29.06.2009 · Wie für die Wirtschaftsleistung, so lassen sich auch für Preise und Kurse an den Finanzmärkten Zyklen beobachten. Zu bestimmten Zeiten denken Menschen anscheinend nicht einmal im Traum daran, eine Aktie zum Preis von x zu kaufen.
Von Hanno MußlerWie für die Wirtschaftsleistung, so lassen sich auch für Preise und Kurse an den Finanzmärkten Zyklen beobachten. Zu bestimmten Zeiten denken Menschen anscheinend nicht einmal im Traum daran, eine Aktie zum Preis von x zu kaufen. Manchmal sind sie nur ein halbes Jahr später dann aber bereit, für die zuvor verschmähte Aktie 3x, also den dreifachen Preis, zu bezahlen. Nicht jede Anlageentscheidung erscheint rational.
Anhänger der Elliott-Wellen-Theorie beobachten indes, dass sich Marktteilnehmer über ganze Zyklen hinweg durchaus ihrer menschlichen Natur entsprechend verhalten. Denn Anleger sind Stimmungen ausgesetzt. Und es gibt womöglich einen Rhythmus in der kollektiven Stimmung der Menschen. Schon in der Bibel ist von sieben guten und darauf folgend sieben schlechten Jahren die Rede.
Wer sie „richtig“ liest, kann Prognosen anstellen
Der Stimmungsrhythmus der breiten Anlegermasse wird an der Börse in Preis- und Kursverläufen sichtbar. Oft werden schwer erklärbare Bewegungen mit der Bemerkung „Börse ist Psychologie“ abgetan. Tatsächlich trifft das Kollektiv der Anleger Kauf- und Verkaufsentscheidungen nach weitverbreiteten Bedürfnissen. Immer wiederkehrende massenpsychologische Verhaltensmuster der im Extrem zwischen Angst und Gier schwankenden Marktteilnehmer sorgen über viele Jahre hinweg für fast gesetzmäßig verlaufende, wellenartige Auf- und Abwärtsbewegungen von Kursen und Preisen. Wer diese Zyklen aus der Vergangenheit „richtig“ liest, kann daraus auch Schlüsse und Prognosen für die Zukunft ziehen.
Der Buchhalter Ralph N. Elliott (1871 bis 1948) entdeckte, dass Kurse in einer Hausse (einer Baisse) oft dieser Struktur folgen: Ein Aufwärtstrend (Abwärtstrend) wird von einer Abwärtsbewegung (Aufwärtsbewegung) teilweise korrigiert. Der Mega-Trend, auch Impuls genannt, besteht aus fünf Wellen: Welle I, III und V sind in die Hauptrichtung gerichtet; Welle II und IV korrigieren die Impulswellen teilweise. Jede „Megawelle“ lässt sich in kleinere Wellen zerlegen, die mit den Zahlen von 1 bis 5 beschriftet werden. Die Kursverläufe und auch die Zeitspannen, in denen sie ablaufen, sind demnach nicht zufällig, sondern erfolgen in „natürlicher Harmonie“.
Die Kursziele fest im Blick
Die auf den Mathematiker Leonardo da Pisa, genannt Fibonacci (13. Jahrhundert), zurückgehende unendliche Zahlenfolge 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, 144 und so weiter bietet die mathematische Grundlage für das räumliche und zeitliche Ausmaß der Wellen. Die nächstfolgende Fibonacci-Zahl in der Folge wird stets ermittelt durch die Summe der beiden vorangehenden. Das Verhältnis einer Zahl zu ihrer nächsthöheren nähert sich nach den ersten vier Gliedern der Folge dem Wert 0,618 an. Diese Proportion, der sogenannte Goldene Schnitt, scheint der Mensch, zumindest im Abendland, seit je als die perfekte Harmonie zu empfinden. Deshalb formten die Griechen vieles nach dieser Idee der Ausgewogenheit. Der Pantheontempel ist zum Beispiel nach dem Goldenen Schnitt gebaut, auch das christliche Kreuz weist diese Proportionen auf und das Format der modernen Scheckkarte.
Fibonacci-Anwender an der Börse versuchen, Kursziele mit Zeitpunkten zu ermitteln: Ausgehend vom Kurshoch und -tief einer abgeschlossenen Welle, multiplizieren sie den Abstand mit einer Fibonacci-Relation. Diese gibt das prognostizierte Ausmaß einer folgenden Welle an. Da die Fibonacci-Relationen erst nach den ersten vier Zahlen offenkundig gegen 0,618 tendieren, haben auch die ersten drei Relationen (1, 0,5, 0,7, 0,3) Bedeutung. Am meisten werden die Fibonacci-Quotienten 61,8 und 38,2 Prozent beachtet, aber auch 76,4 und 23,6 Prozent als Ergebnis des Verhältnisses einer Fibonacci-Zahl, dividiert durch ihren Vorvorgänger, haben Anhänger.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.388,65 | −1,38% |
| Dow Jones | 12.502,80 | −0,01% |
| EUR/USD | 1,2662 | −0,17% |
| Rohöl Brent Crude | 107,11 $ | −1,05% |
| Gold | 1.582,50 $ | 0,00% |