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FAZ.NET-Countdown : Schwierige Beziehungen

Zerrüttete Beziehungen oder glückliche Ehe? In der Politik ist derzeit alles drin. Bild: dpa

Was verbindet und was trennt uns? Spanier und Katalanen suchen nach einer Antwort, wobei die Suche am Sonntag aus dem Ruder gelaufen ist. Auch die Deutschen können am Dienstag mal wieder auf Selbstbesinnung schalten.

          Die gute Nachricht vorweg: Heute ist Brückentag. Das heißt, wenn Sie um sich schauen...möglicherweise sind Sie im hoffentlich sonnenverwöhnten Kurzurlaub. Im suboptimalen Fall ist dies ein normaler Arbeitstag für Sie, aber auch da kommt Rettung: Morgen ist Tag der Deutschen Einheit, also Feiertag! Da haben Sie wahrscheinlich frei und etwas Zeit, sich Gedanken über Beziehungen zu machen. Oder Scheidungen. Anlässe gibt es genug.

          Schwierige Scheidung

          Katalonien will von Spanien loskommen, Spanien hat etwas dagegen (und viele Katalanen auch). Das von der Zentralregierung in Madrid für illegal erklärte Unabhängigkeitsreferendum blieb gestern leider nicht so friedlich wie von den meisten erhofft. Hunderte Verletzte, Bilder von spanischen Polizisten mit Gummigeschossen, Wunden auf beiden Seiten. Was der Konflikt für die Atmosphäre im Land bedeutet, lässt sich nur erahnen. Madrid machte gestern die katalanische Regionalregierung für die Eskalation verantwortlich, die den schwarzen Peter wiederum gen Hauptstadt schob. Wie es nun weitergeht?  Hans-Christian Rößler bringt sie hier auf Stand.

          Szenen einer Ehe

          Apropos Separatismus: Leichte Absetztendenzen regen sich auch mal wieder in den Freistaaten Bayern und Sachsen, die beide noch an den Ausgängen der Bundestagswahl knabbern. In der CSU ist die Debatte voll entbrannt, ob es eigentlich noch eine Obergrenze in der Flüchtlingspolitik braucht oder nicht. Mancher CSU-Politiker sieht das ganz anders als Parteichef Horst Seehofer, der so wackelig auf seinem Chefsessel sitzt wie lange nicht. Kippt er, und was meint eigentlich Markus Söder dazu?

          Verständlich, dass Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich eine Antwort auf den großen AfD-Erfolg in seinem Bundesland sucht – und die CDU wieder etwas stärker nach rechts schieben möchte. Ob das ein richtiges Rezept ist, dürfte noch für weitere Diskussionen sorgen, innerhalb und außerhalb der Union.

          Besonders stark ist die AfD im Osten Deutschlands angekommen, was einmal mehr die Frage nach dem Stand der Einheit 27 Jahre nach der Wiedervereinigung aufwirft. In der F.A.Z. finden Sie heute dazu mindestens zwei Aspekte. Im Leitartikel von Stefan Locke und im Wirtschaftsressort.

          Fast schade, dass das große Bürgerfest unter dem Motto „Zusammen sind wir Deutschland“ heute und morgen in Mainz stattfindet. Also, nichts gegen Mainz, tolle Stadt, die gerade auch nochmal so richtig aufgehübscht worden ist. Aber Berlin, Leipzig oder Dresden wären für kritische Selbstreflektionen in Sachen innere Einheit auch nicht schlecht gewesen. Aber die haben nun mal nicht den Bundesrats-Vorsitz inne.

          Sonstiges für die Paartherapie

          In Österreich ist am Wochenende das Vollverschleierungsverbot in Kraft getreten. 150 Euro soll nun zahlen, wer in Burka oder Nikab erwischt wird. Das Verbot könnte den Tourismus treffen. In Ferienregionen wie Zell am See und Kaprun in der Glockner-Region machen im Sommer Tausende arabische Familien Urlaub. Die müssen dann vielleicht künftig eher nach Garmisch-Partenkirchen oder Zermatt ausweichen.

          Die „Ehe für alle“ ist nun offiziell. In Berlin und anderen Städten waren am Sonntag die Standesämter geöffnet, um die ersten gleichgeschlechtlichen Paare zu trauen. Im Rest der Republik wird sich heute getraut, teilweise, wie in Köln, mit persönlichem Besuch der Oberbürgermeisterin.

          Donald Trump ist immer für atmosphärische Störungen gut: Nachdem sein Außenminister Rex Tillerson Dialogbereitschaft in Richtung Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un signalisiert hatte, grätschte der Präsident dazwischen, das sei nichts als „Zeitverschwendung“. Heute beginnt der Giftmord-Prozess gegen zwei Frauen, die den Halbbruder von Kim in Malaysia getötet haben sollen.

          Was noch wichtig wird

          Der Prozess gegen Abdelkader Merah, den Bruder des Attentäters, der 2012 in Toulouse eine jüdische Schule angriff und mehrere Menschen tötete, fängt an. Merah soll Beihilfe geleistet haben.

          Die Woche der Nobelpreise ist eröffnet, gekrönt durch die Verkündung des Friedensnobelpreisträgers am Freitag. Den Auftakt macht heute der Medizin-Nobelpreis.

          Großbritanniens Premierministerin Theresa May wirkt derzeit etwas blass und aus der Bahn geworfen. Auf dem Parteitag der Konservativen will sie das Bild zurechtrücken.

          Am Dienstag ist bundesweiter Tag der offenen Moschee. Gemeinden bieten Führungen an – und präsentieren sich der nicht-muslimischen Bevölkerung.

          Ob da Alfred Glaser hingeht? Der AfD-Politiker, der Religionsfreiheit für Muslime ablehnt, soll Bundestagsvizepräsident werden, was die meisten anderen Parteien ablehnen. Meine Kollegen Markus Wehner und Justus Bender berichten.

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