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007 lebt : Jeder kauft alleine

James Bond stirbt nie – also sterben auch die Requisiten der Filme nicht aus. Für gute Zwecke werden nun online und in einer exklusiven Abendveranstaltung fünfzig Memorabilia versteigert.

          Für alle die, denen der Ernst der weltweiten fiktiven Agenten-Lage noch nicht bekannt ist: Am 5. Oktober ist Global James Bond Day, will heißen, vor dann genau fünfzig Jahren fand die Weltpremiere des ersten Bond-Films statt, der den schlichten Titel „Dr. No“ trug, nach einer Geschichte von Ian Fleming. Und im Oktober dieses Jahrs nun wird auch der 23. Film der offenbar niemals endenden Saga in die Kinos kommen, unter dem Titel „Skyfall“. Im Lauf eines halben Jahrhunderts haben sich sechs Darsteller des Agenten 007 im Dienst Ihrer Majestät die Klinke von Miss Moneypennys Büro in die Hände gegeben, und kein Ende ist in Sicht.

          Rose-Maria Gropp

          Redakteurin im Feuilleton, verantwortlich für den „Kunstmarkt“.

          Was Wunder, dass da auch das Auktionsgeschäft mitmischt - und wahrlich nicht zum ersten Mal. Man blicke bloß zurück ins Jahr 1995: Da wurde bei Christie’s in London die vergoldete Schreibmaschine, auf der Ian Fleming die endgültige Fassung seiner ersten James-Bond-Geschichte überhaupt tippte - nämlich „Casino Royale“ (ja erst als Film Nummer 21 im Jahr 2006 mit Daniel Craig gedreht) -, für sagenhafte 50.000 Pfund (damals 110.000 Mark) versteigert; die Schätzung hatte bei diskreten 5000 bis 8000 Pfund gelegen. Englische Zeitungen spekulierten damals, dass sich Pierce Brosnan, der gerade mit „Goldeneye“ zum Bond Nummer fünf gekürt worden war, das 1952 von Fleming bei der Royal Typewriter Company in New York in Auftrag gegebene Stück zur ewigen Erinnerung gesichert habe; das Gerücht wurde nie bestätigt.

          Das urbritische Haus Christie’s, wenngleich längst in französischem Eigentum, scheint überhaupt eine Art Abonnement auf Bond zu haben. Denn nun tritt man dort wieder an, um der Königin virile Doppelnull-Allzweckwaffe mit Tötungserlaubnis zu würdigen. Aber das geschieht diesmal zum guten Zweck: Sämtliche fünfzig Memorabilia, vor allem aus den Beständen der Produktionsfirma EON, die jetzt versteigert werden, kommen zwölf wohltätigen Vereinigungen zugute, das belegt eine genaue Aufstellung. Vierzig Stücke davon werden vom 28. September an bis zum 8. Oktober in einer Online-Auktion zur Verfügung stehen - James Bond geht unter seine Gemeinde, gewissermaßen.

          Das ist eine hübsche Idee, und deshalb darf man auch mit Spaß auf die Lose gucken, die unterwegs sind. Es ist überwiegend ziemlicher Firlefanz, mit Schätzwerten von 800Pfund an - so braucht man ungefähr so notwendig wie ein Loch im Kopf durch den Schuss aus seinem Colt den Gürtel mit zwei Patronen aus 23-karätigem Gold, den Christopher Lee als Bösewicht Scaramanga in „The Man with the Golden Gun“ von 1974 trug (Taxe 1000/1200 Pfund). Womöglich noch sinnfreier, aber dafür vom großen und einzigen Sean Connery mit Schweiß benetzt, sind die vier anschnallbaren Saugnäpfe, mit denen James Bond in „You Only Live Twice“ 1967 in der Steilwand von Blofelds Krater krabbelte (1500/2000).

          Deutlich kostspieligeres Engagement wird von der Londoner Abendauktion - nur für geladene Gäste - am 5. Oktober bei Christie’s in South Kensington erwartet; dort gibt’s zehn wahre Leckerbissen: Zu ihnen zählt das bezaubernde himmelblaue Badehöschen, in dem Daniel Craig bei seinem Erstauftritt als Bond in „Casino Royal“ dem Meer entstieg - als Hommage an Ursula Andress im ersten Bond-Film „Dr. No“, wie der Katalog weise erläuternd anmerkt.

          Das ist nun echt britischer Humor, was dann auch die Taxe von 3000 bis 5000 Pfund für das Kleinteil der Marke „La Perla“ beweist - und die Hilfsorganisation „Women for Women International“ als Nutznießerin des hoffentlich noch wesentlich höheren Erlöses: am besten im Bereich von jenen 35.000 Pfund, für die schon 2001 der umwerfend schaumgeborenen Ursula Andress’ weißer Bikini (in zartes Blau war in der legendären Szene Sean Connery gekleidet) versteigert wurde. Käufer in der Auktion mit dem charmanten Titel „Live and Let Buy“ war damals die Restaurantkette „Planet Hollywood“.

          Es geht aber noch deutlich teurer: Ein (von sieben) in „Casino Royal“ von Bond gesteuerter Aston Martin DBS firmiert mit 100.000 bis 150.000 Pfund - müßig da zu überlegen, ob man so ein Auto nicht besser fabrikneu erwirbt, im Bereich von 200.000 Pfund. Und freilich hat dieser Beinah-Neuwagen nicht annähernd das Charisma jenes DB5 aus den Sechzigern, den Sean Connery in „Goldfinger“ und in „Thunderball“ fuhr und der einem Autonarren aus Ohio vor zwei Jahren bei einer Londoner Versteigerung des kanadischen Auktionshauses R+M sagenhafte 2,91 Millionen Pfund wert war, selbstredend inklusive entsprechender Spezialausrüstung. Dagegen schlappe 140.000 Pfund kostete, wieder 2001, jener DB5 von 1965, den Pierce Brosnan aber erst 1995 in „Goldeneye“ benutzte - man erkennt die feinen Unterschiede.

          Endlich gibt es vorauseilend - nämlich aus dem Bond-Film „Skyfall“, der am 26.Oktober seine Weltpremiere haben wird - eine Omega „Seamaster“; sie kann aber nichts außer der Zeit und ist im Katalog mit 6000 bis 8000Pfund verzeichnet. Auch dazu ein, zugegeben nicht ganz fairer, Vergleich: Die Rolex „Submariner“, die am Handgelenk von Roger Moore, präpariert von „Q“, 1973 in „Live and Let Die“ auch Fesseln durchschneiden und mit ihrem eingebauten Magnet Reißverschlüsse an weiblicher Bekleidung öffnen konnte, wurde vor knapp einem Jahr bei Christie’s in Genf für 21.9000 Franken versteigert; vor elf Jahren hatte die Kampfuhr übrigens noch gerade 22.000 Pfund gekostet. James Bond wäre eben doch besser bei seiner Rolex geblieben.

          Quelle: F.A.S.

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