02.09.2010 · An die sechs Millionen Chinesen spielen das Online-Spiel „World of Warcraft“. Kein leichtes Unterfangen, sondern ein dauerndes Versteckspiel mit dem Staat. Der hat nun unter anderem den Rollennamen „Freiheit“ verboten.
Von Mark Siemons, Peking„Freiheit“ ist als Rollenname für chinesische „World of Warcraft“-Spieler verboten worden. Nachdem die neue Version des Onlinespiels, „Wrath of the Lich King“, gut eineinhalb Jahre lang von den Zensurbehörden geprüft und am 31. August freigegeben worden war, entdeckten die Nutzer bei bestimmten Namensgebungen nun eine landesspezifische Anweisung: „Sie müssen Ihren Namen für den Charakter ändern“, heißt es, wenn man die chinesischen Zeichen für „frei“, aber auch für „Polizei“, „Leidenschaft“ oder „Versuchung“ eingibt.
Im chinesischen World of Warcraft-Forum „ngacn.cc“ entwickelte sich darauf eine lebendige Debatte. „Ich fühle mich sehr unterdrückt in einer solchen Gesellschaft mit Heiligenschein“, schrieb ein erboster Mitspieler, und ein anderer meint: „Richtig und falsch sind ausgetauscht. Man sieht etwas, aber man muss sagen, dass man es nicht sieht.“ Einer beschwert sich, sein Rollenname „Sexuell aktiver Mann“ sei „harmonisiert“ worden - eine in China übliche Anspielung auf die offizielle Parole der „harmonischen Gesellschaft“.
Ausprobieren, was geht
Viele Spieler behelfen sich nun damit, dass sie die Zeichen für „Freiheit“, „Zi You“, durch die ähnlich aussehenden Zeichen „Mu Tian“ (Auge, Feld) ersetzen. „Mu Tian“ ist auf diese Weise ein Codewort für das Versteckspiel mit dem Staat geworden. „Wenn wir die Freiheit verlieren, können wir nur noch Mu Tian sein“, schrieb ein Mitspieler resigniert. Ein Vertreter des chinesischen Betreibers NetEase bestritt gegenüber der Parteizeitung „Global Times“, dass es eine feststehende Liste verbotener Begriffe gebe; man solle einfach ausprobieren, was geht und was nicht geht.
Vergangenes Jahr war das Onlinespiel nach einem Betreiberwechsel in China zwei Monate lang nicht zugänglich. Anschließend war es zu einem Zuständigkeitsstreit zwischen dem Kulturministerium und dem für den Buchmarkt zuständigen Amt für Presse und Publikationen gekommen, das die Lizenz zunächst nicht erneuern wollte. In den chinesischen Medien wurden in den letzten Jahren immer wieder die möglicherweise schädlichen Wirkungen des Spiels auf internetsüchtige Jugendliche diskutiert. International erregten die zahlreichen chinesischen „Goldfarmer“ Aufmerksamkeit, die die Ökonomie des Spiels in Geschäfte mit realem Geld übersetzten. Schätzungen zufolge stammt die Hälfte der weltweit über 11,5 Millionen Spieler von „World of Warcraft“ aus China.