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Die Gründe des Kunstmarkt-Booms : Die Sozialisierung der Sammler

  • -Aktualisiert am

Bietgefechte in Millionenschritten

Bei Christie's war Andy Warhol der große Star: Sein „Green Car Crash (Green Burning Car I)“ von 1963 aus der „Death and Disaster“-Serie zeigt in siebenfacher Wiederholung das makabre Foto eines tödlichen Autounfalls, bei dem der Fahrer aus dem Wagen geschleudert und auf einen Haken aufgespießt wurde. Das Bieten wollte kein Ende nehmen. Der Christie's-Auktionator Christopher Burge nahm Gebote von fünf verschiedenen Seiten in Millionenschritten entgegen, so dass die obere Taxe von 35 Millionen Dollar schnell überholt war. Kurzzeitig mischte sich auch der New Yorker Kunsthändler Larry Gagosian im Saal in das Gefecht zwischen zwei Agenten des Auktionshauses an Telefonen ein, doch schließlich erhielt der auf asiatische Kunden spezialisierte Ken Yeh den Zuschlag. Der erstaunliche Hammerpreis lag bei 64 Millionen Dollar, das sind mit Aufgeld 71,72 Millionen Dollar.

Aus eingeweihter Quelle wird versichert, dass die zwei vermutlich asiatischen Unterbieter, die bei Sotheby's die Preise für Rothko und Bacon in die Höhe trieben, dieselben Bieter waren, die sich am folgenden Abend bei Christie's auf Warhol stürzten. Der Christie's-Agent Mr. Yeh hielt sich während des Warhol-Bietgefechts an jedes Ohr einen Telefonhörer und hat wohl gleichzeitig zwei verschiedene Interessenten vertreten. Der Käufer blieb ungenannt, aber es halten sich hartnäckig die Gerüchte, dass er als jener Joseph Lau aus Hongkong zu identifizieren ist, der vor einem halben Jahr bei Christie's mit 15,5 Millionen Dollar für Warhols „Mao“ den bisherigen Rekord für den Künstler aufgestellt hatte.

Die Zeitschrift „Forbes“ schätzt das Vermögen des vierundfünfzig Jahre alten chinesischen Immobilienunternehmers auf 2,1 Milliarden Dollar. Er hat einen Wohnsitz in Hongkong und einen in Australien und gibt nicht nur für Kunst Geld aus. Wenige Tage nach der Auktion bei Christie's ließ die Firma Boeing verlauten, dass Lau ein Privatflugzeug vom Typ 787 VIP mit Platz für 250 Passagiere bestellt habe, ein Auftrag im Wert von mehr als 150 Millionen Dollar. Und Laus Sammlung teurer Weine soll mehr als 10.000 Flaschen umfassen.

Postkommunistische Käuferschicht

Im Gegensatz zu den meisten Kunsthändlern und Galeristen haben die Auktionshäuser den Vorteil, global Zugang zu den Reichen und Kaufwilligen zu finden: „Viele Sammler haben wir über Schmuck-Auktionen kennengelernt“, erläutert Tobias Meyer. Als „geosoziologisches Phänomen“ bezeichnet er die schwindelerregenden Ergebnisse der vergangenen Auktionen: „Es ist eine neue Käuferschicht, die vom Fall des Kommunismus profitiert. Jetzt können sie endlich kaufen und den eigenen Erfolg zelebrieren. Das Gute ist, dass ihr Auffassungsvermögen nicht begrenzt ist. Diese Leute suchen Werke der Meisterklasse, egal von wem, egal ob Bacon oder Rothko. In den späten achtziger Jahren waren es die Banken, die teure Werke gekauft haben, aber jetzt sind es Privatsammler.“

Auch der New Yorker Galerist David Zwirner, der selbst gerade Rekordpreise für Werke von Hiroshi Sugimoto und Cindy Sherman bezahlt hat, betont, dass Privatsammler die Stärke des derzeitigen Markts ausmachen: „Es gibt unglaublich viele Endverbraucher, das ist neu. Auch wenn die Preise irgendwann wieder einmal nach unten gehen, deutet die Breite des Markts auf ein langfristiges Phänomen hin.“ Die „Sozialisierung der Kunstsammler“ ist nach seiner Einschätzung der Motor des Geschäfts: „Ein passionierter Sammler muss während der Biennale-Vorschauen in Venedig nicht einen Euro fürs Essen ausgeben.“ Allein Zwirner organisierte dort vier Partys, „und in Basel geht es gleich weiter“.

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