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Veröffentlicht: 07.09.2014, 10:58 Uhr

Die Herbstsaison beginnt Die Diktatur der Kunst geht weiter


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Susanne Zander, die seit kurzem unter Delmes & Zander firmiert, eröffnet in zwei Wochen eine zweite Galerie in Berlin, doch wird sie ihre Räume in Köln behalten. Ihr Spezialgebiet der Outsider Art hat in den vergangenen Jahren stark an Aufmerksamkeit gewonnen, doch bleibt der spekulative Käufer trotzdem fern. Denn die Arbeiten sind oft nicht signiert, sperren sich gegen die Instrumente des Marktes. Und das macht die Ausstellungen so besonders. Die kleinteiligen Zeichnungen von Chris Hipkiss (Alpha und Chris Mason) wirken wie Spielkarten aus einer spiritistischen Sitzung, doch die Motive deklinieren Natur- und Stadtformen durch oder zeigen das Periodensystem in unzähligen Selbstporträts. (Preise von 1050 bis 15.000 Euro.)

Das neue Künstlerduo: Pierre Bonnard und Lee Friedlander

Thomas Zander hat sich in seiner Fotogalerie eine überraschende Kombination überlegt: Zeichnungen von Pierre Bonnard (Preise von 10.000 bis 18.000 Euro) bringt er mit Gestrüpp-Fotos von Lee Friedlander zusammen (35.000 Euro). Die Zehn-Sekunden-Zeichnungen zum Freimachen des Kopfes vom französischen Maler zwingen ähnlich obsessiv alles Nötige in einen engen Rahmen wie Friedlander auf seiner Schwarz-Weiß-Fotografie die blattfreien Gebüschecken. Nebenan gibt es schon die nächste Entdeckung: Anke Schmidt stellt zum ersten Mal in Europa die Fotografien des Musikers Richard „Dickie“ Landry aus. Er war mit Gordon Matta-Clark, Nany Graves, Bruce Nauman, Mary Heilman, Richard Serra, Philip Glas und vielen anderen befreundet und hielt ihren Alltag und ihre Kunst fest. Die Jahre zwischen 1969 und 1979 blättern sich vor dem Auge auf. (Preise von 3500 bis 4400 Euro.)

Mehr als fünfzig Galerien in Köln und Düsseldorf, da kann jeder Überblick nur einen Ausschnitt bieten. In Düsseldorf lohnt noch ein Gang durch den Stadtteil Flingern mit den Galerien von Cosar mit Glen Rubsamen, Linn Lühn mit Andreas Schmitten, Schönewald mit René Wirths, in Köln natürlich Daniel Buchholz mit Frances Stark gleich an zwei Standorten und Gisela Capitain mit Richard Smith. In Köln machen nicht alle Galerien bei den DC Open mit, zusätzliche Seitenwege tun sich auf mit Teapot, der mit René Stessl in den Herbst geht.

Die Hardhitta Gallery ist freiwillig nicht offizieller Teilnehmer - sie versteht sich als Pop-up-Galerie und taucht dieses Mal im Keller des Galeriegebäudes An der Schanz 1a im Norden von Köln auf, wo Hammelehle und Ahrens, Nagel Draxler und Warhus Rittershaus fest installiert und DC-Open-Mitglieder sind. Der Hardhitta-Galerist Benedikt Taschen zeigt mit „Echtzeitmalerei“ die erste Ausstellung von Oliver Blum, grelle Spontangesten, deren Ergebnisse jedoch albtraumhaft unvergessen bleiben: Hinter einem Schleier aus feinen Linien schaut ein bunter Frauengeist wie sichtbar gemachter Höllenschleier.

Warhus Rittershaus bringen drei Künstlerinnen in einen Raum: Kerstin Brätsch, Esther Kläs, Alice Mackler. Der Liebling der New Yorker Kunstszene, die Malerin Alice Mackler, 82 Jahre alt, von Roberta Smith geadelt, schafft seit einigen Jahren eigenwillige, bunte Tonfiguren von Frauen mit schrägen Proportionen. Ihre frühen Gemälde aus den späten sechziger Jahren erinnern stark an Maria Lassnigs Körpererkundungen. Nebenan bei Hammelehle und Ahrens kuratiert der streng schwarz-weiß-abstrakt gewordene André Butzer eine Ausstellung mit der Kunst seiner Freunde und verknüpft dies mit der Behauptung, seine Kunst könne nicht ohne die Anderen.

Viele Ausstellungen, ob in Düsseldorf oder Köln, zeugen von einem steigenden Interesse an persönlichen Verbindungen zu anderen Künstlern (für Meese ist es eben Parsifal). Kommt das Kollektiv zurück? Es sind kleine Gesten, wie die Mappe von Otto Piene oder die Fotos von Richard „Dickie“ Landry, die ausgegraben werden - und jeden noch so langen Weg mit einem Happy End beglücken.

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