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Der wahre Wert des Schenkens Warum uns Präsente oft weniger wert sind, als sie kosten

Bald geht der Weihnachtswahnsinn wieder los: Was sollen wir schenken? Oft verpulvern wir sinnlos Geld für Dinge, die kein Mensch braucht. Es geht auch anders. Von Nadine Oberhuber

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht: An keinem Tag des Jahres ist dieser Satz so tückisch wie am Heiligen Abend. Was wir da unter den Weihnachtsbaum legen und Freunden und Verwandten in die Hand drücken, entscheidet darüber, ob es wirklich eine Stille Nacht wird oder eine lautere. Dann wissen wir, ob sich unser Einsatz beim Geschenkekauf auszahlt, ob er soziale Rendite abwirft - in Form eines Lächelns auf dem Gesicht des Beschenkten. Oder zumindest hoffen wir es.

Denn vor allzu viel Optimismus warnen uns Ökonomen längst: In den Wochen vor Weihnachten geraten die Fußgängerzonen weltweit zwar an ihre Kapazitätsgrenzen, Geschäfte erleben den absoluten Kunden-Overkill, und die Umsätze erreichen schwindelnde Höhen - allein 73 Milliarden Euro werden die Deutschen dieses Jahr in den Läden lassen, 230 Euro will jeder von uns für Weihnachtsgeschenke ausgeben - aber all das bringt herzlich wenig. Noch schlimmer: Das große Kaufen zu Weihnachten ist sogar eine gigantische Geldverschwendungsmaschinerie. Weltweit werden Milliardenwerte vernichtet. Wie kann das sein?

Ganz einfach: Wenn wir für uns selbst einkaufen, produziert jeder Euro, den wir ausgeben, auch Zufriedenheit im Gegenwert eines Euro, haben Psychologen und Ökonomen ermittelt. Beim Schenken aber ist das anders. Jeder Käufer hat ein Grundproblem: Er hat ein Informationsdefizit gegenüber dem Beschenkten. Er ahnt allenfalls, ob ein Pullover wohl das richtige Geschenk ist und welches die bevorzugte Farbe oder Form sein könnte. Aber er weiß es nicht. Manchmal ist Geschenkekaufen sogar so, als würden wir im Dunkeln auf eine Zielschiebe schießen, so nennt es der amerikanische Ökonom Joel Waldfogel. Und so ist es gar nicht so selten, dass ein Geschenk eben nicht für Zufriedenheit sorgt, sondern sogar für Enttäuschung.

"Wir alle bekommen Weihnachten Dinge geschenkt, die wir überhaupt nicht brauchen oder die wir erst als sinnvoll erkennen, nachdem wir uns bis zur letzten Seite der Gebrauchsanleitung durchgekämpft haben", sagt Waldfogel, "aber selbst dann würden wir nie so viel Geld dafür ausgeben, wie es der Schenkende getan hat." In einem Versuch hat der Ökonomieprofessor seine Studenten aufschreiben lassen, was sie zum Fest bekamen und was ihnen diese Geschenke wert waren - welchen Betrag sie also selber ausgegeben hätten, wenn sie dieses Produkt hätten kaufen müssen. Das Ergebnis: Im Schnitt waren den Beschenkten die Präsente nur 66 Prozent dessen wert, was die Schenkenden dafür tatsächlich ausgegeben hatten.

Schenken vernichtet also ein Drittel des Warenwerts, rund 25 Milliarden Euro allein hierzulande. Oft sogar noch mehr.

Dann nämlich, wenn man die Opportunitätskosten mit einrechnet: Angenommen, wir kriegen einen Pullover für 50 Euro geschenkt, der uns aber nicht gefällt und uns daher nichts oder maximal 25 Euro wert ist. Weiter angenommen, wir hätten uns stattdessen unseren Traumpullover kaufen können für 50 Euro - wir hätten aber notfalls auch 75 Euro für ihn bezahlt: Dann hat das Schenken mindestens 50 Euro an Wert vernichtet, schlimmstenfalls sogar 75.

Wie sehr ein Geschenk an Wert verliert, hängt aber auch davon ab, welchem Antrieb der Schenkende folgt, hat Waldfogel festgestellt. Er nennt das die Verteilungsproblematik: Demnach erzielen diejenigen beim Schenken die größte Rendite, die altruistisch, also selbstlos, schenken. Gefährlich wird es dagegen, wenn jemand aus paternalistischen Gründen schenkt, also dem Beschenkten signalisieren will, was gut für ihn ist.

Was folgt daraus? Viele Großeltern und auch Eltern, die bei größeren Summen das Geldgeschenk wählen, wissen es längst: Es bringt meist mehr, wenn man es den zu Beschenkenden selber überlässt, sich die passenden Dinge zu kaufen. Das haben auch Studien bewiesen. Niemand kann so gut unsere Bedürfnisse befriedigen wie wir selbst. All das heißt aber nicht, dass wir zu Geizhälsen oder Geldgebern werden sollen. Nur, dass wir uns trotz Trubels ein bisschen Zeit gönnen könnten, um übers Schenken nachzudenken.

Quelle: F.A.S.

 
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