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Klima - Menschen - Roboter Wie sieht meine Zukunft aus?

 ·  Wie gefährlich ist die Klimaentwicklung im Vergleich zu Finanzkrise und Schweinegrippe? Wie wird sich die Gesellschaft künftig entwickeln - und wird unsere Arbeit bald nur noch von Robotern erledigt? Drei Schüler blicken mit Wissenschaftlern in die Zukunft.

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Wie gefährlich ist die Klimaentwicklung im Vergleich zu Finanzkrise und Schweinegrippe? Wie wird sich die Gesellschaft künftig entwickeln - und wird unsere Arbeit bald nur noch von Robotern erledigt? Drei Schüler blicken mit Wissenschaftlern in die Zukunft.

I. Klima
Von Luca Breveglieri

Als wir aus dem Klimaforschungsinstitut wieder raus waren, waren wir ziemlich bedrückt und haben auf dem Weg zur S-Bahn minutenlang geschwiegen. Das war schon hart, was Anders Levermann erzählt hat.

Das Institut ist ein sehr großer Komplex aus Büros, in denen Weltkarten an der Wand hängen. Von überall auf der Erde laufen Daten aus den Mess-Stationen ein, die dann in die Computer eingegeben werden, damit die Wissenschaftler ihre Klimamodelle rechnen können. Naturgesetze verändern sich nicht, sagt Anders Levermann, die gelten immer. Er ist Physiker, er hat sich auf Tsunamis und die Antarktis spezialisiert und berät auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie es mit dem Klimawandel läuft.

Dafür, wie die Welt im Jahr 2050 aussieht, hat er uns drei Szenarien gegeben. Das beste nannte er Paradies. Da würde sich die Erde überhaupt nicht erwärmen. Das passiert aber nicht, weil wir den Klimawandel gar nicht mehr aufhalten können, nur noch eindämmen. Das übelste Szenario nannte er Horror. Das würde eintreten, wenn wir überhaupt nichts unternehmen. Dann würde sich die Erde durchschnittlich um vier Grad erwärmen. Weil die Menschen aber hoffentlich dazulernen werden, ist wahrscheinlicher, dass sie sich bloß um zwei Grad erwärmt. Das wäre ein Halbparadies, sagte Anders Levermann, und zwei Grad klingt ja zuerst einmal auch nicht viel.

In der Zwei-Grad-Welt ist es aber bereits so, dass zum Beispiel der Nordpol nur noch den Winter über zufriert, im Sommer wird er aussehen wie ein ganz normales Stück Meer. Dass da früher einmal Eisberge waren, werden meine Kinder nicht glauben können. Der Meeresspiegel wird zwischen dreißig und siebzig Zentimeter ansteigen, was gar nicht so sehr durch das Eis vom Nordpol verursacht wird, das schwamm bisher schon im Meer und braucht geschmolzen auch nicht mehr Platz als gefroren. Der Anstieg kommt eher vom Eis der Antarktis, das ja auf einer Landmasse steht und von Gletschern, die es dann nicht mehr gibt. In den Alpen wird gar kein Schnee mehr liegen, außer künstlicher.

Verschiedene Inseln werden überflutet sein und Teile von Ländern, die flach sind und am Meer liegen. Es wird dann neun Milliarden Menschen auf der Erde geben, aber weniger Platz als heute, und da ist noch nicht eingerechnet, dass sich das Wasser ja ausdehnt, wenn es sich erwärmt. Das kann einen Anstieg des Meeresspiegels bringen, um mehrere Meter womöglich. Das würde hundert Millionen Menschen zu Flüchtlingen machen. Da ist die Finanzkrise oder die Schweinegrippe nichts dagegen. Anders Levermann hat gesagt, dass er gar nicht weiß, wie das alles werden soll. Das hat er übrigens oft gesagt, dass er das nicht weiß.

Viele Flüchtlinge werden versuchen, irgendwie nach Europa zu gelangen, das vom Klimawandel ja gar nicht so sehr betroffen sein wird, weil es geographisch günstig liegt, genauso wie beispielsweise Amerika. Die Regionen, die am stärksten für den Klimawandel verantwortlich sind, werden am wenigsten davon abbekommen. Das ist wie mit den Leuten, die ihn verursacht haben. Die leben im Jahr 2050 vermutlich nicht mehr, ich vermutlich schon. Darum müssten auf dem Klimagipfel jetzt in Kopenhagen eigentlich nicht nur die Länder miteinander verhandeln, sondern die Generationen. Was der Mauerfall für die Älteren war, wird für uns vielleicht der Klimawandel sein.

Als ich in Australien war, wo ich bald auch eine Zeitlang zur Schule gehen will, habe ich sehen können, wie das wird. Da waren es am heißesten Tag 47,6 Grad. Ich war surfen. Als ich aus dem Wasser kam, habe ich sofort geschwitzt, und ich hatte noch nicht das Handtuch in der Hand, da war ich schon trocken.

Luca Breveglieri ist 16 Jahre alt, geht auf das John-Lennon-Gymnasium in Berlin und traf Anders Levermann im Potsdam-Institut für Klimafolgengforschung.

* * *

II. Menschen
Von Llewellyn Reichman

In zwanzig Jahren bin ich 36 Jahre alt und gehöre zu einer Minderheit: der Minderheit der jungen Leute. Dann kommen auf hundert Menschen im erwerbsfähigen Alter 53 im Rentenalter. Heute sind es nur 34. Das hat mir Rainer Klingholz vom Berlin-Institut erklärt.

Wir Jungen werden dann alle Alten ernähren müssen. Immer mehr Menschen werden in Städten leben, und dass es mit dem ewigen Wachstum vorbei sein wird, merkt man jetzt schon an der Finanzkrise. Meine Generation wird es schwerer haben, reich zu werden. Irgendwie wird alles weniger: das Geld, die Ressourcen, die Jungen. Nur die Älteren werden mehr.

Wenn wir in zwanzig Jahren immer noch in einer Demokratie leben, haben die Älteren im Vergleich zu den Jüngeren viel mehr Stimmen. Das ist keine besonders gute Aussicht. Denn die Älteren sind im System eingesessen, haben sich an vieles gewöhnt und damit abgefunden. Das müssen wir verhindern. Es sind doch meist die Jungen, die neue Ideen haben und Systeme umstürzen. Die Achtundsechziger waren Studenten, und in Iran waren es auch die Jüngeren, die mit der Revolution angefangen haben. Vielleicht muss man eine Quote für Jüngere einführen, damit nicht nur Ältere in der Politik und in den Ämtern herumhängen, so wie es heute Frauen- oder Behindertenquoten gibt. Das wäre fairer für die Älteren als eine Revolution.

Aber wahrscheinlich hat meine Generation leider sowieso wenig Zeit für Revolutionen, weil wir so viel arbeiten müssen, damit wir alle miternähren können. Bei einem meiner Theaterworkshops haben wir ein Stück über Geld aufgeführt und Gäste eingeladen, die mit uns über Finanzen gesprochen haben. Da war auch einer von der Initiative „Vermögende für eine Vermögensabgabe“ dabei, das sind Leute, die freiwillig mehr Steuern zahlen wollen, weil sie so viel Geld haben. Für meine Generation ist so was undenkbar. Die Älteren sind ja nun einmal da, die haben ja auch das Recht, alt zu werden. Aber vielleicht können sie uns etwas abgeben von ihrem Geld. Es geht nicht, dass die auf ihren Millionen hocken und sich Häuser kaufen, und wir Jungen müssen Treppen scheuern.

Ich weiß aber nicht, ob ich mich trauen würde, zum Beispiel meine Oma zu fragen, ob sie mir mehr Geld gibt. Die unterstützt mich jetzt schon, ich bekomme jeden Monat fünfzig Euro Taschengeld von ihr. Meine Oma ist 84, sie wohnt in einem kleinen Ort bei Köln, da ist ein Pflegeheim neben dem anderen, und die wenigen Jungen, die dort leben, sind alle Krankenpfleger. Ich erschrecke jedes Mal, wenn ich da hinkomme. Es gibt Cafés, die aussehen wie vor 50 Jahren, mit kleinen Deckchen auf den Tischen, und es gibt kleine Schmuckläden mit Uhren in der Auslage. Wenn ich mir vorstelle, dass die ganze Welt bald so aussieht - das wäre furchtbar, ganz schrecklich.

Ich bin in Kreuzberg aufgewachsen, und wenn man hier durch die Straßen läuft, dann sieht man: Ey, das ist Kreuzberg, das ist alternativ. Der Bezirk lebt von den Jungen, genauso wie Mitte oder Neukölln. Wahrscheinlich wird sich in Zukunft das Stadtbild ändern, und es werden überall rollstuhlgeeignete Eingänge gebaut. Jetzt haben es Rollstuhlfahrer total schwer, weil es so wenige Rampen und Fahrstühle gibt. Wenn die Zahl der Alten größer wird, müssen wir wahrscheinlich Steuern dafür zahlen, dass alles altersgerecht umgebaut wird.

In Zukunft werden wir alle mehr Altenpflege machen, das geht gar nicht anders. Ich finde das nicht schlimm, es ist wichtig, dass wir uns gegenseitig helfen, und es heißt auch, dass meine Generation leichter Arbeitsplätze findet. Aber dann müssen diese Jobs genauso gut honoriert werden wie jetzt zum Beispiel die Managerjobs oder die von Bankern.

Llewellyn Reichman ist 16 Jahre, geht auf die Freie Waldorfschule in Berlin-Kreuzberg und traf Reiner Klingholz im Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.

* * *

III. Roboter
Von Lukas Hof

Ich hatte eigentlich nicht erwartet, dass die Roboter schon so weit entwickelt sind, dass ich in zwanzig Jahren damit rechnen muss, an meinem Arbeitsplatz oder an der Straßenbahnhaltestelle plötzlich auf so ein Ding zu treffen. Dass Roboter Aufgaben im Alltagsleben übernehmen, kennen wir ja bislang nur aus Filmen, und wenn man sich das Gelände des Fraunhofer-Instituts für Automatisierung in Stuttgart ansieht, ist da zunächst einmal auch nichts Aufregendes zu entdecken. Es ist vielleicht etwas besser bewacht als andere Firmengelände, aber ansonsten sieht es ganz normal aus: ein Pförtner, eine Kantine, Büroräume. Die Halle mit den Robotern sehen wir erst später.

Matthias Palzkill ist für einen Diplom-Ingenieur, der für Industrieunternehmen Roboter entwickelt, ziemlich jung, bestimmt weit unter dreißig. Die Firmen sagen, was sie brauchen, und Palzkill und seine Kollegen versuchen dann, so etwas zu entwickeln. Das wird dann verkauft, und so finanziert sich das Fraunhofer-Institut.

Zur Zeit arbeitet Palzkill am „Griff in die Kiste“. Das heißt, dass er einem Roboter beibringen will, wie er Dinge aus einer Kiste herausholt, die da kreuz und quer drin rumliegen. Palzkill nennt das „chaotisch gelagerte Gegenstände“. Der Roboter soll schwere Eisenteile, Getriebewellen von Lastwagen, aus einer Kiste greifen und in ein Gestell einsortieren. Klingt ziemlich einfach, aber für die Maschine ist das offenbar ein Problem. Mir ist ja nicht ganz klar, wie der Service-Roboter, den uns er gleich zeigen will, sich in meiner Wohnung zurechtfinden soll, wenn sein Kollege hier schon mit so simplen Aufgaben zu kämpfen hat. Jedes Getriebeteil wiegt acht Kilo, und es sieht irgendwie schon unheimlich aus, wie das Ding sich eins nach dem anderen greift. Eigentlich ist dieser Roboter nur ein einziger großer Greifarm, der aussieht, als ließe er sich durch nichts aufhalten. Wahrscheinlich macht der noch weiter, wenn man den Stecker schon rausgezogen hat.

Der Service-Roboter, den Palzkill uns als nächstes zeigt, hat schon eher menschliche Züge. Das liegt vor allem an den Kameraaugen. Palzkill, der selbst nur an Industrie-Robotern arbeitet, hält offenbar nicht sehr viel davon, Robotern ein menschenähnliches Aussehen zu geben. Er sagt, dass wir dann auch menschliche Erwartungen an die Maschine stellen und sie damit überfordern würden. In Japan würde mehr an humanoiden Roboter geforscht als bei uns. Klar, da spielen sie ja auch mit elektronischen Haustieren.

Palzkill weiß zwar nicht, wie der kleine rundliche Roboter aus „Star Wars“ heißt, R2D2 natürlich, glaubt aber, dass er und seine Kollegen etwas ähnliches schon in fünf oder zehn Jahren bauen können. Die Entwicklung von Service-Robotern, die mir in meiner Wohnung ein Getränk bringen oder all die Sachen erledigen, die mir keinen Spaß machen, Aufräumen zum Beispiel, ist offenbar ziemlich weit fortgeschritten. Dabei weiß ich gar nicht, ob ich so ein Ding überhaupt haben möchte. Als ich Palzkill frage, ob ich denn, wenn die Entwicklung so weitergeht, in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren überhaupt noch gebraucht werde, habe ich das Gefühl, dass er sofort versteht, was ich meine.

Es heißt ja jetzt schon immer, dass es zu wenig Arbeit gibt. Wenn man in zehn Jahren einen Beruf wählt, der dann später von Robotern übernommen wird, steht man ziemlich blöd da. Palzkill sagt, dass Roboter ja vor allem Arbeiten erledigen, die Menschen nicht können oder nicht machen wollen. Stimmt zwar, aber ob das auch in Zukunft so bleibt, kann er eigentlich auch nicht wissen.

Lukas Hof ist vierzehn Jahre alt, geht auf das Mörike-Gymnasium in Stuttgart und traf Matthias Palzkill im Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung.

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