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Die Herbstsaison beginnt : Die Diktatur der Kunst geht weiter

  • -Aktualisiert am

In Düsseldorf und Köln eröffnen die Galerien, und mittendrin erklärt Jonathan Meese malend den Parsifal – und viele andere Absonderlichkeiten. 

          Alles tut weh. Der Rücken, die Füße. Das gehört dazu. Kollektive Galerieeröffnungen in größeren Städten sind anstrengend wie eine Documenta oder eine Kunstbiennale in Venedig. Man läuft und schaut und läuft und schaut. Sie sind aber ähnlich ergiebig. Alle legen sich ins Zeug, wie jetzt wieder, für ihre Ausstellungen vom tiefen Süden Kölns bis nach Flingern in Düsseldorf. Seit ein paar Jahren sind die beiden Städte Freunde und feiern gemeinsam den Saisonbeginn. Mehr als fünfzig Galerien sind es, die sich beteiligen und jede für sich eine Marke setzen wollen.

          Männer-Geschichten erzählt die Kunst in Düsseldorf: Jonathan Meese hat sich berappelt, die Massenproduktion hinter sich gelassen, der Hitlergruß-Prozess in Kassel ist auch passé. Jetzt wird er von Sies + Höke in Düsseldorf vertreten und zeigt dort, was man in Zukunft von ihm erwarten kann: Die Vorbereitung seiner Parsifal-Inszenierung in Bayreuth 2016 gibt dem Werk Konzentration und Intensität zurück. Der Kampf für seine „Diktatur der Kunst“ baut sich jetzt auf einem glatten, tiefschwarzen Malgrund auf - wie aus der Dunkelheit einer Bühne erscheinen die bunten, immer noch schrillen, aber nicht mehr so zerfaserten Figuren und Formen. Alles greift ineinander: Erz-Meese und Parsifal, das passt.

          Die Galerie Setareh hat sich den Nachlass von Memphis Schulze (1944 bis 2008) gesichert, er soll jetzt von der Begeisterung für den 2010 verstorbenen Künstlerfreund Sigmar Polke profitieren. Die Aufarbeitung seines OEuvres, ein sehen- und lesenswerter Katalog, ist gerade erschienen, erzählt vom Tollhaus der Düsseldorfer Kunstgeschichte. Die ästhetische Nähe zwischen den Künstlern ist offensichtlich: die Farben, die Raster, die Schablonen, die Comic-Motive. Die künstlerische Umsetzung bleibt bei Memphis Schulze holzschnitthaft bemüht. Historisch wichtig aber ist die Entdeckung, weil Schulze und Polke entscheidende Jahre gemeinsam verbrachten, Werke zusammen entwickelten. (Preise von 28.000 bis 250.000 Euro).

          In Düsseldorf vertritt Beck & Eggeling die Zero-Gruppe. Die Preisentwicklung von Heinz Mack, Otto Piene & Co. ist seit ein paar Jahren exponentiell. Zur DC Open heißt nur eine von mehreren Ausstellungen „Zero-Zeit, Mack und seine Künstlerfreunde“. Heinz Holtmann in Köln, mittlerweile im neuen Viertel um die Kranhäuser am Rhein zuhause, ist seit Jahrzehnten mit den Künstlern befreundet. Der Preisanstieg treibt auch bei ihm die Sammler zur Trennung. Frühe Werke von Heinz Mack sind hier in der Mehrzahl: Ein großformatiges, braunes Acryl-Gemälde von 1959 kostet 580 000 Euro. Spannender aber ist eine kleine Din-A-4-Mappe, die der Galerist von Privatleuten übergeben bekam. Otto Piene hat sie um 1970 angelegt zur Kölner Bundesgartenschau 1971 mit herrlichen Blüten-Collagen, die zeigen, wie seine Windspiele aussehen sollten. Die Ideen wurden zum Teil erst jetzt in der Langen Foundation und auf dem Dach der Berliner Neuen Nationalgalerie realisiert.

          Eigentlich steht Christian Nagel für die israelischen Künstler Clegg & Guttmann in Köln ein. Doch für diese DC Open hat er sich mit dem Galeristen Mirko Mayer verbündet. Nagel zeigt aktuelle Arbeiten und Mayer Entdeckungen aus der Vergangenheit. Das Künstlerduo, das international mit ihren Buchtauschschränken und ihren streng komponierten Porträts bekannt wurde, erweckt dort sein unbekanntes Frühwerk zum Leben, das dreißig Jahre im Wohnzimmer von Mayers Vater hing. Er unterstützte Clegg & Guttmann in ihren ersten Jahren, bezahlte das Atelier. Dafür bekam er Bilder geschenkt, einige Negative wurden erst jetzt entwickelt. Es sind Stillleben, getaucht in hartes und trotzdem theatralisches Licht - mit 4711-Kölnisch-Wasser-Flakons, Tabasco-Fläschchen, Schokotalern auf Samt gebettet. Auf einem Großformat hängen Kiwis und Schuhcreme an einer langen Kordel. Martin Guttmann erzählt, wie das Obst in die Höhe kam: Auch beim spanischen Maler Francisco de Zurbarán hätte doch schließlich das Gemüse gehangen. Das künstlerische Vorbild ist klar. (Preise nur auf Anfrage.)

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