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Showgeschäft Wie werde ich Superstar?

19.12.2009 ·  Auf dem Weg zum Superstar helfen Bescheidenheit und Realitätsbewusstsein, auch eine gute Plattensammlung der Eltern kann nicht schaden. Am Ende setzt sich aber erstklassiges Talent immer durch, meint der Hip-Hop-Star Jan Delay.

Von Jan Delay
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Manchmal fühle ich mich wie ein Star. Bei Konzerten zum Beispiel, wenn ich in ganz Deutschland die Hallen vollmache und die Leute total abgehen bei meinen Songs, jubeln, schreien, das ist schon geil. Dabei habe ich eigentlich nie vom Starsein geträumt, jedenfalls nicht bewusst, vielleicht habe ich aber auch nicht gewagt, es mir auszumalen. Es lief eher auf einer Art „Nerd-Ebene“ ab. Man saß zu Hause vor der Stereoanlage, hörte eine gute Platte und sagte sich, das wäre jetzt cool, käme aus dem Lautsprecher meine eigene Musik. Jedenfalls dachte ich nicht in die Richtung, hey, ich bin der tolle Typ, hab ein tolles Auto, bin large und in den Charts.

1991, als ich mit der Musik anfing, gab es ein anderes Werteverständnis. Ging man zu der Zeit als Hip-Hopper an den Start, musste man sich entschuldigen, wenn man es in die Charts geschafft hatte. Heute ist es genau umgekehrt. Man muss sich für keinen Platz in den Charts rechtfertigen. Damals waren Major Labels der Feind und Geld sowieso, weil es die Kultur kaputtmachte und verwässerte. Deshalb achteten wir mit hundertprozentiger Aufmerksamkeit darauf, nichts aus Geldgründen zu tun. Es hieß immer: Ich will für Hip-Hop leben und nicht von Hip-Hop.

Im Treppenhaus der Karriere

Meine Leidenschaft zur Musik kommt von meinen Eltern, die einen geilen Musikgeschmack hatten und eine sehr, sehr gute Plattensammlung, viel Jazz und Soul, die erste Nina-Hagen-Platte, die Bob-Marley-Life-Platte und viel Zappa. Ich durfte von Anfang an an die Sammlung ran, ich bin mit ihr aufgewachsen. Das hat meine musikalische Entwicklung in Fahrt gebracht. Auf dem Weg zum Musiker muss man tief in sich reinhören, sich fragen, ob man die notwendige Leidenschaft hat und vor allem das Talent, und dann muss man machen, machen, machen. Hat man einen Song geschrieben, sollte man ihn erst einmal in den Schrank packen, darüber schlafen und ihn nach zwei Wochen wieder rausholen. Wahrscheinlich findet man ihn dann schlimm. Also wiederholt man das Ganze und irgendwann, nachdem man den Song vielleicht zum zehnten Mal rausgeholt hat und ihn endlich gut findet, erst dann zeigt man ihn jemandem.

Dort, wo ich heute stehe, stehe ich, weil ich jede Stufe Schritt für Schritt genommen habe. Ich bin auch mal ein, zwei Stufen zurückgegangen, das gehört zum Erfolg dazu. Bei Deutschland sucht den Superstar steigen die Sieger unten in den Fahrstuhl und werden, wupp, acht Stockwerke hoch geschossen. Dann kommen sie auf dem Dach raus, fallen aber schnell wieder runter und sind tot. Ich weiß mich in dem Treppenhaus zu bewegen, ich kenne die Tücken. Das allerwichtigste ist Ehrgeiz, sich richtig ins Zeug zu legen. Klar, das Talent steht über allem, Bescheidenheit und Realitätsbewusstsein tun auch sehr gut. Glück bestimmt meiner Meinung nach nur, wie schnell es nach oben geht. Auf lange Sicht setzt sich das Gute immer durch.

Jan Delay lebt in Hamburg. Zuletzt erschien von ihm „Wir Kinder Vom Bahnhof Soul“.

2010 geht er mit seinem aktuellen Album auf Deutschland-Tour.

Quelle: F.A.Z.
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