25.03.2001 · Medizinische Lehrbücher älteren Datums sind voller Diätvorschriften. Bei fast jeder Krankheit gaben früher die Ärzte Regeln an, was der Patient essen und was er meiden sollte. Heute herrscht in der Gastroenterologie eine andere Meinung vor. Der Magen-, Darm- oder Leberkranke soll essen, was er verträgt.
FRANKFURT. Medizinische Lehrbücher älteren Datums sind voller Diätvorschriften. Bei fast jeder Krankheit gaben früher die Ärzte Regeln an, was der Patient essen und was er meiden sollte. Heute herrscht in der Gastroenterologie eine andere Meinung vor. Der Magen-, Darm- oder Leberkranke soll essen, was er verträgt. Nur bei wenigen Erkrankungen, zum Beispiel bei Sprue und bei Laktose-Intoleranz, stellt die Diät die entscheidende Behandlung dar.
Bei der Sprue oder Zöliakie entstehen Antikörper gegen einen Bestandteil des Eiweißstoffs Gluten, der in Weizen, Roggen und Gerste enthalten ist. Eine Diät, die diese Getreide ausschließt, bessert die Verdauungsstörungen. Die Laktose-Unverträglichkeit richtet sich gegen den in Milchprodukten enthaltenen Milchzucker. Er kann von den Betroffenen im Darm nicht abgebaut werden, was zu Blähungen, Bauchschmerzen und Durchfall führt. Nimmt der Patient Milchzucker nur in geringen Mengen zu sich und bevorzugt als Milchprodukt Joghurt mit Lebendkulturen, so verschwinden die Beschwerden.
Für viele andere Krankheiten des Verdauungstrakts existieren hingegen keine strengen Ernährungsvorschriften mehr. Der Kranke kann und soll essen und trinken, was er verträgt - lediglich Alkohol sollte bei Erkrankungen der Leber und der Bauchspeicheldrüse grundsätzlich tabu sein. Gegen Gallenwegsleiden werden viele Diätratschläge verbreitet, ihr Erfolg ist jedoch umstritten. Eine fettarme Kost könnte zumindest die Entstehung von Cholesterinsteinen hemmen. Gegen schon vorhandene Gallensteine hilft hingegen keinerlei Diät. Ob sich Gallenkoliken durch eine Ernährungsumstellung vermeiden lassen, ist nicht sicher erwiesen. Immerhin gibt es Nahrungsmittel, die gehäuft diese schmerzhaften Krämpfe der Gallenblase auslösen.
Boris Pfaffenbach, Gastroenterologe aus Solingen, führte in der Zeitschrift "MMW - Fortschritte der Medizin" einige davon auf:
Fette, die bei Körpertemperatur flüssig
sind (Butter zum Beispiel)
Milch, Kakao
Mayonnaise
Zwiebeln, Hülsenfrüchte, Kohl,
Sauerkraut, Gurken, Rettich
Geräuchertes und Gebratenes
Spirituosen.
Auch vor Sodbrennen schützt keine allgemein verbindliche Diät. Jeder muß für sich die Nahrungsmittel herausfinden, die Sodbrennen erzeugen. Häufig ist das laut Pfaffenbach bei folgenden der Fall:
Koffeinhaltige Getränke
Pfefferminz
Fette Nahrungsmittel
Schokolade
Scharf gewürzte Speisen
Zitrusfrüchte und ihre Säfte
Alkohol.
Grundsätzlich rufen viele kleine Mahlzeiten seltener Sodbrennen hervor als sehr üppige Portionen. Spätes Abendessen hat sich ebenfalls als ungünstig erwiesen - mindestens drei Stunden sollte jemand nach der letzten Mahlzeit noch wach sein, um keinen Rückfluß des Mageninhalts in die Speiseröhre zu provozieren.
Beim Reizdarm haben zwar viele Patienten den Eindruck, daß Beschwerden wie Stuhlunregelmäßigkeiten, Blähungen oder Bauchschmerzen mit der Ernährung zusammenhängen. In Studien hat sich bisher jedoch nicht nachweisen lassen, daß eine spezielle Diät die Beschwerden tatsächlich beeinflußt. Wenn allerdings Blähungen und eine überstarke Gasbildung im Vordergrund stehen, kann der Verzicht auf besonders gasbildende Lebensmittel lindernd wirken. Dazu zählen Milchprodukte, Eier, viele Gemüsearten, Aprikosen, Weintrauben, Beeren- und Zitrusfrüchte, auch Nüsse, Hefe, Weizenbier und alle anderen kohlensäurehaltigen Getränke.
Dr. med. BARBARA VOLL
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