Home
http://www.faz.net/-gpc-6rvpw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Die Bank der feinen Hanseaten

 ·  Die Berenberg Bank ist der neue Star unter den Privatbanken. Überall eröffnet sie Filialen. Das Erfolgsrezept: Sie exportiert das Lebensgefühl der Hamburger Millionäre.

Artikel Lesermeinungen (0)

Von Christian Siedenbiedel

Eine Villa im norddeutschen Klinkerstil mit kleinen Erkern: So sah das Bankhaus Berenberg in alten Zeiten aus, hanseatisch wie aus dem Bilderbuch. Wer dagegen heute die Bank an der Hamburger Binnenalster besucht, landet bei einem schmucklosen Siebziger-Jahre-Zweckbau. In seiner Hässlichkeit passt der so gar nicht in die Umgebung, zwischen das noble Hotel "Vier Jahreszeiten" und den Überseeclub, zwischen die Patrizierhäuser vergangener Jahrhunderte.

Das Bild ändert sich schlagartig, tritt man durch die Tür ins Innere des Gebäudes. Den Besucher empfängt ein weites Foyer. In einer Ecke warten ein paar Ledersessel, an der Wand hängen altertümliche Ölgemälde mit unglaublich wichtig dreinblickenden Männern aus dem 18. Jahrhundert. Die Teppiche sind dick, die Wände zum Teil mit Holz vertäfelt. Das einzige Geräusch ist das gleichmäßige Ticken einer mächtigen Standuhr. Willkommen im Bankhaus Berenberg - Deutschlands ältester Privatbank, gegründet anno 1590.

Hier lassen die Reichen ihr Geld verwalten. Ab einer Million Euro ist man dabei, flüssiges Vermögen versteht sich, Immobilien nicht mitgerechnet. Dafür verspricht die Nobelbank, wovon nicht erst seit der Finanzkrise alle träumen: eine individuelle und ganz unabhängige Beratung, mit der Erfahrung aus Jahrhunderten für die Geldanlage über mehrere Generationen.

Diskret holen die Bankberater jeden Kunden an der Rezeption ab. Gesprochen wird gedämpft. In den Besprechungsräumen stehen kunstvolle Schränke und Tische. Und zum Kaffee gibt es silberne Milchkännchen mit dem Wappen des Hauses. Tradition ist wieder modern im Bankgeschäft - und die Berenberg Bank pflegt ihre Tradition besonders.

Die Hamburger Privatbank hat die Finanzkrise ausgesprochen gut überstanden, anders als etwa das Kölner Bankhaus Oppenheim. Riskante Industriebeteiligungen besaß Berenberg so wenig wie toxische Wertpapiere. "Wir haben von der Krise eher profitiert", sagt Berenberg-Chef Hans-Walter Peters, ein ernster Mittfünfziger, der zum dunklen Anzug stets Einstecktuch trägt. Er ist Mitinhaber der Bank und - darauf legt er Wert - persönlich haftender Gesellschafter.

Viele vermögende Mittelständler, bislang Kunden der Großbanken, machten sich in der Krise Sorgen, ob ihr Geld da wohl noch sicher sei. Davon hat Berenberg laut Peters profitiert: "Wir haben in diesem Jahr schon sieben Prozent neue Kunden gewonnen", sagt Peters. "Allein für Privatkunden verwalten wir jetzt 8,3 Milliarden Euro - rund eine Milliarde mehr als noch zum Jahresbeginn."

Es ist ein Phänomen: Selbst die Konkurrenten wissen nichts Böses über das Nobel-Bankhaus zu berichten. Sie nennen es eine "Privatbank, die einfach gut aufgestellt ist". In Zeiten, da andere längst ihre Filialnetze verkleinert haben, eröffnen die Hamburger eine neue Niederlassung nach der anderen. Bis Ende der 70er Jahre war Berenberg nur in Hamburg bekannt. Inzwischen hat die Bank viele Filialen. Zuletzt kamen Braunschweig und Salzburg, davor Stuttgart, München und Düsseldorf hinzu. In Frankfurt wurde die vor einigen Jahren eröffnete Niederlassung schon zu klein - die Bank zog um in eine größere Villa, in der einst der Maler Moritz von Schwind wohnte.

Dass Berenberg ein echter Krisengewinner ist, teilt die Bank zwar mit anderen traditionell vorsichtigen Privatbanken, wie dem Bankhaus Metzler. Aber bei Berenberg kommt noch etwas hinzu: Die Bank ist eine Hamburger Institution. Mit ihrem Geschäftsmodell exportiert sie auch ein Lebensgefühl: das der Hamburger Millionäre.

Und das ist im Augenblick hip. Wenn die Bank in Norddeutschland Polo-Turniere sponsert wie kein anderer und zu illustren Treffen auf Hamburgs Hausinsel Sylt einlädt, trifft sie damit offenbar den Zeitgeist. Während Frankfurts Banker schon mal mit Gier und kurzfristiger Profitmaximierung verbunden werden, gelten Hamburger als weitsichtige Kaufleute mit norddeutschem Understatement. "Hamburg ist ein gutes Aushängeschild", sagt Berenberg-Chef Peters. Der Lebensstil Hamburger Millionäre imponiert den reichen Leuten auch in anderen Teilen der Republik. Sogar denen im Allgäu: Inzwischen macht Berenberg mehr neues Geschäft im Süden Deutschlands als hoch im Norden.

Dabei ist die Geschichte der Bank durch und durch hanseatisch: Hans und Paul Berenberg, protestantische Kaufleute aus Antwerpen, mussten wegen ihres Glaubens ihre Heimat verlassen. Sie gründeten die Firma 1590 in Hamburg zunächst als Tuchhandel. Später wurde daraus eine Bank, die den Seehandel finanzierte und zu den Gründern der Reedereien Hapag und Lloyd gehörte. Mit dem Bankhaus Metzler (gegründet 1674) streitet sich Berenberg (gegründet 1590) um die größere historische Tradition. Berenberg ist zweifellos älter - dafür nennt sich Metzler "älteste deutsche Privatbank im ununterbrochenen Familienbesitz".

Die Berenbergs hatten nämlich schon 1768 keine männlichen Nachkommen mehr. Chef wurde ein Mann von außen, Johann Hinrich Gossler. Um den Namen Berenberg trotzdem zu erhalten, kam die Familie auf einen Trick: Sie nannte später ein Kind einfach mit Vornamen "Berenberg": "John Berenberg Gossler". Das beeindruckte den Hamburger Senat offenbar so sehr, dass er 1880 eine Änderung des Nachnamens in "Berenberg-Gossler" offiziell erlaubte.

Später wurden die Berenberg-Gosslers sogar adelig. John Berenberg-Gossler wurde 1889 in den preußischen Adelsstand erhoben - als Gegenleistung dafür, dass er in der Hamburger Kaufmannschaft Bismarcks Pläne unterstützt hatte, Hamburg an die deutsche Zollunion anzuschließen. Die selbstbewussten Hamburger Kaufleute allerdings hielten davon herzlich wenig. Der damalige Bürgermeister mokierte sich: "Ein Hamburger Kaufmann kann überhaupt nicht erhoben werden." Und selbst Berenbergs Schwester meinte: "Aber John, unser guter Name!"

Heute ist kein Mitglied der Berenberg-Familie mehr in der Geschäftsleitung aktiv. Joachim von Berenberg-Consbruch, der letzte von ihnen, schied Ende 2005 aus dem Kreis der persönlich haftenden Gesellschafter aus und wechselte in den Verwaltungsrat. Seither führen familienfremde Manager die Bank - nicht von Stand, aber offensichtlich von Fortüne.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Yahoo kauft Relevanz

Von Roland Lindner

Des Internetkonzerns Yahoo zahlt 1,1 Milliarden Dollar in bar für den Blogging-Dienst Tumblr. Der Zukauf hat den Anschein einer Verzweiflungstat. Mehr 7

Finanzmärkte aktuell
Name Wert Änderung
  F.A.Z.-Index --  --
  Dax --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  F.A.Z.-Anleih… --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
  Bund Future --  --