14.09.2005 · 45,4 Millionen Autos sind in Deutschland zugelassen, davon gerade 2096 Autos mit Doppelherz: Hybrid-Fahrzeuge mit Kraftstoff- und Elektromotor. Doch zwingt der Erfolg der japanischen Konzerne längst auch deutsche Hersteller, die Technik anzubieten. Nicht jeder teilt die Begeisterung: FAZ.NET-Spezial.
Auf den Begriff „Hybrid“ reagieren viele Autokäufer mit Schulterzucken. Die Autos mit der Kombination aus Benzin- und Elektromotor sind in Deutschland fast unbekannt.
Anders als in den Vereinigten Staaten sind hier laut Kraftfahrtbundesamt gerade einmal 2096 Hybrid-Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs - von insgesamt 45,4 Millionen Autos. Das ist ein minimaler Anteil von weniger als 0,1 Prozent. Doch das könnte sich ändern: Auch die deutschen Autobauer treten zur Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt dem Rennen der Autos mit Doppelherz bei.
„Ein neuer Trend“
„Kein Hersteller kommt um das Thema herum“, sagt der Autoexperte der Deutschen Bank, Eric Heymann. „Es ist ein neuer Trend, der von den hohen Benzinpreisen und der Hysterie um Diesel-Rußpartikel getrieben wird.“
Studien rechnen dem Hybrid-Motor einen Marktanteil von bis zu zwei Prozent in einigen Jahren aus. Die Unternehmensberatung Pricewaterhouse-Coopers geht im Jahr 2010 von weltweit rund einer Million verkauften Hybridfahrzeugen aus.
Toyota und Honda waren schneller
Der Erfolg der japanischen Konzerne zwingt die deutschen Hersteller zu einem radikalen Kurswechsel. Jahrelang wurde der Sparmotor verschmäht - die Hersteller setzten auf sparsame Diesel-Autos.
Auf diese Weise senkten sie den Spritverbrauch der Neufahrzeuge seit Beginn der 90er Jahre um zwei auf 6,8 Liter. Doch besonders in den Vereinigten Staaten fand der Hybrid-Motor immer mehr Käufer. Die deutschen Marken hatten das Nachsehen hinter dem Pionier Toyota und Honda.
Die Deutschen zeigen vorwiegend Prototypen
Jetzt rollt die Hybrid-Welle und erfaßt alle deutschen Marken. Daimler-Chrysler präsentierte auf der IAA zwei Konzeptfahrzeuge der S-Klasse mit Hybrid-Antrieb, einen Diesel und einen Benziner. Audi will den neuen sportlichen Geländewagen Q7 von 2008 an in Serie als Hybrid fertigen.
Selbst der Sportwagen Cayenne von Porsche soll bis Ende des Jahrzehnts mit dem Doppel-Motor ausgerüstet sein. Honda und Toyota bieten solche Fahrzeuge schon seit Jahren an, während die Deutschen auf der IAA vorwiegend Prototypen zeigen.
In der allgemeinen Begeisterung werden die Hybrid-Vorteile schnell überschätzt. Der Hybrid spielt seine Vorteile vor allem im Stadtverkehr aus und spart dort rund ein Drittel Kraftstoff - auf der Autobahn dagegen ist der Verbrauch höher als in der Stadt. Beim Hybrid wird die Bremsenergie zurück in die Batterie gespeist, um sie dann während der Fahrt wieder in elektrische Antriebskraft umzusetzen.
Entwicklungskosten doppelt so hoch
Nach gängiger Schätzung braucht der Hybrid rund 20 Prozent weniger Kraftstoff als ein Benziner, ähnlich viel wie beim Diesel. „Die Entwicklungskosten für zwei Motoren sind dagegen doppelt so hoch“, sagt Peugeot-Deutschland-Chef Olivier Veyrier. „Der Diesel ist mittelfristig die beste Lösung.“ Doch der Käufer spürt den Unterschied: Während ein Diesel rund 3.000 Euro teurer sei als ein Benziner, betrage der Preisunterschied zum Hybrid rund 5.000 Euro.
Manche Autohersteller setzen auf andere Alternativen. VW wirbt auf der IAA für einen neuen Motor, der „maximale Kraft und minimalen Verbrauch in einem Benzinmotor vereint“. Die TSI-Technologie kombiniert einen Kompressor mit einem Abgas-Turbolader, wodurch der Verbrauch deutlich sinkt. Der neue Golf GT soll sich mit dieser Technologie mit 7,2 Liter Super auf 100 Kilometer bei 170 PS begnügen.
Auf die Alternative Erdgas setzt der deutsche Marktführer im Erdgas-Segment Opel mit dem neuen Kompaktvan Zafira. Für den Verbraucher bietet Erdgas den Vorteil, daß es mehr als 600 Erdgas-Tankstellen gibt und die Autos bis 2020 von der Steuer befreit sind. Bereits 8.421 Erdgas-Autos sind in Deutschland zugelassen - das sind vier Mal mehr als Hybrid-Wagen.