen Verstand und Bodenständigkeit, glänzende Rhetorik und eine gewisse, sich zuweilen phlegmatisch äußernde Unlust, der Mehrheit nach dem Mund zu reden, unter einen Hut bekam. Funke war der erste sozialdemokratische Bundeslandwirtschaftsminister. Ihm fiel es zu, Gerhard Schröder erst in Niedersachsen die traditionell konservativ eingestellten Bauern zuzuführen, sie ihm dann aber vom Hals zu halten - kein Regierungschef legt Wert auf den Anblick von Kuhmist, der protesthalber vor seiner Tür abgeladen wird. Schröder war mit ihm so zufrieden, dass er ihn 1998 zwang, ihm als Bundesminister zu dienen: „Es geht nicht darum, was du willst. Du musst.“

Die Familie ist seit ungefähr 1100 im Ort ansässig

Nach gut zwei Jahren war allerdings Schluss. Funke hatte sich Ende 2000 überzeugt davon gezeigt, Deutschland wäre BSE-frei - ein Irrtum. Am 9. Januar 2001 trat die grüne Gesundheitsministerin Andrea Fischer zurück; Funke folgte ihr noch am selben Tag, nachdem er zuvor auf seinen Hof abgetaucht war und es zugelassen hatte, dass sein Staatssekretär eigenmächtig ein Papier zur Erneuerung der Landwirtschaft veröffentlichte, dem Minister dann aber seinen Rücktritt anbot. „Ich habe nur gesagt: Wenn hier einer geht, dann ich.“

Die BSE-Geschichte war aber wohl nicht der einzige und wahrscheinlich noch nicht einmal der Hauptgrund. Schröder hatte plötzlich eine „Wende“ in der Agrarwirtschaft gefordert, und Funke, der als Agrarlobbyist galt, wusste sofort: „Das geht jetzt in eine Richtung, bei der ich überflüssig bin.“ Heute müsse man „vernünftige Agrarökonomen“ im Bundestag mit der Lupe suchen. „Die kennen nur Kreissaal, Schulsaal, Hörsaal, Plenarsaal - da kann ja nichts bei rauskommen.“ Studiert hat Funke auch, unter anderem Germanistik und Geschichte. Er war Berufsschullehrer und übernahm 1983 den Hof von seinen Eltern.

Es stimmt in diesen Zeiten, in denen uns ein gutgekleideter junger Minister uns sogenannte Handlungsfähigkeit demonstriert, ausgesprochen melancholisch, wenn man sich daran erinnert, wie es diesem friesischen Landwirt ohne die geringste Unterstützung durch die Meinungsmacher auf Anhieb gelang, sich auf dem rutschigen EU-Parkett zu behaupten. Mit den meisten Ministern und Kommissaren kam er, wie man bis heute hört, gut zurecht. Zehn-, zwölfstündige Sitzungen, auf denen Legehennenverordnungen ausgetüftelt wurden, waren keine Seltenheit, und wenn man Funke so sieht, kann man sich vorstellen, dass er das alles mit Schnäpsen hinterher einfach heruntergespült hat. Er mag den modischen Aspekt seines Auftretens vernachlässigen, aber seine Familie hat auch schon einige Zeit auf dem Buckel und ist seit ungefähr 1100 im Ort ansässig. Nicht nur deswegen wirkt alles, was er sagt, durchsetzt mit Geschichte, die in seinem wuchtigen Schädel genug Platz findet. Auf dem Wohnzimmertisch liegt das Philosophische Wörterbuch von Kröner.

„Sachzwänge gibt es nicht“

Wenn man ihn frage, sagt Funke, so sei das Gerede, dass unsere Nahrung zu billig sei, ein reines Oberschichtsphänomen; Leute, die es sich leisten können, hätten leicht reden. Im übrigen sei unser Eliten-Begriff „eine einzige Katastrophe: Das ist alles viel zu sehr auf die akademische Welt und bestimmte Etagen verengt.“ Man müsse doch vor jedem, der engagiert seine Arbeit tut, Respekt haben. Und: „Preiswerte Nahrungsmittel haben eine soziale Funktion!“ Er wirkt dabei leicht kollerig, kontert den Einwand, in Deutschland gäbe man nachweislich zu wenig Geld fürs Essen aus, aber ausgesprochen lässig: „So. Und jetzt kommen Sie mir mit Frankreich, was?“ Selbst er sehe sich heute nicht mehr genötigt, drei Tage hintereinander aufgewärmten Grünkohl zu essen, obwohl ihm das schmecke. Ein deutscher Facharbeiter habe 1970 für ein Kotelett anderthalb Stunden arbeiten müssen, heute nur noch eine halbe Stunde. „Ich halte das für einen Fortschritt.“

Es führt zu nichts, alle Ansichten, die Funke im Laufe eines zehnjährigen Ministerlebens von sich gegeben hat, jetzt noch einmal auf ihre Richtigkeit hin abzuklopfen. Funke war, wie jeder andere Minister auch, nie frei von Rücksichtnahmen auf die unterschiedlichsten Lobbygruppen; und was er sagte, wurde in deren Getriebe längst zu Feinstaub gemahlen. Doch er wäre der Letzte, der leugnen wollte, dass es zwischen Wettbewerbsfähigkeit einerseits und Tier- sowie Verbraucherschutz andererseits Widersprüche gibt. Auch darin ist er ganz Sozialdemokrat - wenn auch, wie er betont: ein rechter -, dass er an die Veränderbarkeit der Dinge glaubt: „Sachzwänge gibt es nicht. Es ist alles politisch gewollt.“ Das Wohnen im Absoluten aber hält er für philiströs, und nie im Leben käme er auf die Idee, technische Arbeitserleichterungen wieder preiszugeben. Die Rückkehr zu mittelalterlichen Formen, wie sie in Fernsehfilmen gezeigt werde - das seien doch alles bloß Sprüche: „Was meinen Sie, wie schnell da die Tränen fließen!“

Wer diese fleischige Persönlichkeit auf sich wirken lässt, stellt bald fest, dass Funke auf Begriffe wie „Massentierhaltung“ oder „Agrarindustrie“ allergisch reagiert. Heute hätten es fünfhundert Rinder in einem freien Stall besser als fünfzehn, die früher angebunden waren. „Das ist doch nicht an Zahlen festzumachen!“ Im Übrigen habe es die Massenhaltung schon vor Jahrtausenden gegeben. „Lesen Sie den 14. Gesang des Homer, die ,Odyssee': Da ist die Rede von zwölf Koben zu je fünfzig Schweinen. Sechshundert Säue!“ Funke fasst sich an den Kopf. Und Umweltschutz? „Sie kennen doch Herkules. Wie mistet der den Stall des Augias aus? Na, indem er einfach zwei Flüsse durch den ganzen Mist lenkt! Sowas könnte man sich heute nicht mehr erlauben.“ Immer gleich die Systemfrage zu stellen und Verordnungen auszurufen, sobald etwas in der Zeitung stehe - das gehe nicht. „Politik darf ruhig populistisch sein, aber nicht opportunistisch.“

Eine Annäherung ist ausgeschlossen

Wir kommen auf den Hungerwinter 1946/47 zu sprechen, in dem Städter umherirrten und von den Bauern die Erlaubnis bekamen, Tierkadaver von den Misthaufen zu holen, um sie zu verspeisen. „Heute werden schon fünfzigste Geburtstage mit riesigem Buffet gefeiert, und wehe, die Krabbencocktails sind zu knapp bemessen, davon reden die Leute dann wochenlang. Dabei haben doch alle Brot zu Hause. Mich hat das nie betroffen, ich bin ja Jahrgang 1946. Wir in der Landwirtschaft hatten immer wenig Bargeld, aber satt zu essen.“

Es ist paradox: Die historischen Entwicklungen, die Funke bemüht, scheinen ihn gegen ein Denken, das auf einschneidende Veränderungen aus ist, imprägniert zu haben. Die Erfahrung, dass es bisher ja immer noch irgendwie gutgegangen ist, verleiht ihm eine Standfestigkeit, die in Zeiten, in denen man mit einem Dioxinfund wochenlang Talkshows bestreiten kann, etwas Aufreizendes hat. So gewinnend das menschlich auch wirkt - politisch käme man damit noch viel weniger durch als vor zehn Jahren. Niemand, der heute Verantwortung trägt, käme auf die Idee, Skandale oder Katastrophen mit dem Hinweis auf Zeiten früherer, ganz anderer Entbehrungen relativieren zu wollen. „Sturmfest und erdverwachsen“, so heißt es im Niedersachsenlied, fußt Funke auf Grundüberzeugungen, die quasi unhintergehbar sind. Wer schon einmal miterlebt hat, wie er mit Vegetariern und Tierschützern diskutiert, weiß, dass eine Annäherung ausgeschlossen ist. Stoisch bemüht er die klassischen Argumente einer Landbevölkerung, die mit Tieren unter einem Dach lebt, ohne sie deswegen wie Menschen zu behandeln. „Und Sie dürfen nicht von Haustieren auf Nutztiere schließen.“

Doch gibt es nicht auch Leute, die aus reiner Tierliebe auf Fleisch verzichten? „Das akzeptier' ich - so lange man mir nicht sagt, was ich essen soll.“ Er räkelt sich in seinem Sessel: „Ich handele letztlich auch ethisch-moralisch, wenn ich ein Tier halte, um es am Ende zu verzehren.“ Es komme eben auf die Haltung an. Und hier sehe er einen langen Prozess wissenschaftlicher Erkenntnis, die sich ja ständig ändere: „Früher hieß es, das Vieh muss im Winter warm stehen. Heute wissen wir, dass sich die Kühe totschwitzen. Oder die Käfighaltung: Die war früher allgemein akzeptiert, weil man hygienische Eier haben wollte.“

Ein verheerendes Menschenbild

Funke leugnet nicht, dass die bäuerliche Bevölkerung im Umgang mit Tieren robuster eingestellt ist als großstädtische Hunde- und Katzenhalter; aber er weiß auch, dass eine gewisse gesunde Härte und Selbstverständlichkeit vor Exzessen, zu Gunsten wie zu Lasten von Tieren, schützen. Was den Tierschutz betrifft, so scheint Funke jedenfalls ein reines Gewissen zu haben. Er greift sich aus der auf dem Tisch stehenden Porzellanschüssel Nachschub für seine Pfeife, was ein klirrendes Geräusch ergibt, und sagt nun ganz laut: „Damit will ich die bo!-den!-lo!-se! Kriminalität mancher Fleischerzeuger überhaupt nicht verharmlosen.“ Einst legte er, wofür er dann unter Personenschutz gestellt werden musste, dem Hühnerbaron Anton Pohlmann aus dem Südoldenburgischen wegen Tierquälerei das Handwerk, der seinen Geschäften seither anderswo nachgeht.

Und die Dioxin-Eier, was ist mit denen? Neulich, sagt Funke, habe der NDR berichtet, dass die sogenannten Tafeln für Bedürftige von dem Skandal profitierten, indem bei ihnen jetzt vermehrt Eier landen, die sich anderweitig nicht mehr verkaufen ließen. Und? Sind die gesund? „Gesund sind die Produkte alle“, sagt Funke und brüllt: „Ein Staat, der etwas anderes zuließe, von dem könnte man sich doch gleich verabschieden. Was für ein Menschenbild stünde denn dahinter?! Ein verheerendes, ein ver-hee-ren-des!“ Funke schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch.

Mittlerweile ist es halb drei. Vier Stunden sitzen wir jetzt in der guten Stube. Zeit, endlich zu den Salami- und Käsebrötchen zu greifen, die Funkes Frau zwischendurch auf den Tisch gestellt hat.

Wir wollen eine Hofbesichtigung machen. Funke zieht sich eine originelle grüne Jacke an, die er offen lässt. „Wenn Sie bei dem Wetter schon frieren, dann stimmt etwas nicht. Sie müssen mehr draußen sein!“ Pferde gucken aus ihren Stallfenstern heraus, weiter hinten ist die große Reithalle, in deren Richtung wir schlendern. Funke hat zur Zigarre gewechselt, die in der Kälte etwas Angenehmes verbreitet.

Der Bauer ist beruhigt, die Hühner sind nicht in Gefahr

Was ist eigentlich mit seinen derben Sprüchen, die ja offenbar sein Markenzeichen seien? „Oldenburger Butter - hilft dem Vater auf die Mutter“: Dieser Reim, der in mehreren Versionen im Umlauf war, hat nicht nur die damalige grüne Ministerkollegin Waltraud Schoppe aufgeregt. „Statt mir dankbar zu sein für solche Schlachfertigkeit!“ Es habe keinen Zweck, wenn man nur so allgemein daherrede: „Aus deutschen Landen frisch auf den Tisch“. Produkte müssten individuell verkauft werden, wie Automarken. „Meiner Meinung hat die Landwirtschaft ein ganz großes Marketingproblem.“

Wir erreichen den Hühnerstall. „Damit Sie mal sehen, wie schön hier alles ist.“ Funke deutet auf die Veranda, in der sich an die zwei Dutzend Hühner versammelt haben und in die kein Wasser dringt - die Türe sollen keine kalten Füße bekommen. Ist das nicht gut? „Das ist für niemanden gut.“ Ganz vorsichtig öffnet Funke die Tür: „Wir dürfen sie nicht erschrecken.“ Gerührt nimmt man diese Rücksichtnahme zur Kenntnis. „Bitte beachten: Die sind alle gut im Gefieder.“ Das stimmt. Als wir nähertreten, legen einige Hühner den Kopf skeptisch auf die Seite, dann verschwinden sie schnell auf die Veranda. Funke hält mir ein grünliches Ei hin. „Hier, mit wenig Cholesterin.“ Leider nur ein Scherz.

Draußen führen Pferdemädchen ihre Tiere am Halfter herum. Die Kühe stehen im Nebenhof, da bräuchte man jetzt Gummistiefel. Funke sieht aufs Feld: „Ist das'n Bussard?“ Es sieht so aus. „Für die Hühner ist das die Luftwaffe, und der Fuchs ist die Infanterie.“ Funke fasst den Raubvogel scharf ins Auge. „Wenn der da so auf einem Pfahl sitzt, ist er hinter Mäusen her. Das ist gut.“ Der Bauer ist beruhigt, seine Hühner sind nicht in Gefahr.

„Früher hätte ich die alle geschossen“

Zum Aufwärmen bittet Funke noch einmal ins Haus. Der Kaffee tut jetzt gut. Ob es stimme, frage ich, ein ganz anderes Thema anschneidend, dass die Partei ihn loswerden wolle. „Ja, das stimmt.“ Eine frisierte Spesenabrechnung, die undurchsichtige Teilfinanzierung seiner Silberhochzeitsfeier durch den Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband - solche Dinge. Vor einem Jahr legte Funke seine Ämter im Kreistag und im Stadtrat von Varel, wo er lange Bürgermeister war, nieder. Ein Parteiausschlussverfahren ist wohl noch nicht ganz vom Tisch. „Ich warte das ab.“

Im Bücherregal steht Historisches, dazu eine Werkausgabe von Thomas Mann. Siegfried Lenz schätzt Funke auch, obwohl es von dem leider auch wahnsinnig langweilige Sachen gebe. Und: „,Stopfkuchen' von Wilhelm Raabe, das ist einer der größten Romane, die je geschrieben wurden!“ Unter dem Wohnzimmer-Fenster macht sich ein Dutzend Tauben über Eicheln her. „Früher hätte ich die alle geschossen“, sagt Funke. „Die ergeben nämlich eine schmackhafte Suppe.“

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Jahrgang 1965, stellvertretender Leiter des Feuilleton.

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