21.07.2010 · Die französische Finanzministerin Lagarde besucht eine Kabinettssitzung in Berlin, ihr deutscher Kollege Schäuble erhält bei einem Ministerrat in Paris Einblicke in den „innersten Kreis“ des Regierens - Paris und Berlin sollten diese Chancen nutzen, um voneinander zu lernen.
Von Günther NonnenmacherGeheimnisse wird die französische Finanzministerin Lagarde nicht erlauscht haben, als sie im März bei einer Kabinettssitzung in Berlin Gast war. Auch Präsident Sarkozy wird seine Probleme nicht ausgebreitet haben, als Finanzminister Schäuble jetzt bei einem Ministerrat in Paris anwesend sein durfte. Doch interessant sind solche Einblicke in den „innersten Kreis“ des Regierens allemal, und zwar über ihre symbolische Bedeutung hinaus.
So konnte Schäuble, der in Paris als Europäer der alten Garde – was positiv gemeint ist – empfangen wurde, noch einmal direkt hören, was Sarkozy kürzlich schon in einem Fernsehinterview gesagt hatte: Man wolle vom „deutschen Modell“ lernen. Da geht es um eine Schuldenbremse in der Verfassung, um die Staatsquote und Steuerfragen, aber auch um Exporterfolge, für die Frankreich Deutschland beneidet.
Beschlossen wurde eine gemeinsame Initiative zur Stärkung des EU-Stabilitätspaktes. Was davon im Tagesgeschäft Bestand hat, wird man noch sehen. Schlecht wäre es aber nicht, wenn Paris und Berlin, nach dem Motto „best practice“, von einander lernen würden.