11.07.2011 · Nicht jedem hat es gefallen, wie Bundestrainerin Silvia Neid das WM-Fiasko wegzulächeln versucht. Und schon im September beginnt die EM-Qualifikation. Harte Arbeit unter erschwerten Bedingungen für die Trainerin.
Von Christian KampEine Zukunft nach der Weltmeisterschaft ist auf der Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) noch nicht vorgesehen. Die Liste mit den Terminen des Frauen-Nationalteams endet mit dem am Samstag verlorenen Viertelfinale gegen Japan. WM vorbei, alles vorbei? Tatsächlich ist es gar nicht mehr so lange hin, bis sich die deutschen Damen den nächsten sportlichen Herausforderungen stellen müssen. Die Schweiz ist am 17. September der erste Gegner in der Qualifikation zur Europameisterschaft 2013 in Schweden. Ein Heimspiel wird es sein, so viel steht fest. Auch, dass es eine bescheidenere Bühne sein wird als bei dieser WM.
Was das aber konkret bedeutet, wie viele Nummern kleiner der Alltag aussehen wird, der in diesem Herbst beginnt, das sind Fragen, die man sich derzeit auch beim DFB stellen wird. Funktioniert der Frauenfußball als Spektakel für die Massen auch ohne den besonderen Kitzel der Heim-WM? Wie groß sollen die Stadien sein, wird das Fernsehen zur Prime-Time übertragen oder im Vorabendprogramm? Erst wenn es darauf Antworten gibt, wird sich zeigen, wie groß und wie nachhaltig der Erfolg dieser WM für den deutschen Frauenfußball wirklich war. Auch die Besucherzahlen in der Bundesliga, deren Saison schon am 21. August beginnt, werden ein Indikator dafür sein.
Taktisch, technisch und physisch gab es Probleme
Über all das muss sich Silvia Neid keine Gedanken machen. Sie dürfte ohnehin genug zu tun haben mit der sportlichen Analyse und Aufarbeitung des jähen Scheiterns bei der WM. „Wir werden uns nach ein, zwei Wochen zusammensetzen und alles Revue passieren lassen“, kündigte sie am Sonntag an. Ob dann immer noch ihr Urteil gilt, das sie bei dieser Gelegenheit formuliert hat: dass dem Team kein Vorwurf zu machen sei, dass es stolz auf das sein könne, was es bislang erreicht habe? Eine handfeste Selbstkritik, auch ihrer eigenen Rolle, wäre sicher die bessere Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft.
Was diese WM nämlich in überraschender Deutlichkeit gezeigt hat, ist, dass es den Vorsprung, den der deutsche Frauenfußball gegenüber einem Großteil der Konkurrenz stets innehatte, so nicht mehr gibt. Nicht technisch, da waren die Japanerinnen eine Klasse besser. Nicht taktisch, das zeigten sowohl die Defensivstrategien, an denen sich das DFB-Team die Zähne ausbiss, als auch die eigene Unfähigkeit, das Spiel zu gestalten. Und auch nicht physisch, womit den Deutschen der letzte bislang so verlässliche Trumpf abhanden gekommen ist. Für den Frauenfußball insgesamt mag das eine erfreuliche Entwicklung sein, wie auch DFB-Präsident Theo Zwanziger findet: „Ich bin froh, dass die Weltspitze enger zusammengerückt ist“, sagte er. Für Silvia Neid und ihr Team bedeutet das aber jede Menge Arbeit – unter erschwerten Bedingungen.
Der Vater von Birgit Prinz meldete sich zu Wort
Zwar erhielt sie Rückendeckung von Zwanziger und auch noch Unterstützung von allerhöchster Stelle: Bundeskanzlerin Angela Merkel griff zum Telefon, um ein paar aufmunternde Worte loszuwerden. Ansonsten aber gerät die Debatte um die Rolle der Bundestrainerin, deren Vertrag zu WM-Beginn bis 2016 verlängert wurde, allmählich in Fahrt. Nicht jedem im Verband und in den Vereinen hat es gefallen, wie sie das WM-Fiasko wegzulächeln versuchte.
Auch der Versuch, der verpassten Olympia-Qualifikation etwas Positives abzugewinnen – mehr Vorbereitungszeit für die EM –, war eine eigenwillige Interpretation. Beim DFB wagte sich Vizepräsident Rolf Hocke, der zugleich Leiter des Frankfurter Organisationskomitees ist, als erster aus der Deckung. Das frühe Aus gegen Japan nannte er in einem Interview mit der „Hessisch Niedersächsischen Allgemeinen“ ein „Desaster“ und fügte in Richtung der Bundestrainerin hinzu: „Letztlich muss sich auch Silvia Neid bestimmte Fragen gefallen lassen.“
Ein Nachwuchsproblem hat der deutsche Frauenfußball nicht
Auch aus der Liga, die wegen der Heim-WM größtmögliche Rücksicht auf die Bundestrainerin und ihren umfangreichen Vorbereitungsplan genommen hatte, kommt Kritik. „Sie muss sich auch langfristig fragen, wie sie das Boot wieder ins Fahrwasser bekommt“, sagte Siegfried Dietrich, der Manager des 1. FFC Frankfurt. Eine kuriose Note erhielt die Debatte am Montag, als sich der Vater von Birgit Prinz im Radio zu Wort meldete und indirekt Silvia Neids Rücktritt forderte – die Tochter distanzierte sich kurz darauf per DFB-Mitteilung von dieser „persönlichen Meinung“. „Es ist nicht richtig, jetzt einer Person die Schuld zu geben“, sagte sie.
Zum Team, das im September in die EM-Qualifikation startet, wird Birgit Prinz genauso wenig mehr gehören wie Ariane Hingst. Einen echten Umbruch wird es nach Lage der Dinge aber nicht geben. „Wir müssen keinen großen Neuaufbau machen“, sagte Silvia Neid, auch wenn natürlich, „wie immer“, weitere jugendliche Kräfte integriert würden. Dabei dachte sie vor allem an die Angreiferin Dzsenifer Marozsan vom 1. FFC Frankfurt, die wegen einer Verletzung die WM verpasst hatte. Gut möglich, dass es aus den Reihen der U-20-Weltmeisterinnen des vergangenen Jahres weitere Spielerinnen ins Blickfeld des A-Teams schaffen. Ein Nachwuchsproblem jedenfalls hat der deutsche Frauenfußball sicher nicht. Die Frage ist, was er aus seinem größten Kapital in Zukunft macht.
Länderspiel gegen die Schweiz
Tautz von Tronje (Tautron)
- 11.07.2011, 19:59 Uhr
Hat eigentlich jemand mitbekommen, das die U-17-Mannschaft 3. bei ihrer WM ist?
Rolf Huchthausen (huchthausen)
- 11.07.2011, 20:45 Uhr
Woher das Recht auf diese Debatte
B. Daum (zaumi65)
- 11.07.2011, 20:51 Uhr
LB 2.7.:Neid killt Lira – und unsere WM?–11.7.: Neid ignoriert IHRE Fehler -AUS
Torsten Milsch (BeziehungsDoc)
- 11.07.2011, 21:31 Uhr
Mannschadt??
Klaus Keller (kkeller)
- 11.07.2011, 22:32 Uhr
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