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: Die Odyssee von Sisis Heine-Denkmal

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Wo wird einst des Wandermüden / letzte Ruhestätte sein? / Unter Palmen in dem Süden? / Unter Linden an dem Rhein?", fragte sich Heinrich Heine in einem seiner schönsten Gedichte. Und doch schien ihm die Antwort nicht so bedeutsam ...

          Von Manfred Flügge

          Wo wird einst des Wandermüden / letzte Ruhestätte sein? / Unter Palmen in dem Süden? / Unter Linden an dem Rhein?", fragte sich Heinrich Heine in einem seiner schönsten Gedichte. Und doch schien ihm die Antwort nicht so bedeutsam zu sein, denn er fuhr fort: Gottes Himmel umgebe ihn überall, und an jedem Ort leuchteten die Sterne als seine Grabeslaternen. Das klingt gefasst, ja gelassen, aber es war doch nur die Ahnung, dass, wie in seinem Leben, auch in seiner Nachgeschichte von Ruhe und Ankommen keine Rede wäre.

          Heine ist der Schutzpatron aller deutschen Künstler und Autoren, für die Paris als Ort der Anregung und der Zuflucht bedeutsam wurde; er verkörpert die Kontinuität des intellektuellen und politischen Exils. Auf dem Friedhof Montmartre schaut sein melancholisch geneigtes Haupt von einer Stele auf seine Grabstätte herab. Ein Bildhauer aus Dänemark hat dieses schöne Werk geschaffen, das auf die bange Frage des Dichters eine Antwort zu geben scheint. Aber eine andere Statue desselben Dänen brachte eine wahre Odyssee hinter sich, die auf ihre Weise die deutschen Widersprüche, Sonderwege und Katastrophen spiegelt und das Schicksal seiner kritischen Intelligenz.

          Denn auch Statuen haben ihre Exilgeschichten, wie jene Skulptur, welche Kaiserin Elisabeth von Österreich (im Kreis der Ihren Sisi genannt, auf den Leinwänden der Welt aber Sissi) zu Ehren ihres Lieblingsdichters Heinrich Heine in ihrem Sommerschloss im griechischen Korfu aufstellen ließ und die schließlich am südlichsten Punkt der Côte d'Azur ihren letzten Ort fand.

          Die einstige bayerische Prinzessin war eine rastlose Reisende; auch die Côte d'Azur hat sie mehrfach besucht, wo sie die Bucht von Villefranche und Cap Martin bei Menton besonders liebte. Ihre letzte Ruhestätte würde die Kapuzinergruft in Wien sein, das wusste man von vornherein, aber ihren gewundenen Lebensweg und ihr tragisches Ende konnte niemand ahnen.

          Sie war nicht nur eine Spitzensportlerin (im Reitsport), sie war auch eine Dichterin. Und ihr Vorbild war und blieb Heinrich Heine, dem sie in ihren Versen nacheiferte. Dass Heine immer wieder das Objekt von Hasskampagnen wurde, focht sie nicht an; auf die öffentliche Meinung gab sie ohnehin nichts. Und so engagierte sie sich, als in Heines Geburtsstadt im Jahre 1887 ein Streit wegen eines Denkmals entstand, 31 Jahre nach Heines Tod und sechs Jahre nach der deutschen Einheit. Der Dichter Paul Heyse versuchte, die Düsseldorfer zu überzeugen, dem in dieser Stadt Geborenen eine Statue zu weihen und seine menschlichen Makel zu vergessen, angesichts dessen, "was heute von ihm noch in deutscher Sangeslust und deutschem Sangesschmerz durch die Saiten unserer vaterländischen Harfen rauscht".

          Solche Töne schlugen nicht an. "Patriotische" Studenten aus Bonn protestierten, überall regte sich Widerstand gegen eine solche "Schandsäule". Dennoch wurde dem Antrag im Stadtrat zugestimmt, mit einer Stimme Mehrheit - der des Bürgermeisters. Die städtische Opposition aber gab nicht nach und beschwerte sich bei Bismarck in Berlin.

          Kaiserin Elisabeth intervenierte unaufgefordert und war bereit, sich an den Kosten für das Denkmal zu beteiligen. Sie warb dafür, dem Dichter unsterblicher goldener Lieder den Dank "eines ganzen Volkes" abzustatten. Von den zwei Entwürfen des Bildhauers Ernst Herter wählte sie einen aus und sagte 13 000 Mark zu, die Hälfte der Kosten.

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