Sie haben sich nichts geschenkt, Nicolas Sarkozy und Francois Hollande, bei ihrem ersten und einzigen Fernsehduell vor der Stichwahl am Sonntag. „Grob“, „spannungsgeladen“, „gnadenlos“ und „rüde“ waren die Vokabeln, mit der die Presse am Donnerstag das Wortgefecht der beiden Endfünfziger beschrieben, die wie ziemlich beste Feinde verbal übereinander herfielen. Niemand wird Hollande, dem Sozialisten und Umfragefavoriten, nach diesem Schlagabtausch noch übermäßige Jovialität, gar Bonhomie unterstellen wollen.
Im Ton war er genauso giftig wie Nicolas Sarkozy, der verbissen um seinen Platz im Elysée-Palast kämpft. Am Studiotisch saß neben den beiden Kontrahenten, die über die Zukunft Frankreichs stritten, noch ein heimlicher Gast: Deutschland. „Sie haben gegenüber Deutschland nicht standgehalten!“, hielt Hollande Sarkozy vor, den er im perfiden Wortspiel den „ausgehenden Präsidenten“ („le Président sortant“) nennt
„Nichts bekommen?“
„Sie haben nichts bekommen!“, sagte Hollande und meinte „von Deutschland“. Er, versprach der Sozialist, werde es besser machen. Dann führte er aus, was er sich „von Deutschland“ erwartet: Eurobonds und eine Europäische Zentralbank, deren Kredite nicht nur an Banken, sondern direkt an die europäischen Staaten fließen sowie „einen echten Konjunkturplan“.
Der europäische Fiskalpakt müsse neu verhandelt und zu einem Wachstumspakt werden. Hollande offenbarte, dass seine Wachstumsinitiativen allesamt auf Kredit finanziert werden sollen, nicht aber auf Strukturreformen beruhen, die den Bürgern einiges abverlangen. „Finden Sie wirklich, dass wir in Europa nicht schon genug Schulden haben?“, fragte Sarkozy. „Wer wird denn für Eurobonds bürgen, wenn nicht die beiden großen Mitgliedsstaaten Frankreich und Deutschland?“, so der Präsident. „Ich halte es für unverantwortlich, noch mehr Schulden zu machen“, sagte Sarkozy.
Auch den Vorwurf, die Zusammenarbeit mit Bundeskanzlerin Merkel habe nicht gefruchtet, ließ der Präsident nicht auf sich sitzen. „Sie wagen es, mir vorzuwerfen, ich hätte nichts von Deutschland bekommen?“, konterte Sarkozy. „Und was ist mit der europäischen Wirtschaftsregierung?“, fragte der Präsident. „Was ist mit der Europäischen Zentralbank?“, fragte er und erwähnte die in Anwesenheit des italienischen Ministerpräsidenten Monti in Straßburg getroffene Vereinbarung, die EZB als Krisenhelfer einzusetzen.
Hollandes Äußerungen seien falsch und zeugten „von einer großen Inkompetenz“. „Es reicht nicht, im feinen Anzug bei einem Europäischen Gipfel zu erscheinen!“, sagte Sarkozy. Auf Deutschlands bessere Bilanz nach den Krisenjahren verwies Hollande, um Sarkozy schlechte Ergebnisse im Außenhandel, bei Beschäftigung und Staatsverschuldung vorzuhalten. „Unsere Arbeitslosigkeit ist gestiegen, unsere Wettbewerbsfähigkeit ist gesunken und Deutschland hat es besser gemacht als wir“, sagte Hollande. Der Präsident ließ sich nicht lange piesacken und fragte zurück, ob Hollande denn jetzt auch dem deutschen Modell folgen und sich an den erfolgreichen Reformen inspirieren wolle. „Antworten Sie mir!“, verlangte Sarkozy. „Deutschland hat das Gegenteil von der Politik gemacht, die Sie den Franzosen vorschlagen“, sagte Sarkozy.
Es war einer der wenigen Momente in der Debatte, in denen Hollande freiwillig das Thema wechselte. Von einer Schuldenbremse in Frankreich, wie sie in Deutschland von der SPD mitgetragen wurde, will der Sozialist weiterhin nichts wissen. Sarkozy hingegen will alles daran setzen, dass sich Frankreich eine goldene Regel für nachhaltiges Haushalten in die Verfassung schreibt. „Notfalls wird es darüber ein Referendum geben“, versprach Sarkozy.
„Eine neue Geisteshaltung in Berlin“?
Es war das erste Mal, dass er eine Volksbefragung zur Schuldenbremse vorschlug, um den Widerstand der von der Linken beherrschten zweiten Parlamentskammer, des Senats, zu brechen. Hollande aber sprach lieber darüber, dass Europa in eine neue Krise abzugleiten drohe, aufgrund der allgemeinen Sparbemühungen. „Ich werde Deutschland in Bewegung setzen“, versprach der Sozialist. Er sagte, er habe schon „eine neue Geisteshaltung“ in Berlin ausgemacht. Ganz Europa warte auf den Anstoß zu einem Wandel aus Paris.
In der Atomenergiepolitik gelang es Sarkozy nicht, Hollande als unverantwortlichen „Aussteiger“ zu porträtieren, der die französische Nuklearindustrie einem Wahlpakt mit den Grünen opfere. Hollande distanzierte sich deutlich von dem von Martine Aubry ausgehandelten Wahlbündnis mit der Partei „Europa Ökologie Die Grünen“ und sagte, er habe nicht alles davon in sein Programm aufgenommen.
Der Sozialist bestätigte, dass er das Kernkraftwerk Fessenheim während seines Mandates schließen wolle, weil es überaltet sei und aufgrund seiner seismologischen Lage kostspielige Arbeiten zur Verbesserung der Sicherheit verlange. Zugleich betonte Hollande, dass er weiterhin auf die Atomenergie setze und deshalb den Bau des EPR-Reaktors der sogenannten dritten Generation in Flamanville zu Ende führen wolle. „Sie haben die Arbeiter von Fessenheim für einen verachtenswerten Pakt mit den Grünen verkauft“, wetterte Sarkozy.
„Moi, Président de la République“
Zu fortgeschrittener Stunde, die Debatte währte fast drei Stunden, zählte Hollande dann auf, was er als Präsident der Republik („Moi, Président de la République“) alles machen werde. Fast fünf Minuten leierte unter ständiger Wiederholung des „Moi, Président“ hehre Vorsätze herunter: mehr Gerechtigkeit, mehr Respekt, mehr Wachstum, mehr Einigkeit, mehr Lehrer.
Hollande trat dabei wesentlich aggressiver auf als während der Fernsehdebatten im sozialistischen Vorwahlkampf, immer wieder fiel er Sarkozy ins Wort und stellte ihn zur Rede: „Antworten Sie!“. Streckenweise beschimpften sich die Rivalen um das höchste Staatsamt vor den knapp 20 Millionen Fernsehzuschauern. „Sie suchen permanent Sündenböcke! Nie ist irgendetwas Ihre Schuld!“, hielt Hollande Sarkozy vor. Letzterer bezichtigte Hollande der Lüge, nannte ihn einen „kleinen Verleumder“. „Glauben Sie wirklich, dass Sie mir alles sagen dürfen?“, konterte Hollande.
„Moi, Président de la République“ werde ein vorbildliches Verhalten haben, versprach der Sozialist. „Ihre Normalität ist nicht auf der Höhe der Herausforderungen“, erwiderte Sarkozy.
Das erbitterte Fernsehduell der französischen Präsidentschafts-Kandidaten Nicolas Sarkozy und François Hollande haben insgesamt 17,8 Millionen Franzosen verfolgt. Der unter Berufung auf das Institut Médiamétrie vom TV-Nachrichtensender BFM verbreitete Wert liegt unter der Zuschauerzahl der TV-Debatte vor fünf Jahren.
2007 hatten 20,4 Zuschauer verfolgt, wie die damaligen Kandidaten Sarkozy und seine sozialistische Herausforderin Ségolène Royal verbal die Klingen kreuzten.
Hollande ist nicht gegen Deutschland, aber er ist Sozialist
Rudolf Zeiler (R.Zeiler)
- 04.05.2012, 11:14 Uhr
Gegen Deutschland standhalten
Wolfgang Richter (langweiler2)
- 03.05.2012, 22:51 Uhr
Kleingeister
Roland Wittig (rwittig)
- 03.05.2012, 21:52 Uhr
Ich hoffe er schafft es
Gustav Linke (Rentner69)
- 03.05.2012, 20:02 Uhr
Beide Kandidaten preisen Deutschtland als Vorbild, unkt Michaela Wiegel
heute morgen.
Emanuel Schwabe (fray048x)
- 03.05.2012, 19:59 Uhr
