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Digitaler Lebensstil Multimedia stiehlt Bits und Bytes die Schau

13.03.2005 ·  Die Cebit in Hannover zeigt den neuen digitalen Lebensstil. Geräte mit vielen Talenten sind gefragt. Mit nackten Leistungsdaten ist bei den Verbrauchern längst kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

Von Raymond Wiseman
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Auf Intels Cebit-Stand parkt ein Mini. Das kleine Fahrzeug hat im Radioschacht einen voll ausgestatteten Auto-PC. So lassen sich auf der Rückbank DVDs anschauen, während vorn am Bildschirm das Navigationssystem leitet.

MP3, Videos, Fotos und Spiele abrufbar von der Festplatte, Windows XP als Betriebssystem, Internetzugang über Wireless Lan, Handyverbindung über Bluetooth: Fast scheint es, als habe der deutsche Hersteller Inperio ein Resümee der Cebit in seinem Auto-PC vereint. Alles wird kleiner, funktioneller, leistungsfähiger, kommunikativer und selbstverständlich immer noch unterhaltsamer.

Laut, bewegt und gnadenlos kommunikativ

Vor allem in den westlichen Messehallen gibt's digitalen Lifestyle. Der Trend zum Entertainment, zu Jahresbeginn in Las Vegas von der CES vorgegeben, prägt auch die Cebit: laut, bewegt und gnadenlos kommunikativ. Schon in Halle 1 zeigt sich der Wandel der Cebit. Inmitten des traditionellen Horts der Cebit-Schwergewichte gibt es die neue „Digital Imaging Area“. Rund ums Thema Foto geht es hier von der Aufnahme bis zur Wiedergabe um alle Prozesse der Bildverarbeitung. Privater Schnappschuß und öffentliche Darstellung rücken immer näher zusammen. Deutlich zeigt dies Kodaks Easyshare One. Die digitale Kamera mit integriertem Wireless-Lan-Adapter überträgt Schnappschüsse per Funknetz in Kodaks Easyshare-Galerie, ins heimische Netzwerk oder online zum Entwickler.

In der Fremde leuchten die neuen DLP-Projektoren mit LED-Lichtquelle heim. Das Leuchtmittel läßt sie leicht, portabel und stromsparend sein. Solch ein kleiner Taschenprojektor paßt von der Größe her noch in den Kulturbeutel: alles dabei, um sich stets richtig zu präsentieren. Samsung zeigt einen Pocket Projector, hat aber auch großformatige Bildschirme im Programm. Der Slimfit TV zaubert aus einer nur 40 Zentimeter tiefen Kathodenstrahlröhre immerhin 81 Zentimeter Bilddiagonale. Die Koreaner möchten damit die Renaissance der Röhrengeräte einläuten. Zumindest wird in diesem Zusammenhang die hervorragende Qualität der Röhre wieder gelobt. Richtig flach sind aber nur LC- oder Plasma-Displays, die beinahe an jedem Stand erstrahlen. Bald soll es auch daheim so sein, spätestens mit dem von der Branche erwarteten Siegeszug des hochauflösenden Fernsehens HDTV, das im November Deutschland-Premiere hat.

Laufen soll's und einfach zu bedienen sein

Die höhere Wiedergabequalität ist auch Thema bei den Speichermedien. Qualität braucht Raum, auch auf der Wechselscheibe. Noch kämpfen die Rivalen Blu-ray und HD-DVD um die Nachfolge der DVD und die Vorherrschaft im kommenden Markt. HD-DVD argumentiert mit Auf- und Abwärtskompatibilität der Lauf- und Preßwerke, während Blu-ray das Kapazitätspendel zu seinen Gunsten schwingen läßt. Ob nun die Meßlatte bei 30 Gigabyte der HD-DVD oder gar üppigen 50 Gigabyte der Blu-ray liegt, die eigentliche Hürde beim Markteintritt ist - darüber sind sich die Mitbewerber einig -, womit der Speicher gefüllt wird. Man wird sehen.

Was wir nicht sehen möchten, blendet Hitachi bei seinem neuen DVD-Rekorder mit Festplatte aus: Ein Chip erkennt und überspringt Werbeunterbrechungen. So befreit der Festplatten-Rekorder den Mitschnitt von Reklame. Überhaupt laufen Systeme mit Festplatte und integriertem Empfänger für die TV-Aufzeichnung und die zeitversetzte Wiedergabe - das sogenannte Time Shift - allen anderen Aufzeichnungsgeräten den Rang ab. Hier zumindest hat der Computer den Einzug ins Wohnzimmer geschafft, wobei die Diskussion über Betriebssystem und Leistungsdaten in den Hintergrund tritt: Laufen soll's und einfach zu bedienen sein. Und natürlich schick aussehen - eben nicht wie die graue Kiste unterm Schreibtisch.

Alles rückt näher und hängt zusammen im digitalen Haushalt

Unter dem Aspekt der simplen Steuerung gewinnt auf der Cebit auch ein triviales Instrument wie die Fernbedienung Bedeutung. Sie soll das Tor zu jenen Zuschauern und Zuhörern aufstoßen, die im Wohnzimmer auf die Vielfalt der Geräte mit einem zentralen Steuerelement zugreifen wollen. Altes und neues Equipment müssen auch in der Bedienung zusammenwachsen. So hält Logitech konsequent neben PC-Tastatur und Maus inzwischen Fernbedienungen bereit. Harmony genannt, lassen sie sich für die Steuerung von TV, Rekorder und Sound auf den privaten Unterhaltungspark abstimmen, können aber auch anderen Infrarotempfängern wie Lichtsteuerung und Klimaanlage Befehle geben. Über das Internet werden vorkonfigurierte Geräteprofile geladen und mit einem USB-Kabel auf die angedockte Fernbedienung übertragen. Hierbei lassen sich am PC gleich auch Szenarien festlegen, beispielsweise welcher Eingang am Fernseher aktiviert sein soll, wenn die Video-Taste gedrückt wird, oder daß Harmony die Anlage auf Surround-Sound umschaltet, wenn wir eine DVD starten.

Alles rückt näher und hängt zusammen im digitalen Haushalt. Verbindendes Element ist das Netzwerk, in dem alle Geräte Teilnehmer werden. Das Manko der oft fehlenden Spezialverkabelung löst das drahtlose Wireless-Lan-Funknetz. So wie auf der Cebit flächendeckende Funknetzversorgung herrscht, soll auch im privaten Haushalt das Netz in allen Räumen sämtliche Informations- und Unterhaltungsmedien zum Zugriff bereithalten. Eine Alternative und Ergänzung zum Funknetz bietet Devolo mit seiner Microlink-Serie, die das hausinterne Stromnetz zur Datenübertragung nutzt. Die neue Highspeed-Serie erhöht den maximalen Datendurchsatz auf 85 Megabit je Sekunde, sechsmal mehr als bisher.

Die Sicherheit kommt nicht zu kurz

Wer nach neuer Hardware für das Netz sucht, wird indes nicht nur auf die Übertragungsrate achten. Auch die Sicherheit ist wichtig. Vor allem im drahtlosen Netz werden erhöhte Anstrengungen unternommen, um die privaten Daten abzusichern. Um dem Anwender die Konfiguration seines Netzwerks zu vereinfachen, wird die „Fritzbox Wlan“ von AVM in Zukunft als USB-Host ausgelegt und zusätzlich mit einer USB-Buchse ausgestattet. Über sie kann der Kunde mit einem USB-W-Lan-Stick sämtliche Konfigurationsdaten laden, die sein drahtloses Netzwerk sicher machen.

Auch seitens der Software darf bei der Vernetzung die Sicherheit nicht zu kurz kommen. So präsentiert Acronis - erstmals mit eigenem Stand auf der Cebit - seine „Privacy Expert Corporate Workstation“, die vor Spionageprogrammen und anderen Einbrechern in die Privatsphäre umfassend schützen soll. Einen Antivirenschutz enthält die Kaspersky Personal Security Suite 1.0. Überdies bringt sie eine Firewall-Software und ein Anti-Spam-Programm mit. Auch für den Schutz von Taschencomputern sorgt Kaspersky mit seinem „Security für PDA 5.5“. Neben dem Antivirenschutz für Palm OS, Pocket PC und Microsoft Smartphones beherrscht das Programm auch die Verschlüsselung gespeicherter Dateien.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.03.2005, Nr. 10 / Seite 58
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