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: Die Bank der feinen Hanseaten

  • Aktualisiert am

Eine Villa im norddeutschen Klinkerstil mit kleinen Erkern: So sah das Bankhaus Berenberg in alten Zeiten aus, hanseatisch wie aus dem Bilderbuch. Wer dagegen heute die Bank an der Hamburger Binnenalster besucht, landet bei einem schmucklosen Siebziger-Jahre-Zweckbau.

          Von Christian Siedenbiedel

          Eine Villa im norddeutschen Klinkerstil mit kleinen Erkern: So sah das Bankhaus Berenberg in alten Zeiten aus, hanseatisch wie aus dem Bilderbuch. Wer dagegen heute die Bank an der Hamburger Binnenalster besucht, landet bei einem schmucklosen Siebziger-Jahre-Zweckbau. In seiner Hässlichkeit passt der so gar nicht in die Umgebung, zwischen das noble Hotel "Vier Jahreszeiten" und den Überseeclub, zwischen die Patrizierhäuser vergangener Jahrhunderte.

          Das Bild ändert sich schlagartig, tritt man durch die Tür ins Innere des Gebäudes. Den Besucher empfängt ein weites Foyer. In einer Ecke warten ein paar Ledersessel, an der Wand hängen altertümliche Ölgemälde mit unglaublich wichtig dreinblickenden Männern aus dem 18. Jahrhundert. Die Teppiche sind dick, die Wände zum Teil mit Holz vertäfelt. Das einzige Geräusch ist das gleichmäßige Ticken einer mächtigen Standuhr. Willkommen im Bankhaus Berenberg - Deutschlands ältester Privatbank, gegründet anno 1590.

          Hier lassen die Reichen ihr Geld verwalten. Ab einer Million Euro ist man dabei, flüssiges Vermögen versteht sich, Immobilien nicht mitgerechnet. Dafür verspricht die Nobelbank, wovon nicht erst seit der Finanzkrise alle träumen: eine individuelle und ganz unabhängige Beratung, mit der Erfahrung aus Jahrhunderten für die Geldanlage über mehrere Generationen.

          Diskret holen die Bankberater jeden Kunden an der Rezeption ab. Gesprochen wird gedämpft. In den Besprechungsräumen stehen kunstvolle Schränke und Tische. Und zum Kaffee gibt es silberne Milchkännchen mit dem Wappen des Hauses. Tradition ist wieder modern im Bankgeschäft - und die Berenberg Bank pflegt ihre Tradition besonders.

          Die Hamburger Privatbank hat die Finanzkrise ausgesprochen gut überstanden, anders als etwa das Kölner Bankhaus Oppenheim. Riskante Industriebeteiligungen besaß Berenberg so wenig wie toxische Wertpapiere. "Wir haben von der Krise eher profitiert", sagt Berenberg-Chef Hans-Walter Peters, ein ernster Mittfünfziger, der zum dunklen Anzug stets Einstecktuch trägt. Er ist Mitinhaber der Bank und - darauf legt er Wert - persönlich haftender Gesellschafter.

          Viele vermögende Mittelständler, bislang Kunden der Großbanken, machten sich in der Krise Sorgen, ob ihr Geld da wohl noch sicher sei. Davon hat Berenberg laut Peters profitiert: "Wir haben in diesem Jahr schon sieben Prozent neue Kunden gewonnen", sagt Peters. "Allein für Privatkunden verwalten wir jetzt 8,3 Milliarden Euro - rund eine Milliarde mehr als noch zum Jahresbeginn."

          Es ist ein Phänomen: Selbst die Konkurrenten wissen nichts Böses über das Nobel-Bankhaus zu berichten. Sie nennen es eine "Privatbank, die einfach gut aufgestellt ist". In Zeiten, da andere längst ihre Filialnetze verkleinert haben, eröffnen die Hamburger eine neue Niederlassung nach der anderen. Bis Ende der 70er Jahre war Berenberg nur in Hamburg bekannt. Inzwischen hat die Bank viele Filialen. Zuletzt kamen Braunschweig und Salzburg, davor Stuttgart, München und Düsseldorf hinzu. In Frankfurt wurde die vor einigen Jahren eröffnete Niederlassung schon zu klein - die Bank zog um in eine größere Villa, in der einst der Maler Moritz von Schwind wohnte.

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