26.06.2004 · Was jenseits des Atlantiks gezeigt wird, sehen auch bald die Deutschen.
Von Annette LeyssnerDie Angst vor dem Versagen gehört zum Quiz dazu. Wissenslücken offenbaren sich gnadenlos vor Tausenden von Zuschauern. Und die leiden mit, wenn der Kandidat sich windet.
Solche seelische Qualen allein sind langweilig, entschieden amerikanische Fernsehmacher vor einigen Jahren. In zwei Quizsendungen peppten sie das bewährte Konzept von Frage und Antwort auf. Banale Fragen wurden mit sadistischen Effekten verbunden. Zum Beispiel extreme Temperaturen, simulierte Erdbeben und überraschend von der Decke gelassene Alligatoren. Bei "The Chamber" ("Die Kammer") oder "The Chair" (wobei eher der elektrische als der haushaltsübliche Stuhl gemeint ist) muß der festgeschnallte Teilnehmer nicht nur seine Nerven, sondern auch seinen Puls unter Kontrolle haben. Und die richtige Antwort geben, selbst wenn sich der Stuhl kopfüber dreht und die Temperaturen auf minus 15 Grad sinken.
Der Herzschlag des verkabelten Rateopfers erscheint während des Ratespiels auf dem Bildschirm. Nur wenn der Kandidat seinen Streßquotienten unter Kontrolle hat, gibt es den Preis. Wird ein Grenzwert überschritten, verliert er alles. Das eröffnet das neue Feld von Fernseh-Doping: Aber Achtung, blutdrucksenkende Medikamente sind verboten, Kandidaten werden getestet.
Die Quizshow als Superlativ
Was auf Bildschirmen jenseits des Atlantiks gezeigt wird, spiegelte sich bisher meistens mit Zeitverzögerung auf deutschen Mattscheiben wider. Diesmal gibt es jedoch Hoffnung, daß Kandidaten in Deutschland weiter nur blamable Wissenslücken fürchten müssen und nicht um ihre Gesundheit. Denn die Quäl-Shows kamen beim amerikanischen Publikum nicht gut an und wurden abgesetzt. Da half auch der Starmoderator John McEnroe nichts, der als Tennisprofi für seine Wutausbrüche berüchtigt war. Das Ekelpotential haben Reality-Shows mit Büffelhoden-Wettessen und einem Kakerlakenbad ohnehin schon ausgereizt. Und der Zuschauer ahnt: Sowenig es bei Big Brother wirklich mal eine Sexszene gibt, so unwahrscheinlich ist es, daß die Medienaufsicht zuläßt, daß sich tatsächlich ein Kandidat live zu Tode rät.
Statt auf Leid setzen die Amerikaner nun wieder auf einen weiteren bewährten Schlüsselreiz. "Who wants to be a super millionaire?" werden die Kandidaten nun gefragt, das Preisgeld geht bis zu 10 Millionen Dollar. Da besteht lediglich die Gefahr, daß sich potentielle Reiche bei der Vorausscheidung die Finger verknoten, wenn sie per Mausklick triviale Fragen beantworten sollen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.384,63 | −1,66% |
| Dow Jones | 12.419,00 | −0,67% |
| EUR/USD | 1,2643 | −0,32% |
| Rohöl Brent Crude | 106,93 $ | −1,22% |
| Gold | 1.582,50 $ | 0,00% |