Home
http://www.faz.net/-gpc-7ftnp
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Dopingkontrollen im Fußball „Was soll das?“

„Wenn man das macht, dann richtig“: Jiri Dvorak, Chefarzt der Fifa, kritisiert die Anzahl der Blutkontrollen, die DFB und Nationale Anti-Doping Agentur bei deutschen Fußballprofis sammeln wollen. Auch andere Experten halten die Maßnahmen für unzureichend.

© dpa Vergrößern Streitpunkt Blutanalysen: Zu wenige Proben? (Foto von 2008)

Der Chefarzt des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), Jiri Dvorak, hält die Zahl von Blutkontrollen zur Entdeckung von Doping im deutschen Profi-Fußball für viel zu niedrig. „Wenn man das macht, dann richtig“, sagte der Mediziner am Samstag der F.A.S. „Optimal wäre es, wenn vor der Beginn der Saison alle Spieler der Bundesliga getestet würden. Dann hätte man eine Basis, könnte weitere Kontrollen in der Saison folgen lassen und die Ergebnisse vergleichen“, erläuterte Dvorak.

Michael Ashelm Folgen:   Anno Hecker Folgen:  


Der Deutsche Fußball-Bund (DFB), die Deutsche Fußball-Liga und die Nationale Anti–Doping-Agentur (Nada) hatten sich am Donnerstag auf die Einführung von Bluttests im Kampf gegen Doping geeinigt. Nach Angaben der Nada wird es aber nur rund 75 bis 100 Blutkontrollen geben können. Im Schnitt können also allenfalls zwei Spieler pro Verein und Saison einmal getestet.

Mehr zum Thema

Der Pharmakologe und Anti-Doping-Experte Professor Fritz Sörgel gab dem Fifa-Chefarzt Dvorak Recht: „Ich bin nicht entsetzt, aber sehr überrascht. Wenn man Blutpässe der Sportler erstellen will, über die man dann bei einer langfristigen Überprüfung ein Dopingverhalten nachweisen könnte, reicht diese Zahl niemals aus. Was soll das?“

Der DFB verwies auf Anfrage auf die Nada, die freie Hand habe bei der Wahl der Kontrolle. „Die abschreckende Wirkung ist wichtig“, sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch, auch Vorsitzender der Anti–Doping-Kommission im Verband auf Anfrage: „(...) In der Fachkommission bestand Einigkeit, dass die Blutkontrollen nur als Ergänzung wichtig sind. Die Nada hat entschieden, dass jetzt 15 Prozent Blutkontrollen stattfinden.“ Die Nada wiederum machte deutlich, dass sie zwar gerne mehr Bluttests im Training machen würde, ihren Spielraum auch mit Blick auf das vom Fußball gewährte Budget aber nicht beliebig erweitern könne, ohne die wichtige Kontrolle via Urin-Proben zu gefährden.

Quelle: F.A.S./ FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Das Spiel mit der Gesundheit Volkssport Doping

Deutschland plant ein scharfes Anti-Doping-Gesetz für Profis. Doch sie sind nur die Spitze des Eisbergs. Geschluckt und gespritzt wird überall - auch ganz unten. Die Verbreitung ist flächendeckend. Mehr Von Michael Eder

16.10.2014, 11:57 Uhr | Sport
Nato-Verbündete proben für den Ernstfall

Während der Ukraine-Krise haben die Nato-Verbündeten Polen, Kanada und Vereinigte Staaten im polnischen Chechlo ein gemeinsames Manöver abgehalten. Mehr

06.05.2014, 11:01 Uhr | Politik
Gatlin kontert Harting-Kritik Zweimal Doper, immer Doper?

Sprinter Justin Gatlin fühlt sich nach Robert Hartings Ankündigung, wegen ihm nicht bei der Wahl zum Welt-Leichtathleten antreten zu wollen, zu Unrecht noch immer als Dopingsünder an den Pranger gestellt. Mehr

12.10.2014, 11:54 Uhr | Sport
Charité probt den Ebola-Ernstfall

Mediziner sehen die Gefahr eines Ebola-Ausbruchs in Deutschland als gering an. Aber in der Berliner Charité will man gut vorbereitet sein. Mehr

11.08.2014, 22:09 Uhr | Gesellschaft
Doping-Aufarbeitung Omertà in Freiburg?

Der Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit der Universität Freiburg droht die finale Blockade. Untersuchungsleiterin Letizia Paoli sieht sich behindert und droht mit Rückzug. Nun geht die Universität auf Konfrontationskurs zu ihr. Mehr

20.10.2014, 13:07 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 10.08.2013, 15:37 Uhr

Wir geben nichts

Von Reinhard Müller

In klarem Widerspruch zu einem Urteil des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag hat das höchste Gericht Italiens nun den Weg geebnet für Entschädigungsklagen gegen Deutschland wegen nationalsozialistischer Untaten. Darauf kann es nur eine klare Antwort geben. Mehr 40 65

Möbel für die Straße Auf neuen Wegen

Wie möbliert man eine Straße? Die Berliner Staubach + Kuckertz kennen sich damit aus und wissen, dass es mehr als schönes Design braucht. Sie haben bereits den Tahrir-Platz in Kairo „revolution proof“ ausgestattet. Mehr Von Peter-Philipp Schmitt

Śkoda Fabia Fast fabelhaft

Śkoda möchte mit seinem neuen Fabia ernsthafte Wertigkeit und einen Schuss Sportsgeist ausdrücken. Doch auch das tadellos erscheinende neue Auto des tschechischen Automobilherstellers hat ein paar Restriktionen. Mehr Von Holger Appel

Kolumne „Nine to five“ Von Hofnarren und Zynikern

Eine Festanstellung verändert den Charakter: Die einen werden im Panoptikum des Berufsalltages zum Narzisst - fahren damit im Zweifelsfall aber besser als die Kollegen, die ihre Arbeit ordentlich machen. Mehr Von Jan Grossarth 1