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Europa-AG geplant „Porsche bleibt Porsche“

25.03.2007 ·  Der Stuttgarter Sportwagenhersteller strukturiert das Unternehmen neu und installiert eine Holding über Porsche und der VW-Beteiligung. Die operative Geschäftstätigkeit soll von der Beteiligungsverwaltung getrennt werden.

Von Susanne Preuß, Stuttgart
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Die Aufstockung der Beteiligung an VW nimmt Porsche zum Anlass, das Unternehmen neu zu strukturieren und eine Holding über Porsche und die VW-Beteiligung zu installieren. Die operative Geschäftstätigkeit solle von der Beteiligungsverwaltung getrennt werden, heißt es bei dem Stuttgarter Sportwagenhersteller. Die jetzige Porsche AG werde in eine Holdinggesellschaft umgewandelt - mit der gleichen Aktionärsstruktur wie bisher, das heißt mit den Familien Porsche und Piëch als allein stimmberechtigten Anteilseignern.

Unabhängig davon, was bei Volkswagen geschehe, werde Porsche mit dem operativen Geschäft als Schwestergesellschaft neben der VW-Beteiligung stehen. „Porsche bleibt Porsche“, lautet die Botschaft an die Aktionäre. Beschlossen werden soll die neue Struktur bei einer außerordentlichen Hauptversammlung voraussichtlich im Juni.

Name der Holding noch nicht bekannt

Die Holding soll eine europäische Aktiengesellschaft (Societas Europaea) werden, was unter anderem den Vorteil habe, dass „die bisherige bewährte Größe des Aufsichtsrats von zwölf Mitgliedern auch künftig beibehalten“ werden könne. Der Sitz der Gesellschaft, deren Namen bisher nicht bekannt ist, werde ihren Sitz in der Region Stuttgart haben. Geführt werde sie vom bisherigen Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und dem Porsche-Finanzvorstand Holger Härter. Wiedeking und Härter sollen zugleich ihre Posten als Vorstände der operativ tätigen Gesellschaft behalten. Diese soll als 100-Prozent-Tochter mit dem Namen Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG unter der Holding angesiedelt sein und mit dieser durch einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag verbunden sein.

„Die bestehenden Geschäftsverbindungen und Rechtsverhältnisse bleiben durch die Transaktion unberührt“, wird in einer Mitteilung des Unternehmens betont: „Sowohl an der Struktur der Werke, den Zulieferern, den Produktions- und Entwicklungspartnern, den Händlern sowie den weiteren Partnern wird sich nichts ändern.“ Der Sitz der operativen Porsche-Gesellschaft werde in Stuttgart bleiben.

„Logischer Schritt“

Wie eine Schwestergesellschaft steht dann neben der operativen Porsche-Gesellschaft die Beteiligung an VW. Die bisherigen Porsche-Aktionäre wären in ihrer neuen Funktion als Holding-Aktionäre am wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg von Volkswagen beteiligt. Mit dem operativen Geschäft von Porsche gäbe es aber keine unmittelbare Verbindung.

„Porsche ist der festen Überzeugung, dass eine engere Anbindung von VW durch die beabsichtigte Beteiligungsaufstockung für beide Partner Vorteile bringt, ohne die Identität von Porsche zu verwässern oder gar zu gefährden“, heißt es in der Mitteilung von Porsche - „ganz im Gegenteil: Porsche wird noch stärker seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Rolle wahrnehmen.“ Der Vorstand des Sportwagenherstellers betrachte die Beteiligungsaufstockung am VW-Konzern als „logischen Schritt, um die Herausforderungen im hart umkämpften Automobilmarkt noch besser bewältigen zu können“.

„Wir erkaufen uns Handlungsfreiheit“

Diesem Urteil schließen sich offenbar auch eine Reihe von Kreditgebern an. Mit einem Kreditrahmen von 35 Milliarden Euro erbringt Porsche gegenüber der Bafin den notwendigen Nachweis, dass im Extremfall alle Aktien von VW gekauft werden können. ABN Amro, Barclays, Merrill Lynch, UBS und die Commerzbank haben Porsche diesen Kreditrahmen zur Verfügung gestellt, der allein schon deshalb bemerkenswert ist, weil Porsche kein Rating hat - also keine dieser Banken wirklich tiefen Einblick in die Porsche-Bücher hat. Zudem ist der Kreditrahmen mehr als doppelt so hoch wie der derzeitige Börsenwert von Porsche von annähernd 17 Milliarden Euro.

Ausdrücklich bestätigte ein Porsche-Sprecher die Erwartung, dass dem Stuttgarter Unternehmen gar nicht viele Volkswagen-Aktien angedient werden. „Wir erkaufen uns mit diesem Schritt Handlungsfreiheit - das Blau über den Wolken“, sagte der Porsche-Sprecher. Es werde damit sichergestellt, dass die beiden Kernaktionäre von VW, also Porsche und das Land Niedersachsen, gemeinsam die Mehrheit hätten und damit die Unabhängigkeit des VW-Konzerns wahren könnten. „Wir haben beide sicherlich unterschiedliche Interessen“, sagte der Sprecher zum Verhältnis der beiden Großaktionäre zueinander: „Aber in einem sind wir uns einig: dass VW unabhängig bleiben muss.“ Für den bisherigen VW-Anteil von 27,3 Prozent habe Porsche rund 4 Milliarden Euro bezahlt. Die Option für weitere 3,7 Prozent, die nun ausgeübt werde, um den Anteil auf 31 Prozent zu erhöhen, habe noch einmal rund eine Milliarde Euro gekostet.

Warum hat Porsche nicht früher gehandelt?

Bisher hatte Porsche stets den Eindruck erweckt, ein Übernahmeangebot für VW vermeiden zu wollen. „Derzeit bestehen keine Pläne, den Anteil an VW über 29,9 Prozent aufzustocken“, hieß es in Zuffenhausen im November, als bekannt wurde, dass die Hauptversammlung mit einem Beschluss über genehmigtes Kapital den Weg für eine massive Kapitalerhöhung bereiten könnte. Würde dieser Kapitalrahmen ausgenutzt, müssten die Familien Porsche und Piëch rund 4 Milliarden Euro aufbringen, um die stimmberechtigten Aktien im alleinigen Besitz zu behalten. Das ist selbst für die wohlhabenden Familien schwierig - weshalb nun offenbar die Zusammenarbeit mit kreditgebenden Banken bevorzugt wird.

Im November 2006 wäre eine solche Transaktion freilich deutlich preiswerter gewesen, erst recht im Herbst 2005, als Porsche bei VW einstieg. Damals kosteten VW-Stammaktien kaum über 40 Euro, bis Anfang Februar 2007 hatte sich der Kurs etwa verdoppelt - was übrigens Porsche ein Rekordergebnis bescherte und den Aktionären eine Extra-Ausschüttung. Seit dem 13. Februar aber ist der VW-Kurs noch einmal um beinah die Hälfte gestiegen. Allein am vergangenen Freitag legte er 6,23 Prozent zu: Gerüchte über ein Übernahmeangebot durch Porsche kursierten bereits am Markt.

Warum Porsche nicht früher diesen Schritt getan hat, wenn er denn so logisch sei, begründet der Porsche-Sprecher mit der juristischen Einschätzung des VW-Gesetzes: „Das Schlüsseldatum ist der 13. Februar. Damals hat der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs erklärt, dass das VW-Gesetz nach Europarecht rechtswidrig sei.“ Die Schlussfolgerung von Porsche lautet, dass nun eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs gegen das VW-Gesetz wahrscheinlich sei und in der Folge auch die Bundesregierung das Gesetz entsprechend kippen müsse (siehe auch: VW-Gesetz: Niederlage Deutschlands zeichnet sich ab). Mangels Stimmrechtsbegrenzung könnte danach zumindest theoretisch ein weiterer Investor maßgeblichen Einfluss auf VW nehmen. Auf diese Situation sei reagiert worden. Der starke Kursanstieg bereite wenig Kummer, da man mit dem Pflichtangebot unter den aktuellen VW-Kursen bleibe.

Quelle: F.A.Z., 26.03.2007, Nr. 72 / Seite 16
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